„Kein Premium-Parken um jeden Preis“: Interview zu den Millionenplänen am Bahnhof Unna

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 Ein heftig diskutiertes, strittes Projekt: das neu geplante Parkhaus am Unnaer Bahnhof, flankiert von einem neuen Bürogebäude. Dazu ein Interview:

mit Karl-Gustav Mölle, Chef der Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) und 1. Beigeordneter der Kreisstadt Unna

Herr Mölle, was verstehen Sie unter einem „Premium-Parkhaus“?

Karl-Gustav Mölle: Ein Parkhaus, das den heutigen Gegebenheiten und Erfordernissen entspricht. Das sich nach den aktuellen Empfehlungen des ADAC richtet. Wir wollen ein generationsgerechtes Parkhaus, also eines in dem man z. B. auch mit Rollatoren, Rollstühlen oder Kinderwagen einen guten Zugang hat. Also auf jeden Fall andere Breiten.

Welche konkret?

Mölle: Standard sind heute 2,50 Meter. Wir werden mindestens 2,70 bieten, vielleicht 3 Meter. Die neue Generation der Fahrzeuge wird immer größer – ich rede von Elektromobilität, dem Antrieb der Zukunft, die Autos werden nicht mehr kleiner. Sie werden umfreundlicher, zugleich komfortabler mit Blick auf die ältere Generation. All das macht sie zwangsläufig größer.

Nun quetscht sich wohl niemand gern in enge Lücken und rangiert mühselig in düsteren Parkhäusern herum… trotzdem waren die Reaktionen auf Rundblick Unna.de auf die Neubaupläne am Bahnhof bisher durchschlagend negativ. Bauen Sie da nicht tatsächlich für eine Elite und am Bedarf vorbei?

Mölle: Weder noch. Premium bedeutet gerade nicht Luxusparken. Es bedeutet: Man sollte keine Angst haben, wenn man im Parkhaus ist. Weder um seinen Wagen noch um sich selbst. Wir stellen deshalb ja auch einen 24-Stunden-Sicherheitsservice ein.

Ich muss nochmal drauf rumhacken. Premium-Parken wird nicht Standard kosten, das haben Sie bei der Vorstellung der Pläne klar gesagt. Wie teuer wird´s?

Mölle: Nicht exorbitant.

Machen Sie´s mal wasserdicht: Der Chef des Premium-Parkhauses verspricht….

Mölle: … bei 2 Euro pro Stunde bin ich nicht. Vielleicht 1,50 – unser bisheriger Tarif liegt bei 1,20. Also nicht Upper-Class und Luxus.

Die Upper-Class wären dann wohl die Tiefgaragen….

Mölle: Wir wollen keine Zweiklassenparkgesellschaft. Die Tiefgaragen werden ebenfalls moderner. Da werden dann mal aus 3 Stellplätzen zwei… womit wiederum Plätze wegfallen. Die fängt das neue Parkhaus auf.

Ist die Tiefgarage am Bahnhof eigentlich ausgelastet?

Mölle: Wir haben dort 520 Stellplätze auf 7 Etagen und sind in Stoßzeiten voll, ja. Bei 600 Dauerparkern…

Moment. Sie verkaufen mehr Stellplätze, als Sie haben?

Mölle Es sind nie alle auf einmal da. Wer einen Dauerparkausweis hat, findet immer einen Platz. Im Sommer nehmen viele das Rad, mal macht der eine Urlaub, mal der andere. Die Tiefgarage ist kein Kurzzeitparkhaus.

Einige Leser werfen der Stadt vor, dass sie das Luxusparkhaus – ist es ja nicht, wie Sie erklärt haben – für den eigenen Bedarf baut. Was sagen Sie?

Mölle: Das Parkhaus wird rund 200 Plätze haben. 60 müssen wir für die Mitarbeiter im neuen Bürogebäude vorhalten. 140 bleiben.

abzüglich der 45, die dauerhaft draußen auf dem Park and Ride-Platz wegfallen.

 

Mölle: Die Nutzer des Park and Ride-Platzes sind bereits in die Tiefgarage gewechselt. Und würden nicht wieder zurückgehen, hören wir. Es bleiben voraussichtlich ca. 70 bis 80 Plätze im neuen Parkhaus im freien Angebot.

Durch dieses – Sie nannten es selbst: „ambitioniertes“ – Millionenprojekt fällt Platz für die Kirmes weg, kritisierten einige Leser…

Mölle: Das ist richtig, ich will bei diesem Thema nicht dem Stadtmarketing vorgreifen. Aber vielleicht bekommt die Kirmes dann auch einen anderen – eher auf die Innenstadt konzentrierten – Charakter.

Zu guter Letzt ein entscheidender Punkt: Wie wollen Sie vermeiden, dass Ihnen die ambitionierten Kosten aus dem Ruder laufen? 5 Mio. fürs Parkhaus, 10 Mio. fürs Bürohaus, da geht sicher mehr, noch viel mehr… Unna wäre nicht die erste Stadt, der Kosten für ein Großprojekt aus dem Ruder laufen, siehe seinerzeit Fußgängerzone Kamen, aktuell Fußgängerzone Menden oder der FLUGHAFEN BERLIN…

Mölle: Nein, das geht NICHT mehr. Wir haben ausdrücklich eine Baukostenobergrenze eingefügt. Die Vergabeanforderungen sagen ausdrücklich: „Die beiden Bauvorhaben müssen wirtschaftlich realisiert werden, da die zur Verfügung stehenden Mittel limitiert sind.“ Konkrete Kennwerte sind angefügt.

Also kein Premium-Projekt auf Steuerzahlerkosten?

Mölle: Ganz deutlich: Wenn das Ausschreibungsergebnis nicht wirtschaftlich realisiert werden kann, verzichten wir. Wir bauen keine Philharmonie – und wir bauen keinen Flughafen!

 

Das Interview, das wir in gekürzter Form auch in unserem Monatsmagazin Rundblick Unna (Septemberausgabe) veröffentlicht haben, führte Silvia Rinke.

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Parkhaus und Bürogebäude am Bahnhof

Für 15 Mio. Euro planen die Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) auf den noch vorhandenen Flächen am Bahnhof ein modernes neues Bürogebäude und ein Parkhaus. Ein Architektenwettbewerb läuft, die Ergebnisse werden im November gesichtet und dann entschieden, nach welchem Entwurf gebaut wird und ob überhaupt. Mit der Eröffnung des Parkhauses wäre dann ca. Mitte bis Ende 2020 zu rechnen.

http://archiv.rundblick-unna.de/fuer-15-mio-e-ein-premium-parkhaus-und-moderner-buerokomplex-am-unnaer-bahnhof/

http://archiv.rundblick-unna.de/premium-parken-am-bahnhof-erste-reaktionen-sind-wenig-begeistert/

http://archiv.rundblick-unna.de/parkhaus-am-bahnhof-noetig-und-wirtschaftlich-unnaer-politiker-stehen-hinter-premium-plaenen/

2 KOMMENTARE

  1. Als meine Frau und ich zum Stadtfest in Unna waren, haben wir im Katharinen Hof übernachtet. Von dort aus hatten wir die Aussicht auf die relativ modernen Gebäude bei der AOK, gegenüber dem Busbahnhof. Wir waren Beide der Meinung, daß diese Gebäude architektonisch so gar nicht zum sonstigen Stadtbild Unna’s passen. Darum würde ich es begrüßen, wenn der Architekt des neuen Verwaltungsgebäudes Rücksicht auf das Stadtbild Unna’s nehmen würde.

  2. […] Kostenfreies Parken gibt es momentan auch nicht in Unnas Tiefgaragen und den anderen Parkhäusern. Zudem werden nur ca. 70 der Parkplätze im neuen Parkhaus am Ende öffentlichen Nutzern zur Verfügung stehen, wie Wirtschaftsbetriebe-Chef Karl-Gustav Mölle (Bild  unten)  erst jüngst noch in unserem Interview zum Premium-Parkhaus erläuterte. […]