In Hemmerde zurück ins Mittelalter – wo weder Ketzer noch der Ablass fürs Falschparken fehlen

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Ein Sauerländer Katholik kauft sich mit einem Ablassbrief im Wert von 4 Kupfermünzen bei einer evangelischen Presbyterin vom Sündenfall des 5fachen Falschparkens frei. Regine Birkelbach hat Spaß und 4 Kupfermünzen mehr im Klingelbeutel, der katholische Kunde ist seine Verkehrssünden los, jedenfalls für dieses Mal.

Mittelalter in Hemmerde, und zwar stillvollendet! Am Reformationstag wurde man von Luthers Geschwistern im dörflichen Unnaer Osten in die Zeit des Reformators zurückkatapuliert.

 

Bei stilecht mittelalterlichem Markttreiben mit Met und Ablass, Pfeil und Bogenschießen, Punsch und gesottenem Gebäck, delikaten Rosmarinkartöffelchen mit verschiedenen Dips – die Hemmerder Landfrauen boten diese schlichte Köstlichkeit feil, mal was anderes als Reibekuchen und dazu – “viel weniger Arbeit!”

Stimmt, die Kartöffelchen ins siedende Öl mit üppig Rosmarinzweigen darin und fertig, doch kochen muss man sie vorher schon, erklärten die Landfrauen, sonst gibt´s die knusprig rundum gebratene Feldfrucht halbroh auf den Teller.

Dazu waren mit Aufwand und viel Detailliebe viele Kreativstände aufgebaut, alle mit Mittelalterbezug, z. B. Lederarmbändern knüpfen und Ledebeutel fertigen. Der Clou waren natürlich die historisch mittelalterlichen Gewandungen inklusive frommer Mönch und Luther höchstpersönlich.

Regine Birkelbach ist nämlich, wenn sie nicht gerade mit schwungvollem Ablasshandel gefallene katholische Seelen vor dem Fegefeuer bewahrt, neben ihrem Presbyteramt auch Mitglied in der “Bruderschaft der Wolfskuhle”, Frauen und Männern in der Lebensmitte, die sich für das Mittelalter begeistern und sich daher gern auch für mittelalterliche Märkte originalgetreu ausstaffieren.

Ein so tolles mittelalterliches Markttreiben hatten der CVJM und die Evangelische Kirchengemeinde  Hemmerde zum (Jubiläums-)Reformationstag auf die Beine gestellt, dass der Kirchplatz  am Nachmittag schier überfüllt war von Besuchern, ebenso die mittelalterliche Kirche selbst, in der am Reformationsfeiertag letztmalig die Ausstellung “Recht auf freie Rede” zu sehen war – Kirchengeschichte und Konfessionskampf in Hemmerde.

Und an einer großen Holztafel vor der Schlosskirche waren Luthers 95 Thesen angebracht – und darübergepinnt die neuen Thesen der Festbesucher, die durchaus auch ketzerisches Gedankengut zu Papier brachten…