Heftige Reaktionen auf Asylheimpläne für Königsborn: “Wieso nicht die Landesstelle?”

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“DAFÜR ist plötzlich Geld da!” Auf sehr heftige, überwiegend ablehnende und verständnislose Reaktionen stößt unser Bericht über die geplanten neuen Flüchtlingsheime in Königsborn.

Seit dem Wochenende läuft die Diskussion auf unserer Facebookseite heiß: Wieso zwei neue Asylunterkünfte an der Kamener Straße (hinter dem Sportplatz) für 2,4 Millionen Euro plus Einrichtungskosten?

Ganz überwiegend herrscht Frust, Unverständnis bis blanke Wut darüber, dass “,dafür´ auf einmal Geld” da sei. So bekommt eine Leserin stürmischen Zuspruch mit ihrer vehementen Aufforderug an die Stadt: “Baut mal lieber vernünftige Spielplätze für unsere Kinder. Oder mal für unseren ganzen Obdachlosen zwei neue Unterkünfte., das kann ja alles wohl nicht mehr wahr sein!”

Ein anderer Leser schimpft: “Die 2,4 Mio. könnt ihr lieber woanders ausgeben. Z. B. für Freizeitaktivitäten und Spielplätze. Ist ja lachhaft, was hier passiert. Glaube nicht, dass die das für uns machen würden.”

Oder: “Baut lieber Wohnungen, die dann auch bezahlbar sind,die sind viel notwendiger!!!”, schimpft ein weiterer Schreiber wie ein Rohrspatz.

Neben zahlreichen ähnlich erregten Äußerungen und (deutlich weniger) Zuspruch zu den  Plänen der Stadt kommt bei unseren Lesern immer wieder die Frage auf: Wieso nicht die Landesstelle Massen für Unnaer Asylbewerber nutzen?

In der Einrichtung an der Buderusstraße stünden doch viele Wohnungen komplett leer: Wieso dann einen Neubau für buchstäblich Millionen mitten in einem gewachsenen Stadtteil pflanzen?

Dazu stellte Bürgermeisterreferent Oliver Böer auf unsere Bitte hin noch einmal klar, was auch unsere Redaktion schon in der Diskussion mit den Lesern anmerkte:

Eine Unterbringung anerkannter Asylbewerber, die der Stadt vom Land zugewiesen werden, ist in der Erstaufnahmeeinrichtung nicht möglich. Sie wäre es auch dann nicht, wenn die als Landesstelle bekannte Einrichtung komplett leer stünde.

“Die Erstaufnahmeeinrichtung ist eine Einrichtung des Landes. Vor dort werden die Flüchtlinge entsprechend der jeweiligen Aufnahmeverpflichtung auf die Kommunen verteilt”, erklärt Böer das gesetzlich vorgeschriebene Procedere. Sprich: Die Menschen verweilen nur kurz in der Erstaufnahmestelle, meist nur wenige Tage.

“Die Kapazitäten hält das Land gesondert vor. Eine dauerhafte Unterbringung ist ausdrücklich nicht vorgesehen”, macht Böer klar.

Deshalb muss sich die Stadt Unna selbst darum kümmern, die Menschen, die ihr von der Erstaufnahme zugeteilt werden, unterzubringen; dasselbe gilt für die anerkannten Asylbewerber, die die Kommunen nach einem festen Verteilschlüssel aufnehmen müssen. Hierfür sind städtische Unterkünfte erforderlich, erläutert der Bürgermeistersprecher den Unterschied zu den “Erst”aufnahmestellen.

Aufgrund der momentanen gesetzlichen Regelungen ist es ebenfalls nicht möglich, dass Städte Asylbewerber, die sie akut nicht unterbringen können, an Nachbarstädte “weiterreichen”, in denen vielleicht gerade Unterkünfte halb oder sogar ganz leer stehen.

Alle Einzelheiten dazu stehen in der 7seitigen Vorlage der Verwaltung für den Stadtentwicklungssauschuss am 13. 9. 2017.

Die starren Regelungen sieht einer der zahlreichen Kommentatoren unseres Berichts als größtes Manko an. Die Problematik sei die – fehlende – Zusammenarbeit der Kommunen.

“Jede Kommune bekommt eine Anzahl an Migranten/Flüchtlingen zugewiesen. Manche mehr, manche weniger. Findige Geschäftsleute haben entdeckt, das man fast jedes Gebäude zur Unterbringung nutzen kann”, kritisiert der Leser. Dabei würden “teilweise völlig hanebüchene Mietverträge” abgeschlossen: mit absurden Laufzeiten (z. B. für die ehemalige Kaserne in Möhnesee bis weit nach 2025) und/oder zu astronomischen Kosten (z. B. koste ein ehemaliges Bürogebäude in Essen monatlich knapp 400.000 € aufgrund von Wachschutz, Heizung, Strom, allerdings sei aufgrund extremer Brandschutzmängeln keine Unterbringung möglich). Diese Liste, merkt der Leser kritisch an, “können wir noch endlos weiterführen.” Würde man vorhandene Immobilien zu 100 % nutzen, würden bestimmt nicht so viele zusätzlichen Kosten entstehen.

Doch der Leser betont: “Noch mal zum Verständnis: es sind nicht die Flüchtlinge die so teuer sind, es sind deutsche Geschäftsleute, die aus der Situation maximalen Profit schlagen.”

Doch das Verständnis hält sich in engen Grenzen. Überwiegend kam (und kommt) zornige Kritik wie diese:

“Unsere Rentner haben ein Leben lang gearbeitet, aber die Rente reicht im Alter trotzdem nicht aus, so dass sie einen Nebenjob ausüben müssen, egal ob sie krank sind oder nicht! Das kann doch wohl nicht sein! Diejenigen, die das Geld verdient hätten, bleiben auf der Strecke. Spielplätze sind rar und/oder verhunzt. Nichts passiert. Was ist bloß los in Deutschland?!”

Immer schlimmer hier….
Finde es zum Kotzen… die kommen hierher und leben wie ein König, wo wir jeden Tag arbeiten müssen… und am Ende des Monats Seuerabgaben haben, die ein Flüchtling so bekommt… trauriges Deutschland!”

Vereinzelt kommt Widerpruch zum Widerspruch, so von dieser Leserin:

“Man sieht deutlich, woran es bei uns mangelt, nämlich an BILDUNG. Simple Antworten auf komplizierte Sachverhalte. Keinem hier geht es schlechter, wenn wir unserer Pflicht nachkommen, unseren Beitrag zur weltweiten Fluchtbewegung zu leisten, um einem Bruchteil davon zu unterstützen.
Augen zu, Grenzen zu, aber weiter schön die Länder der dritten Welt ausbeuten – Leute, so geht das nicht!”

Noch schärfer formuliert es dieser Leser:

” Immer sind die anderen schuld. Die die hier für Obdachlose predigen sind die, die in der Stadt an denen vorbeigehen und mit dem Kopf schütteln. Armut in Deutschland? Wahnsinn… ich bekomme hier echt Tränen vor Lachen. Ihr bekommt alle den Hals einfach nicht voll genug, habt schon so viel, dass ihr rechts und links vergleichen müsst. Hat er mehr oder weniger als ich?
Hätte nie erwartet, dass die Leute hier noch armseliger sind als die, die man sonst vormittags im TV-Programm sieht.
So langsam sollte hier in Deutschland endlich mal die Bombe platzen. Dann seht ihr, wie gut es euch eigentlich geht ,ihr undankbaren, selbstverliebten, den Hals nicht voll kriegenden Neider.”

Mit einem der längsten Kommentare fasst eine langjährige Königsbornerin und Stammleserin ihre aufgewühlten Gefühle zusammen:

“Mit solchen Investitionen schürt unsere unfähige Regierung den Hass auf die Flüchtlinge…. offensichtlich gewollt !!!! Wenn wir, von unserer Regierung, nur als “die, die schon länger hier leben” bezeichnet und als 2.Wahl hingestellt werden…. und Flüchtlinge als “wertvoller als Gold” benannt werden…..
ist Hass und Hetze, Neid und Wut, kein Wunder mehr.
Warum bekommen Rentner, die den Krieg hier miterlebt haben und seitdem immer gearbeitet haben, kein Haus gebaut auf Staatskosten?
Wo ist der bezahlbare Wohnraum für sozial schwache Bürger?
Wo sind die kleinen bezahlbaren 2 1/2 Zi.-Wohnungen für Singles, Studenten usw. ?
Warum werden für Behinderte ihre Wohnungen auf Staatskosten nicht behindertengerecht umgebaut – oder eine entsprechende Wohnung kostenlos zur Verfügung gestellt ?
Warum müssen Hartz4 Empfänger umziehen (ggf. deren Kinder ihren Kiga / Schule wechseln und werden aus ihrem sozialen Umfeld gerissen) , nur weil deren Wohnung , für diesen Staat, 5 qm zu groß oder 25 € zu teuer sind?
Warum werden für Obdachlose keine eigenen kleinen 1 Zi. gebaut und kostenlos zur Verfügung gestellt ?
Und warum wird nicht eher darin finanziert (von der EU) , dass Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurück kehren können, um dort angemessen weiter leben zu können ?
Und warum glaubt unsere Regierung für die ganze Welt (auch finanziell) verantwortlich sein zu müssen?????”