Stadt zu Flüchtlingsheimen in Königsborn: „Müssen uns dem stellen“

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„Hier stehen wir – wir können nicht anders.“

Das gewichtige lutherische Wort passt treffend im Reformationsjahr auch auf die Haltung der Stadt Unna zu den neu geplanten Flüchtlingsunterkünften in Königsborn: Sie kann nicht anders.

Unnas Technischer Beigeordneter Ralf Kampmann (im Bild) machte am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Stadtentwicklungsausschusses deutlich, wieso es zu der 2,4 Mio.-Investition an der Kamener Straße aus Sicht der Stadt keine realistische Alternative gibt.  „Wir müssen uns dem stellen“, sagte er.

Stellen muss sich die Stadt den Flüchtlingszuweisungen durch das Land NRW, die weder vom Umfang her noch terminlich planbar seien.

Einzustellen hat sich Unna nach den bisherigen Signalen der Bezirksregierung ab 2018 auf sukzessive 220 Asylbewerber mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus: Menschen mit positivem Bescheid, Menschen im laufenden Asylverfahren sowie (noch) nicht anerkannte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, abgekürzt UMF. Auf diese Zuweisungen will sie vorbereitet sein.

DIE NEUEN UNTERKÜNFTE AN DER KAMENER STRAßE – FRAGEN UND ANTWORTEN

2,4 Mio. Euro reine Baukosten: Wieso so teuer?

Den im ersten Entwurf veranschlagten Baukosten liegen die momentanen Standards für Flüchtlingsunterkünfte zu Grunde, sagt Ralf Kampmann. Im Klartext: Die Stadt Unna baue hier keine Luxusquartiere.

Die bisherige Unterkunft hinter dem Sportplatz bietet 30 Plätze, sie wird abgerissen, die beiden neuen sind mit 16 Wohnungen für insgesamt im Höchstfall 64 Personen vorgesehen. Kampmann zeigte eine Grundriss einer Musterwohnung: „47 qm für 4 Personen. So möchten SIE alle nicht wohnen“, unterstrich er in die Runde der Pressevertreter.

Wohnbeispiel.

Nun ja, meinte ein WDR-Kollege trocken, verglichen mit den Wohnverhältnissen der Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern oder auch mit Unterkünften in anderen Städten seien die Pläne der Stadt Unna durchaus großzügig bemessen. Kampmann, überrascht, wich aus: Man richte sich nach den vorgegebenen üblichen Standards.

Gibt es Fördergelder?

Ja, die gibt es, und deshalb muss es sehr schnell gehen mit dem Okay des Stadrates. In seiner Sitzung im Oktober (19. 10.) muss das politische Gremium bereits das Okay zum Beantragen der Fördergelder geben. Der Bau kann mit 60 Prozent vom Land gefördert werden, allerdings als Darlehen.

Wieso der Neubau gerade in Königsborn?

Bereits 2015 und 2016 hat die Stadt laut Kampmann ihre aktuell 4 kommunalen Flüchtlingsunterbringungen (mit insgesamt 180 Plätzen) durchgecheckt und drei saniert. Das Altgebäude (Baujahr 1956) hinter dem Königsborner Sportplatz stellte sich als „mehr als sanierungsbedürftig“ heraus.

„Es ist in sehr schlechtem Zustand“, konkretisiert Ralf Kampmann, weshalb ein Neubau für dann doppelt so viele Bewohner rentabler sei. Das ist in der 7seitigen Vorlage im Ratsinformationssystem der Kreisstadt Unna beziffert und begründet.

Wieso ein neues Gebäude nur für Asylbewerber? Warum baut man nicht Wohnungen, in die Flüchtlinge wie auch Einheimische einziehen können?

Das liegt an dem Charakter der beiden neuen Unterkünfte: Sie sind als „Übergangsheime“ geplant, sprich es ist nicht vorgesehen, dass die dort Untergebrachten langfristig dort wohnen. Sie sollen vielmehr sukzessive in normale Wohnungen dezentral aufs Stadtgebiet verteilt umziehen.

Gibt es diese zusätzlich benötigten Wohnungen denn in Unna?

Momentan gibt es sie faktisch nicht. Die Leerstandsquote beträgt in Unna gerade mal 2 Prozent, die Wohnungssituation ist damit in der Kreisstadt fast so angespannt wie in Dortmund (1,8 Prozent Leerstand).

Einen Pool von 10 Mietwohnungen hat sich die Stadt auf dem freien Markt reserviert für Fälle, in denen praktisch von einer Stunde auf die andere Asylbewerber im Rathaus stehen und untergebracht werden müssen. Kostenpunkt 50.000 Euro. Ca. die Hälfte dieser Wohnungen ist derzeit noch frei.

Wieso lässt die Stadt nicht die kommunale Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft  bauen – möglicherweise viel kostengünstiger?

So weit sei man noch nicht, sagt Kampmann, erst einmal müssten die Förderkonditionen klar sein, dann könne ausgeschrieben werden – sofern die Politik das denn will. „Auf die Ausschreibung kann sich auch die UKBS bewerben.“ Diese sucht in Unna und kreisweit seit 2 Jahren Grundstücke für neue Sozialwohnungen, will für diese Wohnungsbauoffensive 34 Mio. Euro in die Hand nehmen. Doch das Problem ist, dass kaum freie Grundstücke zu finden sind.

Schlussendlich die Frage nach der Landesstelle Massen – Erstaufnahmeeinrichtung des Landes: Dort steht viel Wohnraum leer – wieso handelt die Stadt mit dem Land nicht eine Nutzung für die Stadt zugewiesenen Flüchtlinge aus?

Erstens ist das für eine Landes-Erstaufnahmestelle nicht vorgesehen und rechtlich auch nicht möglich, so Kampmann; und zweitens wolle man ja gerade Ghettoisierung vermeiden.

7 KOMMENTARE

  1. Der Herr Kampmann ist ja ziemlich Überzeugt von seinen Plänen und sagt einfach: Wir können nicht Anders. Persönlich finde ich das erst ein Argument, wenn man alle Möglichkeiten untersucht hat. Das geht jedoch aus diesem Bericht nicht hervor. Theoretisch belaufen sich die Zuweisungen auf 220. Kein Mensch kann in die Zukunft blicken und so etwas voraussehen. Immerhin wäre es nicht das erste Mal, daß großzügige Bauten errichtet wurden, die nachher Leer standen. Es gibt aber Fördergelder und das ist Wichtig für die Stadt! Darum mahnt Herr Kampmann den Stadtrat auch zur Eile. Ich rede schon lange nicht mehr von einer Flüchtlingskrise. Ich nenne es: Deutschlands großes Geschäft mit den Flüchtlingen. Das Land verdient sehr Gut an der Not der Flüchtlinge!