Gebühren für die Beratung im Fachgeschäft?

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Sich ausführlich im Einzelhandelsgeschäft vor Ort beraten lassen, die Zeit und das Know-How des Fachverkäufers kostenlos in Anspruch nehmen und dann die Ware günstiger im Internet bestellen?

Mit diesem Kundenverhalten kämpfen immer mehr lokale Fachgeschäfte – auch an Unna geht die Entwicklung zum Onlinekauf nicht vorbei.

 Eine Bestandsaufnahme: Einzelhandel ächzt unterm Internet

Immer mehr Einzelhändler in der Region verlangen deshalb Beratungsgebühren.

So wie ein Kinderkaufhaus in Münster, das für  ausführliche Beratungsgespräche jetzt Geld verlangt, wie der WDR berichtet

Für eine intensive Beratung, die auch mal bis zu einer Stunde dauern könne, berechnet das Kinderkaufhaus jetzt 25 Euro, die beim Kauf mit der Ware verrechnet werden. Damit hat das Geschäft zumindest die Garantie, die Beratungszeit nicht vollends vergeblich investiert zu haben. Denn viele Kunden kämen in dieses Kinderfachgeschäft inzwischen nur noch zur Beratung. Bestellt wird dann online, irgendwo bei einem preiswerten Anbieter im Netz. Man weiß jetzt ja schließlich (dank bester Beratung), was man exakt will.

Das Nachsehen haben die stationären Einzelhändler. Weshalb Gebühren z. B. bei hochklassigen Möbelhäusern oder auch bei Reisebüros inzwischen mehr und mehr üblich werden.

Thema Ladenmieten – ein weiteres Problem:

Unna gehört laut IHK zusammen mit Lünen zu den Top-Einkaufslagen im Kreisgebiet.
Bis zu 9,50 Euro Kaltmiete pro qm weist der aktuelle Preisspiegel der Industrie- und Handelskammer Dortmund für die Kreisstadt aus. Die Erhebung gilt für die Spitzeneinkaufslagen im Herzen der Innenstadt.
Hier in der Fußgängerzone zwischen Rathausplatz und Lindenplatz (Bahnhofstraße, Alter Markt, Massener Straße) soll Unna bekanntlich ab übernächstem Jahr eine Millionen teure Sanierung verpasst bekommen.
Günstigere Ladenmieten weist der IHK-Preisspiegel z. B. für Fröndenberg aus. Gleichwohl hat auch die Kleinstadt an der Ruhr mit erheblichen Leerstandsproblemen zu kämpfen. Auch hier ist im kommenden Jahr eine Offensive für die Innenstadtverschönerung geplant.
Das teuerste Pflaster bleibt der Westenhellweg in Dortmund – mit Mietpreisen bis zu 220 Euro pro qm.
Stabil sind die Preise laut IHK nur in guten Lagen. In Stadtteilen und Nebenzentren fallen die Mieten daher weiter. Der Grund ist neben dem Onlinehandel der oft schlechte Zustand der Gebäude (wie an der Alleestraße in Fröndenberg).

4 KOMMENTARE

  1. Die Meinungen unserer Leser, die auf Facebook rege diskutieren:

    Rundblick Unna Als Zusatzinformation: In Unnas Nachbarstadt Menden, vergleichbar in Einwohnerzahl und Größe, schloss vor einige Jahren ein Traditionsgeschäft für Haushaltsartikel – Brauckmann – nach Worten des Eigentümers explizit wegen des Problems, dass sich Kunden ausgiebigst beraten lassen und danach preiswerter im Internet kaufen. Das besorgte diesem Geschäft den Rest.

    Guido Bischoff Das Internet stellt sicherlich für viele Einzelhändler ein Problem dar.
    Ein Problem von vielen Problemen welches der Einzelhandel hat.

    Frank Örtl Die Geschäfte schließen doch nicht wegen der ausführlichen Beratung sondern wegen der günstigeren Preise der Größmärkte und Inernethandel. Die Fachhändler in den Städten haben über Jahre die wachsende Konkurrenz ignoriert und neue Trends verschlafen. Und jetzt ist das Jammern groß. Einfach für die gute Beratung Geld verlangen was später erstattet wird ist immer noch zu wenig Leistung und wird eher abschrecken. Gerade ein Verbund wie der Werbering hätte mit Partnerschaften der Einzelhändler und einem pfiffigen Marketingkonzept eine Menge machen können.

    Rundblick Unna Biete dich doch mal als Berater des Werberings an, Frank Örtl
    Frank Örtl Dafür gibt es Unternehmensberatungen. Und seine Hausaufgaben muss jeder selbst machen. Beispiele wo es trotz Internet funktioniert gibt es genug. Nur muss man auch den Willen dazu haben. Aber wie hier schon mehrfach von Usern erwähnt fährt man in Unna seit Jahren eine andere Politik.

    Helmut Brune Was hält die Einzelhändler davon ab, selbst auch ein Internetportal einzurichten, wo man ihre Waren kaufen kann? Wenn es allgemein Bekannt ist, daß Beratungsgespräche nicht Kostenlos sind, wird wohl keiner mehr kommen.

    Rundblick Unna Bei den Geschäften, die Gebühr verlangen, wird das Geld hinterher mit der Ware verrechnet, Helmut.

    Helmut Brune Rundblick Unna Ja, das hatte ich schon begriffen. Es ging ja um Leute, die sich im Geschäft beraten lassen und dann online kaufen.

    Rundblick Unna Und es geht um ausführliche Gespräche, in denen man die Zeit des Fachpersonals eine halbe Stunde und länger beansprucht. Wenn der Kunde danach mit freundlichem Dankeschön rausspaziert und woanders kauft, hat der Ladeninhaber wertvolle Zeit für nix verpulvert – so ist der Gedanke hinter diesen Gebühren.

    Helmut Brune Kann man sich ja auch Gut vorstellen, nur, ob die Kunden diese Gespräche noch wollen, wenn sie wissen, daß sie bezahlen müssen, wenn sie nichts kaufen, ist dann die Frage.

    Rundblick Unna Ja, absolut! Möglicherweise tut sich dann eine Hemmschwelle auf, den Laden noch zu betreten…!

    Guido Bischoff Gibt es dann auch Schadensersatz vom Berater/ Händler bei falscher Beratung?

    Rundblick Unna 😉 Hui Guido Bischoff, diese Frage ist aber gemein!

    Guido Bischoff Nöö, wenn man für eine Dienstleistung hier Beratung zahlen soll, dann darf dies aber nicht einseitig sein sondern hat bei falscher Beratung auch ein Schadensersatz zu erfolgen.
    Meine Position: Beratung bezahlen: Klares NEIN:Ich finde es schon dreist wenn man für Kostenvoranschläge bei KFZ Werkstätten etc. zahlen soll. In der Industrie ein Unding.
    Das wäre das Aus für jeden Industriebetrieb.
    Aber mit dem kleinen privaten Kunden kann man es ja machen.

    Rundblick Unna Auch dir danke für diese umfassende Meinung!

    Car Sten Guido Bischoff Sollen alle die ihre Arbeitszeit für das Anlegen von Kostenvoranschlägen investieren umsonst arbeiten?

    Bianca Wurthmann .Wenn man in Unna wohnt, muss man sich oft Alternativen suchen. So viele “Fachgeschäfte” gibt es in unserer Stadt nun wirklich nicht mehr. Aber wenn man es sich genau überlegt, dann wären z. B. 20 € für ein Beratungsgespräch eigentlich nicht schlecht. Das Personal kostet, könnte sich in der Zeit um anderes kümmern. Und so viel billiger ist es auch nicht Online einzukaufen. Zum Beispiel ein 102 cm Fernseher. Klar online super günstig. Aber nach Hause liefern lassen gibts nicht für 4,99 € Versandkosten. Und dann womöglich nicht zuhause sein – beim Nachbarn abgeben lassen…. All das erspart man sich wenn man vor Ort einkauft nachdem man sich beraten lassen hat. Oder es so machen wie ich: Im Internet informieren (geht viel einfacher und kostet außer Strom, Zeit und Internetanschluss gar nichts. Und dann ab ins Ladengeschäft und vor Ort kaufen. Ich suche vor Ort so lange bis ich das günstigste Angebot gefunden habe, was dem Internetpreis am nächsten kommt.

    Rundblick Unna Danke für deine ausführliche Darstellung, Bianca Wurthmann!

    Martina Tsatsoulis Wenn ich wirklich etwas kaufen will, warum nicht?
    Also ja…

    Rundblick Unna Auch eine klare Meinung, danke Martina Tsatsoulis !

    Fil Markus Fachgeschäfte sucht man leider oft vergeblich. Oft ist die Recherche im Internet gewinnbringender, als die Beratung im lokalen Geschäft. Grade bei einem Elektronikgeschäft in einem Möbelhaus in Unna sind die Ergebnisse unterirdisch. Geräte können im Laden nicht probiert werden, da eingepackt, oder die Fachkraft bekommt nichts zum laufen. Weitergehende Fragen werden mit panischen Blicken beantwortet.

    Rundblick Unna Bei deinem letzten Satz hab ich Kopfkino, Fil Markus…

    Fil Markus 😂 es waren technische Fragen

    Jan Schmidt Wencker in Sölde. Da wird Beratung groß geschrieben

    Fil Markus Stimmt!

    Rundblick Unna “Posting enthält Produktplatzierung”…
    Antje Uhrhan Wird es auch verrechnet, wenn ich später dann kaufe? Also erst Gespräch, sacken lassen und dann ca. 7-10 Tage später kaufen?

    Rundblick Unna Das ist eine Frage der Absprache mit dem Ladenbesitzer, Antja Uhrhan. Ob das im Bericht genannte Kinderkaufhaus so verfährt, wissen wir nicht, da müssen wir passen. Schwierig wäre die Einforderung seitens des Händlers: Er müsste dir ja, wenn du dann einfach doch nicht zahlst, eine Mahnung schicken, das Verkaufsgespräch müsste zuvor dokumentiert werden… ich stellte mir das schwierig vor.

    Thorsten Sewing das parken ist schon teuer genug

    Rundblick Unna Die Parkgebühr kriegste aber nicht verrechnet, die ist futsch, Thorsten Sewing.

    Silvia Rinke Hmh, macht Spaß, eure muntere Diskussion! Ich hab selbst mal überlegt – würde ich das machen? Wohl nicht. Denn was ist, wenn ich mich eine Stunde gut beraten lasse, das Ergebnis der Beratung aber für mich dann ist, in diesem Geschäft doch nichts zu kaufen? Dann bezahle wiederum ICH für Nüsse? Kann mir schlecht vorstellen, dass das längerfristig funktioniert.

    Helmut Brune Bei uns ist das gegenwärtig in Apotheken so. Wenn man ein Rezept abholen will, wird man gefragt, ob man mit dem Medikament bekannt ist. Sagt man Nein, bekommt man eine Erklärung und die kostet jedesmal 6 Euro, ob man will oder nicht. Die 6 Euro bezahlt man dann nicht an Ort und Stelle sondern, die kommen auf die Jahresabrechnung der Krankenkasse.

    Jörg Grzesiak Fachgeschäfte in größeren Städten – mag sein, und ist auch ok (Onlinekauf nachher) Aber wo denn bitteschön in Unna? Telefonshops, “Ein Euro” Läden oder Apotheken? Oder auf eine unwillige, schlecht ausgebildete “Verkäuferin” treffen, bei der man sich wie ein Bitsteller statt als Kunde vorkommt? Die ganze Diskussion wird vor dem Hintergrund “Unna” einfach nur lächerlich… Sicher wieder solch ein klasse Idee der qualitativ hochwertigen Kaufmannschaft…Aber lieber Konkurenz verhindern mit Hilfe der Sozen als sich den Bedürfnissen des Markets anzupassen.

    Jasmin Grüneberg-Höing Wenn ich dafür auch von einem kompetenten Mitarbeiter beraten werde ok! Ich bin noch gerne in Geschäften unterwegs und kaufe nicht viel im Internet. Aber in vielen Geschäften gibt auch nicht immer Verkäufer die mich ordentlich beraten können, denn heutzutage muss ich bevor ich etwas im Geschäft kaufe im Internet nachschauen wo z.B die Unterschiede von Küchenmaschienen liegen, weil viele auch nicht wissen was sie verkaufen! So rum geht es nämlich auch. Und das kostet den Firmen dann wiederum Geld denn dann müssen sie Ihre Mitarbeiter auch regelmässig schulen. Einfach jemanden hinstellen (z.B. 1 Euro Job oder Leihfirmen usw.) Umd dann kassieren geht ja auch nicht…..und das zieht doch dann alles wieder einen Rattenschwanz nach sich….also alles ein für und wieder meiner Meinung nach!

  2. Der Zug ist leider weg! Oder denkt einer, er könnte mit Amazon&Co mithalten? Das ist ja nicht nur einfach irgendeine “Verkaufs-Plattform”, da steckt jede Menge Gehirnschmalz, Logistik und Geldgier dahinter. Selbst die großen wie OTTO-Versand werden den Vorsprung nie mehr einholen könne. Was soll da ein kleiner Einzelhändler, z. B. aus Unna, noch ausrichten? Nichts! So bitter es sich anhören mag, aber die Innenstädte werden mehr und mehr der Verwahrlosung anheimfallen. Sehr Traurig, aber leider Realität. Auch für Unna.

    • Die einzige Alternative zum brummenden statiönären Einzelhandelsgeschäft muss ja nicht gleich in “Verwahrlosung” bestehen, Petter Uhlenbusch, möglicherweise erfüllen die Innenstädte der Zukunft aber nicht mehr primär Einkaufszwecke, sondern legen ihren Schwerpunkt aufs Verweilen…? Die Stadt Unna, nur zur Erinnerung, nimmt 2019 die Sanierung ihrer Fußgängerzone in Angriff. Freilich 10, 15 Jahre später als viele Nachbarstädte.