Der Griff eines Unnaer Pfarrers in die Kirchenkasse und die menschlichen Abgründe dahinter

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Er veruntreute eine sechsstelligen Betrag aus der Gemeindekasse, wurde vorigen Sommer zu einer Geldstrafe verurteilt und soll jetzt obendrein über 100.000 Euro an die katholische Kirche zurückzahlen.
Der Fall eines pensionierten Unnaer Pfarrers, dessen erster Griff in die Gemeindekasse bereits viele Jahre zurückliegt, rückt mit dem jetzt bevorstehenden neuen Verfahren vor dem Dortmunder Landgericht wieder in den Fokus.
Die Hintergründe könnten dabei ebenfalls wieder neu aufgerollt werden – mitsamt der menschlichen Abgründe, die sich dabei offenbaren.
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Rückblick.

Am 11. August 2015 muss sich vor dem Amtsgericht Unna ein Vater-Tochter-Paar aus Holzwickede wegen räuberischer Erpressung und Beleidigung verantworten. Geschädigter ist eben jener Unnaer Pfarrer, zum damaligen Zeitpunkt schon pensioniert (66 Jahre war er alt).

Wie das Onlineportal Emscherblog damals aus der Gerichtsverhandlung schilderte, warf die Anklage dem 58 jährigen Holzwickeder und seiner 27 Jahre alten Tochter Schwerwiegendes vor. Beide zusammen hätten den Unnaer Geistlichen von Juni 2010 bis April 2014 finanziell ausgepresst und ihn um mindestens 80.000 Euro erleichtert.

Einiges von dem Geld hatte der Pfarrer aus der Kasse seiner Kirchengemeinde genommen.

Allerdings unter massivem Druck, schilderte die Anklageschrift: von kompromittierenden Fotos und massiver Gewaltandrohung per SMS war die Rede. Alles hatte der Pfarrer schriftlich dokumentiert, die Nachrichten allerdings auf seinem Handy gelöscht.

Während sich das Angeklagtenduo ausschwieg, soll sich der als Zeuge geladene Pfarrer in dieser Verhandlung „fast um Kopf und Kragen“ geredet haben, sich in Widersprüche verwickelt und objektive Falschaussagen getätigt haben. Was er behauptete, widersprach laut Amtsrichter Hüchtmann jeder Lebenserfahrung und sei  „auch mit dem Willen, Gutes zu tun, nicht erklärbar“:

So hätte er, sagte der Pfarrer, der jungen Mutter und Hartz IV-Empfängerin gut  30.000 Euro privat zukommen lassen, einfach weil sie ihm leid getan habe. Das weitere Geld soll teils freiwillig gezahlt und teils unter Drohungen erpresst worden sein. Die erste unfreiwillige Zahlung sei bereits 2009 erfolgt, nach einem unfreiwilligen Griff ans Genital: 

„Er habe einen Bandscheibenvorfall und starke Rückenschmerzen gehabt. Da habe ihm die Angeklagte  angeboten, den Rücken mit Voltaren einzureiben.   „Plötzlich ging ihre Hand auch nach vorne“ und sie habe kurz an sein „Genital gegriffen“. Wie er auf den Übergriff reagiert hätte? Das wusste er nicht mehr. Ein paar Tage später hätte ihm die junge Frau verkündet, von dem komprimmitierenden Vorfall im Badezimmer läge Bildmaterial vor. mehr“.  Danach habe die Angeklagte jedoch ihr Geld bekommen, um das sie schon vorher gebeten hatte, und sei gegangen.

„Ein paar Tage später“ habe sich die Holzwickederin dann bei ihm gemeldet und damit gedroht, Bildmaterial, das von dem Vorfall im Badezimmer aufgenommen worden sei, zu veröffentlichen. Es sei denn, er zahle 5.000 Euro.

Diese und weitere Geldübergaben seien dann im Auto auf einem Parkplatz an der Iserlohner Straße und vor der Glückauf-Kaserne Königsborn erfolgt.

Am Ende verwickelte sich der Pfarrer aber derart in Widersprüche, dass er doch noch von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte. „Ich will die Wahrheit. Aber ich bin dem hier nicht gewachsen“, soll er gesagt haben.

Die beiden Angeklagten wurden – mangels Beweisen – freigesprochen.

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