Ernüchternde Fakten in Unna: Nur auf Minimum „aufgeklärter“ Straftaten folgt Anklage

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Beim Vortrag

Eine ernüchternde Erkenntnis. Nur 3 bis 4 Prozent aller Straftatverdächtigen, die die Polizei in mühsamer Arbeit ermittelt, werden anschließend auch angeklagt und im besten Fall verurteilt.

3 bis 4 Prozent, bei manchen Delikten noch weniger. Und das bei Aufklärungsquoten, die auch nicht zum Jubeln sind: Bei der Kreispolizei Unna liegt sie bei Wohnungseinbrüchen derzeit z. B. be 18 Prozent.

Für den pensionierten Polizeibeamten Klaus Göldner, Chef der Freien Liste Unna (FLU), ist das alles ein niederschmetterender und unhaltbarer Zustand.

Klaus Göldner (FLU)

Er erlaubte sich als jahrzehntelanger Praktiker kritische Fragen beim Besuch des ranghöchsten Kriminalbeamten NRWs in Unna: Landeskriminaldirektor Dieter Schürmann sprach als Gast der „Stiftung Zukunft“ der Sparkasse UnnaKamen über „Zwischen Urban und Cyber – Herausforderungen für die Kriminalstrategie der Metropolregion Rhein-Ruhr“.

Und dabei fiel es Göldner zeitweilig schwer, ruhig und entspannt zu bleiben. „Herr Schürmann beschrieb die Bekämpfung international reisender Täter, organisierter Kriminalität, des internationalen Terrorismus und Cyberkriminalität“, schildert der FLU-Fraktionschef seine Eindrücke des Vortrags. „Breiten Raum nahm auch die Beschreibung der allgemeinen Probleme der Polizeibehörden in Anspruch.“

Eine Diskussion kam erst auf, als Göldner kritisch nachhakte: Wie viele  Tatverdächtige, die die Polizeibehörden als „ermittelt“ und die Tat als „aufgeklärt“ verbuchen, werden denn tatsächlich auch verurteilt?

Die Anwort des Landeskriminaldirektors war ernüchternd: 3 bis 4 Prozent.

Göldner kleidet diesen Prozentsatz in ein Rechenbeispiel:

„Geht man von einer Gesamtfallzahl in einem Deliktsbereich von 50.000 Fällen aus, so werden bei einer Aufklärungsquote von 10 % (ist bei Massendelikten schon sehr gut) 5.000 Straftaten aufgeklärt. Verurteilt werden dann letztendlich 150-200 Täter.“

Diese Tatsache trage zu seinem persönlichen Sicherheitsgefühl sicherlich nicht bei, betont der FLU-Vorsitzende.

„Wir alle brauchen nur auf die Folgen der ,Silvesterereignisse in Köln´ zu schauen. Im Nachgang wurden weit über 1000 Anzeigen erstattet, die bislang in ca. 10 Fällen zur Verurteilung von Tätern führten.“

Dieses Dilemma sei jedoch nicht vorrangig Schuld der Polizei. „Ihre Ressourcen werden in immer häufiger werdenden Großeinsätzen verbraucht“, kritisiert Göldner. „Die Zeit, die z.B. Tausende von Polizeibeamten beim Schutz eines „Gipfels“ oder bei wöchentlichen Fußballspielen verbraucht, steht letztendlich dem Bürger zu dessen Schutz nicht mehr zur Verfügung. Hier muss die Politik Wege zur Entlastung finden!“

Dies durch die Aufstockung der Einstellungszahlen – obwohl heute eingestellte Beamte den Dienst erst in 3 Jahren antreten können – und durch zeitnahe Bestrafung, fordert Göldner.

Und ein entscheidender Punkt ist für ihn: „Die Probleme müssen benannt, diskutiert und angegangen werden. Kontroverse Diskussionen dürfen nicht durch „Hofberichterstattung“ der Medien umgangen werden.“

Zu denken gab dem pensionierte Polizeibeamten die Tatsache, „dass bei dieser für die Polizei nicht unwichtigen Veranstaltung nicht ein einziger aktiver Polizeibeamter der Kreispolizeibehörde Unna zugegen war…“

(Fotos: Freie Liste Unna)

2 KOMMENTARE

  1. Die Aufklärungsquote ist viel zu gering, das gilt auch für die Bestrafung und deren Ausführung. Es kann doch nicht sein, daß jemand bei einer Straftat auf frischer Tat ertappt wird und danach, wegen nicht ausreichender Haftgründe, einfach wieder auf freien Fuß kommt. Meiner Meinung nach ist hier Bedarf an Gesetzesänderungen. So, wie es jetzt ist, verliert die Polizei ihre Autorität und wird von Ganoven nur noch ausgelacht.