Unbegleitete junge Flüchtlinge – die besondere Herausforderung für Unna

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Symbolbild. (Pixabay, falco)
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Allein, zumindest ohne ihre Eltern sind sie nach Deutschland geflüchtet und genießen hier besonderen Schutz: „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, die sogenannten UMF, stellen insbesondere an die Stadt Unna besondere Herausforderungen.
Denn sie ist für die vorläufige Inobhutnahme aller unbegleiteten minderjährigen Ausländer zuständig, die sich in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) Massen aufhalten.
Ca. 75 UMF hat die Stadt derzeit in ihrer Obhut. Wir berichteten bereits am Freitag im Zusammenhang mit den Flüchtlingskosten darüber.
Diese liegen laut Stadtverwaltung für einen einzelnen Jugendlichen im Schnitt bei rund 4200-4300 Euro. Der Betrag umfasst Unterbringung, Betreuung – oft rund um die Uhr -, Verpflegung, Kleidung, Kosten für Schulisches, oft therapeutische und/oder sozialpädagogische Betreuung etc.
– In drei Fällen wurde laut Aufschlüsselung der Stadtverwaltung (Vorlage für den Intergrationrat am 4. 12.)  inzwischen den Familiennachzug organisiert: Mit Einreise der Eltern liegt die Verantwortung wieder bei den Erziehungsberechtigten –  die Jugendhilfemaßnahme wird beendet.
– In einigen Fällen konnte den jungen Volljährigen eine Wohnung angemietet werden. „Allerdings gestaltet sich dies auf Grund von fehlendem Wohnraum als schwerfällig“, berichtet die Verwaltung in ihrer umfangreichen Sachstandsbeschreibung. „Somit findet in den meisten Fällen zunächst der Wechsel in die Übergangswohnheime der Stadt statt.“
Eines, das an der Kamener Straße, soll wie berichtet abgerissen werden und einem Neubau mit doppelter Kapazität weichen (64 statt 30 Plätze). Die reinen Baukosten beziffert die Stadt in ihren ersten Rechnungen mit 2,4 Mio. Euro.

Alle betreuten Jugendlichen besuchen bereits eine Schule, mit dem Ziel, einen Abschluss zu absolvieren. Viele haben bereits einen Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erreicht und versuchen, ihren Abschluss noch zu verbessern (HA 10, FOR, Abitur).

Einige sind in Ausbildungen (Bäcker, Gastronomie, IT- Bereich, Altenpflege) oder versuchen gerade einen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Asylrechtlich wurden viele Anträge bereits beschieden. „Es ist zu erkennen, dass Syrer in den meisten Fällen „Subsidiären Schutz“ erhalten, Afghanen zumeist „Ablehnungsbescheide““, so die Verwaltung.

– Gegen alle abgelehnten Bescheide wurde beim Verwaltungsgericht geklagt, in einem Fall wurde eine Klage abgewiesen. Die anderen Verfahren laufen noch.

– Geflüchtete Menschen mit subsidiärem Schutz haben eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr, die jeweils um zwei weitere Jahre verlängert werden kann. Eine Niederlassungserlaubnis ist frühestens nach 5 Jahren zu beantragen. Hierzu müssen Voraussetzungen, wie die Sicherung des Lebensunterhalts und ausreichende Deutschkenntnisse, erfüllt sein.

– Abgelehnte Asylbewerber erhalten zunächst eine Duldung, die alle 3 Monate verlängert werden muss. Mit Genehmigung der Ausländerbehörde besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung zu beginnen.

„Viele der Jugendlichen sind durch das Erlebte im Heimatland und auf der Flucht stark belastet“, heißt es abschließend in der Zusammenfassung der Stadtverwaltung. „Hierdurch ist zunächst eine Stabilisierung der Jugendlichen notwendig, um an den Zielen des Hilfeplans zu arbeiten.
Auf Grund dessen ist eine längerfristig Begleitung oftmals notwendig und eine Beendigung der Jugendhilfe mit 18 Jahren nicht möglich.“
Durch das Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher, welches infolge der Entwicklung bei der Flüchtlingsaufnahme im 2. Halbjahr 2015 deutlich früher in Kraft trat als zunächst geplant, kam es zu wesentlichen Änderungen des SGB VIII. Ziel der Gesetzesänderung war es, durch ein neues Verteilverfahren gem. §§ 42a ff. SGB VIII eine das Kindeswohl sicherstellende Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zu gewährleisten.
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