Mit Hunden in Königsborn auf Personensuche – diesmal ging es gut aus

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Ein ungewöhnliches Polizeiaufgebot in Unnas größtem Stadtteil schreckte am Montag einen Leser aus Königsborn auf. 
“Da waren Leute mit Hunden auf Personensuche unterwegs auf der Friedrich-Ebert-Straße”, teilte er uns mit, ziemlich viele Leute seien es gewesen.
Polizei? Das wusste der Leser nicht. “Auf den Westen stand: Personensuche. Sie hatten Hunde dabei. Einer war in Zivil.” Nervös fragte sich der Familienvater, ob möglicherweise nach einem Kriminellen gefahndet wurde: “Die Leute sind in ziemlicher Eile bis zum Café Koch hochgelaufen, dann Richtung Tankstelle und wieder in Richtung Haus Husemann.”
Das Seniorenheim an der Unteren Husemannstraße war denn auch Ausgangspunkt der auffälligen Aktion: Erwartungsgemäß bestätigte uns heute auf Nachfrage Polizeisprecherin Ute Hellmann, dass – wieder einmal – ein Bewohner plötzlich aus dem Heim verschwunden war und deshalb sofort die Polizei mit Suchhunden (Mantrailerhunden) in Aktion getreten sei.
“Es handelte sich um einen älteren Herrn, der gegen 12 Uhr das Haus Husemann verlassen hatte”, schildert die Polizeisprecherin.
Da es bei demenzkranken Menschen häufig vorkommt, dass sie rasch völlig orientierungslos umherirren und in ernste Gefahren geraten können, verlor die Polizei keine Zeit. Mit umfangreichem Aufgebot suchte sie den Bereich rund um das Seniorenheim ab.
Mit raschem Erfolg, vermeldet Ute Hellmann beruhigend. “Der ältere Herr wurde am Nachmittag gefunden und wohlbehalten in die Einrichtung zurück gebracht.”
Sehr häufig muss die Kreispolizeibehörde inzwischen wegen vermisster älterer / demenzkranker Menschen in Aktion treten, bestätigt uns die Polizeisprecherin. “Das bindet immer viele Einsatzkräfte.” Denn bis sie sich zur Öffentlichkeitsfahndung mit Bild entscheidet, versucht sie zunächst intensiv, den Vermissten / die Vermisste ohne viel Aufsehen zu finden.
“Denn eine Vermisstensuche gerade mit Foto und Namen bedeutet immer einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre”, gibt die Polizeisprecherin zu bedenken. Solche Beiträge werden hundert-, oft tausendfach geteilt, und das Internet vergisst nie.
Dennoch werden Vermisstensuchen gerade nach orientierungslosen Personen von der Kreispolizeibehörde immer zügig öffentlich gemacht, oft noch am selben Tag. Zu groß ist die Gefahr, dass der hilflose Mensch einen Unfall erleidet, an Erschöpfung, Austrocknung, Kälte, Hitze zusammenbricht.
Leider gibt es immer wieder Fälle, in denen auch engagierteste Suchmaßnahmen erfolglos bleiben – tragisch bleibt die Erinnerung an jenen Senior aus Kamen zurück, der im vorletzten Jahr aus einer Senioreneinrichtung in Heeren-Werve verschwand und erst nach vielen Wochen tot im Straßengraben unweit der Einrichtung gefunden wurde. Obwohl die Polizei mit Hunden, Hubschraubern und Öffentlichkeitsfahndung intensivst nach ihm gesucht hatte…
Hilfreich ist für die Beamten übrigens die (in vielen Alteneinrichtungen längst übliche) Kennzeichnung an Kleidungsstücken des Bewohners: So wurde eine staunende Königsbornerin schon vor vielen Jahren ebenfalls auf der Friedrich-Ebert-Straße Zeugin, wie eine Polizeistreife an der Kreuzung zum Afferder Weg abrupt stoppte, zwei Polizisten heraussprangen und einen älteren Herrn – der an der Kreuzung stand – umsichtig unter ihre Fittiche nahmen: Einer der Beamten schaute dem Senior in den Hemdkragen – und dort stand ordentlich die Unterkunft “Haus Husemann” eingenäht. Der völlig verwirrte 80Jährige, der mitsamt Musiknoten unter dem Arm zu Fuß zu seiner einstigen Wohnung nach Kamen marschieren wollte, konnte so wohlbehalten nur 200 Meter vom Seniorenheim entfernt wieder heimgeleitet werden.
Foto: Archiv (Polizei)