Achtung Telefonbetrüger! Die fiesen Tricks der Abzocker

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(Foto: Rundblick)
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Mehrfach warnten wir in der jüngeren Vergangenheit vor Telefonbetrügern, erst gestern berichteten wir vom Fall der 93-Jährigen aus Hamm, die ihr Geld auf Anweisung falscher Polizisten in einer Papiertonne deponierte.

Ob falsche Computerspezialisten, Schockanrufe, Enkeltrick oder falsche Polizeibeamte – die Kriminellen sind nicht nur erfinderisch, sie gehen auch psychologisch geschickt vor und schaffen es, den meist älteren Mitbürgern mit perfiden Einschüchterungsversuchen und Drohungen eine solche Angst einzujagen, dass der gesunde Menschenverstand dabei auf der Strecke bleibt.

Umso wichtiger ist es für Angehörige, Bekannte und Freunde, immer wieder aufzuklären und zu warnen, damit die Opfer merken, wenn ein solcher Betrugsversuch stattfindet.

Auch die Polizei Soest sah nun in der vergangenen Woche wieder konkreten Anlass, vor Betrügern zu warnen, die mit verschiedenen Maschen zwei Opfer im Nachbarkreis hereingelegt hatten. Viele weitere Betrugsversuche wurden angezeigt.

Wir haben einige Tricks der Telefonbetrüger für euch zusammengestellt:

Enkeltrick

Beim sogenannten Enkeltrick rufen die Betrüger meist ältere Mitbürger an und geben sich als deren Verwandte, oft Enkel, aus. Das Gespräch beginnt oft mit „Hallo Oma! Rate mal, wer hier ist?!“ und hat der oder die Angerufene dann erstmal einen Namen preisgegeben, geht es los.

Der Enkel sei in der Klemme und brauche dringend Geld, meist wird dann ein angeblicher Bekannter geschickt, der das Geld abholen soll.

Legt auf und ruft eure Verwandten zurück, um nachzufragen, ob wirklich eine Notsituation vorliegt!

 

Schockanrufe

Ein besonders hinterhältiger Trick ist dieser: Die Opfer bekommen einen Anruf, in dem jemand verzweifelt weint und schreit – ein naher Verwandter? Dann wird der Hörer an eine andere Peron übergeben, die sich z.B. als Polizist ausgibt. Der Verwandte sei verletzt oder habe einen Unfall verursacht und nun müsse man für die Kosten aufkommen. Und zwar sofort. Gern wird auch eine hohe Kaution gefordert, damit der vermeintliche Verwandte wieder auf freien Fuß gelangt.

Die medizinische Behandlung von Verletzten und Unfallopfern muss in Deutschland NIE sofort und bar bezahlt werden!

 

110 ruft an

Eine Telefonanlage so zu manipulieren, dass im Display des Angerufenen die Notrufnummer 110 erscheint, ist offenbar gar nicht so kompliziert. Dem Opfer wird hier vorgegaukelt, ein Polizist oder Kripo-Beamter rufe an. Mit Behauptungen wie der, dass Name und Adresse desjenigen bei einem festgenommenen Kriminellen gefunden worden seien oder dass es Hinweise auf einen bevorstehenden Einbruch gebe, werden die Opfer gezielt verunsichert. Man solle Bargeld und Wertgegenstände zusammensuchen, ein hilfsbereiter Polizist werde es abholen.

Beliebt ist auch die Masche, das Konto sei nicht sicher und man müsse das Geld abheben um es auf ein sicheres Konto der Polizei einzuzahlen.

Die Polizei ruft niemals mit der Nummer 110 an. Sie nimmt auch niemals Geld, Schmuck oder sonstige Wertgegenstände zur Aufbewahrung an!

 

Software-/Computerspezialisten

Eine neuere Masche sind die Computer- oder Softwarespezialisten, hier sind nicht nur ältere Leute betroffen. In einer Übersetzer-Gruppe auf Facebook machte erst kürzlich ein solcher Fall die Runde: Im Namen bekannter Unternehmen, wie z.B. Microsoft, wurde eine selbstständige Übersetzerin angerufen, da sie angeblich einen Virus oder sonstige Malware auf ihrem Computer habe.

Man bot ihr an, das ganze per Ferndiagnose zu bereinigen, gern stellen die Täter jedoch auch „nur“ eine völlig überteuerte Rechnung. Haben sich die Betrüger einmal Zugang zum Rechner verschafft, sind natürlich keinerlei Daten mehr sicher – denn sie haben nun Zugriff auf alles.

Gebt Fremden niemals Zugriff auf euren Computer oder sonstige Daten!

 

Stromableser

Ein weiterer Trick ist der mobile Stromableser, so geschehen im Münsterland. Hier wurden die Opfer von einer Mobilfunknummer angerufen und von einem angeblichen Angestellten der Stadtwerke nach Zählerstand und –nummer gefragt. Hat der Täter diese Informationen und zusätzlich Namens- und Adressdaten, kann er den Stromversorger im Namen des Geschädigten kündigen und ihn bei einem neuen, teureren Versorger anmelden. Das Opfer merkt das dann erst, wenn Kündigungsbestätigung oder Rechnung eintrudeln.

Die Stadtwerke fragen diese Daten niemals per Telefon ab!

 

Abo-Fallen

Nicht mehr ganz so neu sind die sogenannten Abo-Fallen, in denen den Geschädigten Abos, die sie niemals wollten, per Post oder Telefon untergejubelt werden.

Die Stiftung Warentest berichtete unlängst von einem besonders dreisten Fall: Im Briefkasten lag ein Angebot für ein dreimonatiges Gratis-Schutzpaket einer Auslandskrankenversicherung. Wer das Angebot, das in Wirklichkeit ein Abo war, nicht vor Ablauf dieser drei Monate kündigte, bekam eine Rechnung über 69 Euro pro Jahr – das kostenlose Angebot ging in ein kostenpflichtiges über, ohne dass der unwissende Kunde jemals etwas unterschrieben hatte oder seinerseits einen Vertrag eingegangen war (auch nicht mündlich!). Dies ist natürlich völlig unrechtmäßig, denn gemäß einem Urteil des Landgerichtes Limburg kommt durch „Schweigen kein Vertrag zustande“. Oft war den Zustellungen ein Telefonat vorausgegangen, bei dem den Angerufenen ein Zeitschriften-Abo verkauft werden sollte.

Schließt keine Verträge oder Abos am Telefon oder an der Haustür ab!

 

Hilfe von der Verbraucherzentrale

Auf der Seite der Verbraucherzentrale gibt es für Geschädigte verschiedene Musterbriefe zum Download, die im Falle einer unberechtigten Rechnung oder Mahnung helfen können. Die wichtigsten haben wir hier für euch gesammelt:

Abwehr einer unberechtigten Forderung (z. B. Zeitschriftenabo)

Abwendung unberechtigter Forderungen (insbesondere Gewinn- und Lottofirmen)

Abwehr einer unberechtigten Forderung eines Inkassobüros

Übrigens! Unternehmen dürfen nicht mit einer unterdrückten Nummer anrufen. Sollte euer Gesprächspartner seine Nummer dennoch unterdrücken, fragt gezielt nach, im Auftrag welchen Unternehmens er anruft. Ihr habt eine Telefonnummer im Display, aber den Eindruck, dass das Gespräch nicht seriös war? Meldet Unternehmensnamen und/oder Nummer der Verbraucherzentrale NRW und der Bundesnetzagentur.

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