Gewalt an Schulen – die Grenzen der Polizeistatistik

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Symbolbild (Pixabay, TeroVesalainen).
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Vor dem Hintergrund der Gewalttat an der Lünener Käthe-Kollwitz-Gesamtschule entbrennt eine Diskussion um die Gewalt an Schulen. Entsetzliche Vorfälle wie die Ermordung des 14 jährigen Leon in Lünen entsetzen und verunsichern Schüler und Eltern.

Doch gibt es tatsächlich eine Verschlimmerung der Zustände? Wir haben versucht, das herauszufinden.

Wird denn wirklich alles immer schlimmer?

Was die Gewalt an Schulen angeht, heißt es von Experten „Nein, im Gegenteil.“ Zahlen und Statistiken zu finden, die das belegen, ist jedoch schwierig.

So gab es im Kreis Unna (ohne Lünen) im ganzen Jahr 2017 an den Schulen nur zwei Verstöße gegen das Waffengesetz, berichtet uns der Polizeisprecher der Unnaer Polizei, Thomas Röwekamp.

Thomas Röwekamp von der Polizei Unna.

„Diese Zahlen sind jedoch nicht unbedingt aussagekräftig, denn die Schulen reagieren unterschiedlich auf die Vorfälle. Nicht immer holen sie die Polizei mit ins Boot.“

Auch Polizeisprecher Kim Freigang aus Dortmund bestätigt dies.

„In ganz Dortmund (mit Lünen) haben wir im vergangenen Jahr 241 Delikte rund um Schulen verzeichnet. Diese Zahlen sind aber nicht valide“, erklärt Freigang. „Denn sie umfassen auch Straftaten, die sich außerhalb des Schulbetriebs (z.B. auf Veranstaltungen auf dem Schulgelände) oder einfach nur in der Nähe von Schulen zugetragen haben. Die Statistiken der Polizei sind daher mit Vorsicht zu genießen – sie beziehen sich mitunter eher auf die Örtlichkeit, als auf den Schulbetrieb.“

Auch das Versprühen von Pfefferspray, wie es immer wieder mal vorkommt, zählt beispielsweise rein statistisch zur Gewaltkriminalität, denn es handelt sich dabei um Körperverletzung.

Rückgang der Gewaltkriminalität

Generell, sagt der Polizeisprecher, gebe es einen Rückgang bei den Gewalttaten, insbesondere in der Dortmunder Nordstadt. Dies zeigen die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik des BKA.

Die aktuellen Zahlen werden im März veröffentlicht. Auch wenn die mediale Berichterstattung anderes vermuten lässt, gehen die Waffen-, Gewalt- und Einbruchsdelikte Polizeiinformationen zufolge zurück. Gleichzeitig steige jedoch die Rücksichtslosigkeit und Brutalität, so Freigang.

Auch an den Schulen. Der Dortmunder Polizeisprecher stellte deutlich klar, dass es keine Gefährdungslage an den Schulen gebe. Gestützt werden seine Aussagen u.a. vom Kriminologen Christian Pfeiffer.

Pfeiffer zufolge sei die Zahl der Kinder, die an Schulen so schwer verletzt würden, dass sie in der Folge ins Krankenhaus müssen, von 1997 bis 2016 um 64 Prozent gesunken, die Zahl der Tötungsdelikte durch Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren sei ebenso seit 1993 um 47 Prozent zurückgegangen (Focus).

„Egal, welche Statistik wir nehmen: Wir gelangen zu der Einschätzung, dass Tötungsdelikte durch junge Menschen eine extreme Ausnahme werden“, sagte Pfeiffer dem Nachrichtenmagazin Focus im Hinblick auf die Tat an der Lünener Gesamtschule.

Was können Eltern tun?

Viele Schulen setzen auf die enge Zusammenarbeit mit der Polizei, berichten Thomas Röwekamp und Kim Freigang übereinstimmend. Junge Polizeibeamte gehen zur Aufklärung in die Schulen, ebenso das Kommissariat für Prävention und Opferschutz. Doch natürlich sind die Eltern in der Pflicht.

Eltern müssen diesbezüglich in einen stärkeren Dialog mit ihren Kindern treten. Waffen – auch Reizgas bzw. Pfefferspray – haben an Schulen nichts zu suchen. Auch wenn es vermeintlich gut gemeint ist und den sicheren Schul- oder Heimweg gewährleisten soll, gehört es nicht in Kinderhände, so Freigang. Angst und Hysterie sind ansteckend, auch für Kinder. Man dürfe nicht vergessen, dass das Reizgas auch immer gegen das eigene Kind eingesetzt werden kann, wenn sich eine Situation hochschaukelt.

Pressesprecher Kim Freigang von der Dortmunder Polizei.

Eltern sollten ihren Kindern vielmehr Respekt und eine erhöhte Sensibilität vermitteln. Befürchten sie jedoch eine konkrete Gefährdung ihrer Kinder, sollen sich an die Polizei wenden, so Polizeisprecher Kim Freigang.

Um verlässliche Zahlen über Gewalt an Schulen zu bekommen, haben wir bei der Bezirksregierung Arnsberg nachgefragt, diese lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

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1 KOMMENTAR

  1. Die Statistik des Kriminologen Pfeiffer kann man in der Pfeife rauchen, da Herr Pfeiffer ein Linkspopulist ist (Google:“Fall Sebnitz“). Er betrachtet in seiner Propaganda den falschen Zeitraum (bis 2016).
    Die Polizeisprecher aus Unna und aus Dortmund können wenigsten zugeben, dass die Zahlen nicht aussagekräftig sind.
    Jetzt müsste Herr Kim Freigang uns nur noch erklären, warum Vergewaltigungen in Dortmund aktiv vertuscht werden:
    https://www.rundblick-unna.de/2017/09/09/vergewaltigung-in-disco-staatsanwaltschaft-schweigt-zu-berichten-ueber-taeterherkunft/
    Damit die Zahlen für die Statistik im März schöner werden ? Sorry, aber unter diesen Voraussetzungen glaube ich der Polizeistatistik keine einzige Zahl, und ich bin nicht der einzige. Die Stadt Pforzheim hat ebenfalls(mit Recht!) die gefälschte Polizeistatistik angezweifelt:
    https://www.pz-news.de/pforzheim_artikel,-Mehr-Gewalt-mehr-Raub-Das-ergibt-eine-Analyse-der-Polizeiberichte-seit-2013-_dossier,-Blaulicht-_arid,1210067_dossierid,527.html