Rind im Gleis erschossen: Polizei nimmt Stellung – Zaun vermutlich von Anglern zerschnitten

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Symbolbild.

“Wieso immer gleich abknallen?” Mit Frust, Traurigkeit und auch Zorn reagierten Leser/innen am Wochenende auf die Polizeimitteilung über die Rinder-Tötung auf den Gleisen bei Selm.

Wie berichtet, war die junge Kuh zusammen mit drei weiteren Rindern von der Weide ausgerissen – Unbekannte hatten den Zaun zerschnitten, vermutlich Angler  – und auf die Bahngleise gelaufen.

Drei Tiere konnten nach stundenlangen Einfangversuchen auf eine Pferdekoppel getrieben werden. Das vierte aber rannte seinen Verfolgern immer wieder davon und bewegte sich über die Bahngleise. Final wurde es von einem Jäger erschossen.

Die Hintergründe dieses für Tierfreunde schwer erträglichen Endes der aufreibenden Jagd schildert Polizeisprecherin Ute Hellmann auf unsere Bitte hin heute noch einmal ausführlich.

So war in der Nacht oder frühmorgens der Weidezaun zerschnitten worden, was die gefährliche Expedition des Rinderquartetts überhaupt erst möglich machte. “Bereits seit 7 Uhr Samstagfrüh war der Besitzer gemeinsam mit mehreren anderen Personen hinter den Rindern her”, schildert die Polizeisprecherin den Aufwand, der für die Sicherung der Tiere betrieben wurde.

“Die Polizei wurde erst benachrichtigt, als die Rinder sich im Gleisbett befanden. Die Tiere hatten den Bahnhof Bork schon passiert, und ein Zug fuhr in Schrittgeschwindigkeit hinterher.”

Der Eigentümer der Rinder sagte dann der Polizei, dass er keine Möglichkeit sehe, das Tier im Gleisbett zu fangen, ohne dass eine besondere Gefahr von dem Rind ausginge. Er bat deswegen einen anwesenden Jäger, seine Langwaffe zu holen und das Tier notfalls zu erlegen. “Eine bloße Betäubung hielt der Besitzer für nicht möglich.”

 Mit Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr Bork stellte der Eigentümer mobile Gatter auf dem Gleis auf, um ein Weiterlaufen des Rindes zurück zum Bahnhof Bork zu vermeiden. Er versuchte noch mehrmals, dem Tier nahe zu kommen, um einen Strick zu befestigen.

Doch das gelang ihm nicht, denn das gestresste Rind schien immer aggressiver zu werden und nahm immer wieder bedrohende Haltung ein. “Es bestand die Gefahr, dass sie Menschen angreifen würde, sobald ihm diese zu nah kamen”, berichtet Ute Hellmann.

Der Eigentümer bat schließlich den Jäger, die junge Kuh im Gleisbett zu erlegen. Er barg den Tierkörper selbst aus den Gleisen, brachte ihn zum Hof und setzte auch selbst das Kreisveterinäramt in Kenntnis.

Die anderen drei – ebenfalls sehr aufgeregten –  geflüchteten Rinder konnten sich auf der Pferdeweide in Sicherheit beruhigen.

Der Rinderbesitzer sagte bei der Polizei aus, dass die unbekannten Täter, die in der Nacht oder frühmorgens den Zaun der Weide zerschnitten, vermutlich Angler waren. Er stellte Strafantrag für alle sich ergebenden Fälle. Die Polizei untersuchte den Zaun. “Die Weide liegt in einem Naturschutzgebiet an der Lippe”, ergänzt Polizeisprecherin Hellmann, “zwischen Lippestraße im Osten und der Lippe im Westen. An der westlichen Seite der Weise wurden die vier Stacheldrähte sauber durchtrennt – augenscheinlich mit einem Schneidewerkzeug, einer Zange o.ä.”

Im recht hohen Gras war eine Fahrspur zu erkennen: Augenscheinlich hat ein oder haben mehrere Täter einen Anhänger über die Weide gezogen. Am westlichen Ende wollte man anscheinend den Anhänger nicht über den Zaun heben – so dass er einfach zerschnitten wurde, ohne eine Sekunde über die möglichen Folgen nachzudenken.

“Die Polizei ermittelt!”, unterstreicht Ute Hellmann in Fettdruck. “Wer etwas gesehen hat: Hinweise bitte an die Polizei!!!”