Unsicher in Kamen! Offener Brief an Bürgermeister Hupe

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„Jugendliche überfallen Kinder“, „Versuchter Raub – mit Messer bedroht“, „Räuberische Erpressung eines Taxifahrers“ – andauernd dergleichen erschreckende Meldungen und permanent in Kamen.

Wann werden Stadt, Politik und Polizei endlich dagegen vorgehen?

Diese Frage stellt der Kamener Jörg Preuschoff nach dem jüngsten Überfall an der Gesamtschule/Unterführung Lehnbachstraße  von dieser Woche in einem offenen Brief an Bürgermeister Hermann Hupe und die Stadtpolitik.

Vorab: Der Bürgermeister und der SPD-Stadtverbandsvorsitzende haben ihn bereits kontaktiert, konnte uns Jörg Preuschoff heute (25. 1.) recht zufrieden mitteilen.

Der offene Brief – wieso Preuschoff ihn schrieb:

Den Kamener treibt ihn nicht nur die Sorge wegen der wachsenden Zahl der Überfälle auf offener Straße. Er blickt alarmiert auch auf die Tatorte: sehr oft ist es der (erweiterte) Bereich des Schulkomplexes Gesamtschule/Realschule/Sportstätten des TSC Kamen und des Kamener SC.

„Diese Örtlichkeiten gehören auch zumn Schulweg bzw. sind ein Weg zum Sport. Sie werden also regelmäßig und in hoher Zahl von Schulkindern/Jugendlichen und Sportlern genutzt“, stellt Jörg Preuschoff die für ihn besorgniserregende gerade an dieser vielfrequentierten Wegstrecke fest, die er selbst regelmäßig zum Sport mit dem Fahrrad fährt.

Preuschoff wohnt an der Güldentröge mitten in der City.

„Und ich kann als interessierter, engagierter, aber auch verunsicherter Kamener Bürger die in den Berichten des ,Rundblick Unna´geschilderten Sorgen und Fragen zur Sicherheitslage uneingeschränkt teilen.“

Auch er, schreibt der Citybewohner, frage sich „(und mit diesem Schreiben nun auch Sie), wie die Kamener Politik dieser Entwicklung entgegenwirken will? Hat die im Bericht des Rundblicks zitierte Stadtkonferenz schon ‚“definiert, analysiert und Lösungsmöglichkeiten gesucht, sodann Lösungsziele definiert und in konkrete Maßnahmen umgesetzt“? Wie sieht konkret die Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizeibehörde aus?“

Wie, hakt Jörg Preuschoff ganz konkret nach, „soll der Bereich ,Unterführung Lehnbachstraße´ für die sich an Recht und Gesetz haltenden Kamener Bürger sicherer gestaltet werden (zurzeit erinnert die Ausleuchtung des Bereiches eher an eine Location für die Mordaufnahmen eines TV-Krimis)? Wie soll/kann die Polizei diesen Bereich bestreifen, wenn die Zuwegung eher den Kriminellen als der Streifenbesatzung dient?“

Und „… einen Ordnungsdienst, der in den Abendstunden diesen Bereich begeht, habe ich bisher nicht ausmachen können“, schließt Jörg Preuschoff sein offenes Schreiben, das er ans Kamener Rathaus, die Politik, den Rundblick und die lokale Tageszeitung schickte. Er biete zur Problemlösung „jederzeitige Bereitschaft zur Unterstützung an“.

Unsere Redaktion bekam auf Bitte um Stellungnahme gleichfalls postwendend freundliche Antwort aus dem Kamener Rathaus. Stadtsprecher Rüdiger Büscher schrieb uns heute Nachmittag:

„Das Thema ist sehr wichtig und wird von Seiten der Stadt aktiv begleitet. Der offene Brief von Herrn Preuschoff liegt im Rathaus vor. Zur Zeit befinden sich die zuständigen Stellen der Stadt in Abstimmungsgesprächen über die dort aufgestellten Fragen.Nach Abschluss der notwendigen Gespräche wird die Stadt zu dem Fragenkomplex Stellung nehmen.“

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Symbolbild.
Hier noch einmal ein Auszug aus dem umfassenden Meinungsbild, das wir nach unserem Bericht über die Sorgen einer Kamener Mutter via Facebook bekamen – mit Einverständnis der Kommentierenden wiedergegeben:
Manuel E.: „Ich bin männlich, 19 Jahre. Und ich habe den Eindruck, dass unsere Polizei in Kamen gar nicht da ist. Man sieht keinen. Und ich denke, dass im Bereich Kamen Markt – Gesamtschule – Unterführung/Borsigstraße mehr Präsenz sein sollte. Ich selbst meide die Öffentlichkeit in Kamen auch. Ich gehe mit Freunden nur noch in Fünfer- bis Zehnergruppen raus, weil wir einfach alle Angst haben.
Gestern war mir am Bahnhof unwohl. Ein silberner Opel aus Hamm mit südländischen Insassen fuhr an mir vorbei. Sie stellten das Auto ab und gingen nah an mir vorbei. Ich habe nur gehofft, dass meine Freunde schnell kamen.“
Heike S.:Es ist ja nicht nur in Kamen und Unna so! Ich habe mittlerweile Angst, meinen Sohn alleine laufen zu lassen. Er ist seit den Herbstferien in 2. Situation gekommen, die ich mal nett, als nicht normal beschreibe! Mein Sohn ( 13 Jahre ) wurde während der Kirmes in Bergkamen die Nase blutig geschlagen. 5 gegen 1 ( Alter vermutlich 15-17 Jahre )! Auch wenn er eine große Klappe hat, aber das ist unter aller Sau!!! Alleine kriegen solche nämlich meistens die Fr… nicht auf, sind nur in der Gruppe die Kings!“
 
Frank S.:  „Habe selbst von 2005 bis 2015 in Kamen gelebt und bin dort auch noch oft. Mein Sohnemann ist 11 und geht zur Gesamtschule dort. Es muss ziemlich abgefahren sein, was da mittlerweile am Markt und Postpark abgeht.
In den 10 Jahren die ich da lebte, habe ich so gut wie nie eine Polizeipräsenz wahrgenommen (rein subjektiv). Außer zum Laternenumzug von der Grundschule und Karnevalszug von der Diesterwegschule. In Hagen (Wohnort) und Dortmund (Arbeitsplatz) ist deutlich mehr Polizei auf den Straßen und auch deutlich sichtbar. Auch gibt es hier des Öfteren anlassunbezogene Polizeikontrollen.
Aus Berichten, auf die ich nicht näher hier eingehe, ist bekannt, dass es gerade zu Nachtstunden nur 1-2 Streifenwagen für Kamen gibt. Das ist eben das Problem einer Kreispolizeibehörde. In einer kreisfreien Stadt (DO, HA) kann die Polizei Ihre Mittel wesentlich effektiver bündeln und einsetzen.
Die Leitstelle (Hellweg) sitzt in Unna und die Nachbar Klein Gemeinden wie Kamen Bergkamen Werne HoWi Fröndenberg fahren am Minimum. In Großlagen wird dann Verstärkung aus Unna geschickt. Das das nicht funktionieren kann, sieht man eigentlich bei jeder Kreispolizeibehörde. Lünen gehört mit zur Polizei Dortmund. Da hört man sowas nicht.
Ich war im Dezember 2014 auf der Wache am Bahnhof… da liefen an einem Freitag abend !!! genau 3 Männchen rum. Erstmal musste ich minutenlang klingeln und dann kam ich an diesen „Tresen“ und ein Cop war da. Im Hintergund noch genau 2, und die mussten zu einem Einsatz. Das ist doch bedauerlich, so etwas.
Hab evorhin die Kinder nach Kamen zu ihrer Mutter zurückgebracht. Keinen Polizeiwagen gesehen. Fahre dann auf dem Rückweg von der A45 in Hagen ab, was ist direkt vor mir – ein gelb blauer Streifenwagen der Polizei Hagen Und das ist so jeden Tag. Hier sind überall Cops.
Auch wenn das Sicherheitsgefühl hier (HA) nicht wesentlich grösser als in Kamen ist. Die sind aber schneller da – das ist der Unterschied. In DO genau das Gleiche. Du siehst am Tag mindestens 3-4 Streifenwagen. In Kamen so gut wie nie.“
 
Sascha S.: „Interessante Diskussion. Aber was kann man ändern? … Es muss ja etwas passieren. Und die aktuelle Stimmung kommt nicht einfach so zustande. Und alle, die eine andere Meinung haben, als Nazis zu bezeichnen und rechtes Gedankengut zu unterstellen, ist fehl am Platz. So einfach ist das nicht.“
Emma M.:  „Das erste ,was mich wütend macht ist „Allerdings kommen laut Landeskriminalamt nur 3-4 Prozent der Tatverdächtigen auch vor Gericht.“…3 bis 4 % ist ein Witz….und dann noch ein „dämlicher“ Ratschlag hinterher „Die Polizei empfiehlt (vergleichbar der Prävention von Taschendiebstählen), Wertsachen nicht –und schon gar nicht erkennbar – an leicht zugänglichen Stellen der Oberbekleidung aufzubewahren. „Allein ihre Sichtbarkeit kann Gelegenheitstäter motivieren, unvorbereitet, aber dennoch erfolgreich einen Versuch zu starten.“…am besten wie der letzte Penner rumlaufen und gar nicht den Eindruck erwecken, dass man sich eine „warme Mahlzeit “ leisten kann ( Ironie off).“
Anna N.:Ich wohne in Unna und war diesen Sommer einmal abends am Wochenende in der Kamener City mit einer Freundin in einem Restaurant. Auf dem Rückweg zum Auto haben wir uns einfach SO unwohl gefühlt! An jeder Ecke, vor allem am Markt, Grüppchen von Männern die einen angequatscht haben. Fand es da schon sehr extrem!“
Christina H.: Wirklich sicher fühlt man sich hier in Kamen wirklich nicht mehr. Das ist im letzten Jahr schlimmer geworden. Bislang dachte ich, das wäre nur ein subjektives Empfinden meiner Kinder und mir, aber da hab ich mich wohl geirrt.“
Chris R.:  Ich fasse die Stimmung mal kurz zusammen und denke, mir stimmt die Mehrheit zu.
Ich habe keine Lust mehr, täglich von Übergriffen sexueller Art zu lesen. Ich möchte keine Meldungen mehr von U-Bahnschlägern, – Tretern, -Schubsern lesen! Ich möchte keine Meldungen mehr von angeblich betrunkenen Syrern hören (wie aktuell grad wieder), die in Menschenmassen fahren! Ich möchte mein Deutschland wieder, wie es vor dem politischem Desaster Merkel war. Wo man sich abends noch mit sicherem Gefühl durch Innenstädte und Parkanlagen bewegen konnte, auf Weihnachtsmärkten nicht den Anblick von Merkel-Legos ertragen musste und nicht permanent von den Medien belogen wurde.“
Nadire T.:  Ich musste letzte Woche mehrmals eigentlich nach der Arbeit mit dem Bus fahren. … Mir war die Situation an der Bushaltestelle sehr unheimlich, ich stellte mich etwas weiter weg, gut 30 Meter, damit ich warten kann.Mehrmals bin ich dann auch zu Fuß gegangen. Ich möchte nicht wissen, was da abgeht, nur meine Beobachtungen waren schon sehr eindeutig. Da muss mehr Sicherheitspräsenz hin. Und ich habe die Befürchtung, dass die Winterwelt (Weihnachtsmarkt) auch darunter leiden wird.“
Nicole B.:Wenn mein Sohn (16) mit seinen Kumpels in der Stadt geht, hab ich auch immer Angst. Er soll sich auch zwischendurch melden, damit ich weiß, dass alles ok ist. Bin richtig unruhig, wenn er in der Stadt ist..  bin immer froh, wenn er wieder zu Hause ist…“
Tanja K.: Es ist schon erschreckend, was aus der Stadt geworden ist, Koppelteich, Postpark und der Markt… das reicht schon vollkommen aus… von mir aus kann man rundum Videoüberwachung installieren, in der Stadt, Unterführung,  am Bahnhof.
Ich laufe nach einer Kneipentour nicht mehr nach Hause und ich möchte anmerken, dass ich nur paar Minuten zu laufen habe… Ich fahre immer mit dem Taxi, weil ich mich nicht mehr sicher fühle!“
Sandra S.:An der Kirche stehen sie zu dritt, und wenn dann der Richtige um die Ecke kommt, ist ganz schnell mal das Handy weg!“
Saliha H.:  Also ich habe zum Glück noch keine der Sachen miterlebt. Dabei bin ich regelmäßig in der Stadt unterwegs. Auch abends nach der Spätschicht gehe ich mir gerne noch was zu Essen bei King am Markt holen.“
Klaus S.:Ihr könnt hier rumdiskutieren, wie ihr wollt, und auch euch Finger wund tippen. Fakt ist, Polizei und Staat werden sich nicht wirklich drum kümmern. Ob jetzt 2 oder 20 Leute überfallen oder beraubt worden sind – passt alles noch in die Statistik bei denen. Und wenn sie festgenommen werden, laufen sie am nächsten Tag draußen wieder rum.“
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5 KOMMENTARE

  1. Ist ja schön dass der Stadtsprecher postwendend und freundlich reagiert hat. Wie ernst das Problem genommen wird zeigt aber doch wieder die Aussage dass erst jetzt sich zuständige Stellen damit beschäftigen. Der ursprüngliche Bericht mit den Aussagen und Ängsten der Bürger war am 29.11.2017. Doch auch da zeigte sich z.B der Fraktionsvorsitzende der SPD bereits tief bestürzt. Insofern kann man es nur begrüßen dass Herr Preuschoff in einem offenen Brief dieses Thema wieder aufgenommen hat. Es scheint aber zu befürchten dass die Politik das Problem wieder als nicht relevant und Spinnerei einzelner abtut. Es sind doch alles nur Einzelfälle. Eine Zunahme der Kriminalität ist doch nirgend wieder zu finden. Weder im Dortmunder Norden, noch in der Hammer Statistik und wird das auch noch bestätigt von selbsternannten Experten wie der Kriminologe Pfeiffer dessen Kompetenz sich im Namen wider zu spiegeln scheint. Bin also mal auf das Ergebnis gespannt, oder dann auch doch nicht

  2. […] Mit einem umfangreichen Schreiben antwortet die Stadt Kamen auf den offenen Brief von Jörg Preuschoff. Der Anwohner der Güldentröge (Kamen-City) hatte nach den wiederholten Raubüberfällen insbesondere im Bereich der Gesamtschule/dortige Unterführung von der Stadtverwaltung konkrete Auskünfte darüber verlangt, wie sie dieser Negativentwicklung entgegen treten wolle. – HIER unser Bericht. […]