Obdachlosen trotz übler Schmerzen nicht aufgenommen: Klinikum wehrt sich gegen mediale Attacke

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Er lag 5 Tage lang mitten in Dortmund auf einer Matratze in der Nordstadt und wand sich vor Schmerzen. Kein Krankenhaus wollte den unter quälender Schuppenflechte leidenden Obdachlosen aufnehmen, berichteten aufgebrachte Ehrenamtliche. Sie gingen an die Presse.

Das tagelange Martyrium des 64 Jährigen  griff in dieser Woche das überregionale Focus Online-Magazin in seinem Panoramateil auf.

Laut der Darstellung in diesem Bericht litt der Wohnungslose derartige Qualen, dass er sich kaum bewegen konnte. Ein Mitarbeiter des ehreamtlichen Vereins „Hand in Hand für Menschen“ entdeckte den völlig erschöpften 64 Jährigen nahe der Sparkasse am Borsigplatz und rief sofort einen Rettungswagen.

Doch kein Krankenhaus in Dortmund habe den Obdachlosen aufnehmen wollen. Schließlich sei er weder bewusstlos noch im gefährlichen Maße alkoholisiert gewesen, zitierte eine Streetworkerin die ihr entgegengebrachte Argumentation. Erst die Androhung, den Fall öffentlich zu machen, hätte gewirkt.

Der in Polen geborene 64 Jährige wird von den Helfern als “lieber, freundlicher und genügsamer Mann“ beschrieben. Er lebe seit 25 Jahren in Deutschland, habe aber keinen deutschen Pass und auch keine Krankenversicherung.

Inzwischen wird der Patient in einem Krankenhaus in Unna behandelt. Wenn die Entzündungen abgeklungen sind, muss er zurück auf die Straße.

WIDERSPRUCH DES KLINIKUMS DORTMUND:

Das Dortmunder Klinikum hat einen Tag nach der Berichterstattung, die hohe Wellen schlug, der Darstellung des Obdachlosenvereins widersprochen.  Laut der Feuerwehr Dortmund, die für den Rettungsdienst ist, habe der obdachlose Mann einen Transport verweigert. 

„Wir weisen niemanden ab, der zur Notaufnahme gebracht wird“, erklärt Klinikumsprecher  Marc Raschke gegenüber dem Onlineportal Der Westen. Bei dem 64-jährigen Obdachlosen habe es sich aber nach Aussagen der Sanitäter auch nicht um einen akuten Notfall gehandelt.

In der Hautklinik hätte der Mann erst dann aufgenommen werden müssen, wenn er – egal ob zu Fuß oder im Krankenwagen – dort erschienen wäre.

Das Klinikum betont, dass es jeden Hilfebedürftigen behandele, auch wenn dieser keine Krankenversicherung habe. Die hohe Zahl von Flüchtlingen, die die Klinik versorgt, beweise das.