Unsicher in Kamen? Stadt anwortet auf offenen Brief und wünscht „wertneutralere Berichterstattung“

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Die Kamener Innenstadt, hier der Blick aufs Kamen Quadrat / Adenauerallee.
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Erstens, man nimmt reale Ängste ernst und tut etwas dagegen; zweitens, es ist schon einiges getan worden; drittens, man wünscht eine „wertneutralere“ Berichterstattung über die Sicherheitslage in der Stadt, um „diffuse Ängste“ nicht zu verstärken.

Mit einem umfangreichen Schreiben antwortet die Stadt Kamen auf den offenen Brief von Jörg Preuschoff. Der Anwohner der Güldentröge (Kamen-City) hatte nach den wiederholten Raubüberfällen insbesondere im Bereich der Gesamtschule/dortige Unterführung von der Stadtverwaltung konkrete Auskünfte darüber verlangt, wie sie dieser Negativentwicklung entgegen treten wolle. – HIER unser Bericht.

Die Antwort der Stadtverwaltung kam schnell und ausführlich nur zwei Tage, nachdem Preuschoffs Brief im Rathaus einging. Zusammengefasst will die Stadt in enger Kooperation mit der Polizei ein ganzes Bündel von Maßnahmen schnüren – im Kernpunkt diese:

  • „konsequentes und beweiskräftiges“ Verfolgen von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten;
  • Verstärkter Einsatz des städtischen Ordnungsdienstes;
  • bessere Ausleuchtung der überfallträchtigen Unterführung Lenbachstraße; 
  • intensive Betreuung/Begleitung Jugendlicher/Heranwachsender durch das Jugendamt;
  • gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsbehörde bei größeren Veranstaltungen.

 

Hier die Stellungnahme der Stadt zu dem offenen Brief von Jörg Preuschoff (wörtlich zitiert, Kürzungen gekennzeichnet).

„Die … geäußerte Verunsicherung nach der Berichterstattung in den Medien… über die offensichtliche Häufung gewaltsamer Übergriffe… ist nachvollziebar. Die hier geäußerten Ängste werden ausdrücklich geteilt und sehr ernst genommen.

Das Medieninteresse an …. Straßenkriminalität ist hoch. Die Art und Weise der Beschreibung und Wertung ist zweifelsohne dazu geeignet, diffuse Ängste und Zweifel am sicheren Verweilen in der Stadt zu verstärken, und schadet zudem der Aufenthaltsqualität im Stadtkern.

Damit einher geht ein Vertrauensverlust in den Schutz der Ordnungskräfte von Polizei und Ordnungsbehörden.

Die Sicherheitslage ist zu messen an Fakten, an Fallzahlen der Kriminalitätsstatistiken, an Ermittlungsergebnissen der Strafverfolgungsbehörde. Eine wertneutralere Information und Berichterstattung wäre eher angemessen und im Interesse der Vermittlung eines Sicherheitsgefühls.

Zu Recht aufgeworfen wurde die Frage, wie man das Sicherheitsgefühl stärken kann und mit der Sicherheitslage umgehen will.

Auf der Grundlage der inzwischen unbefristet vereinbarten Ordnungspartnerschaftn zwischen der Polizei und der Stadt Kamen wurde dazu vereinbart:

1. Straftaten und Ordnungswidrigkeiten werden konsequent und beweiskräftig verfolgt. Nach Auskunft der Polizei wurden … in den letzten Wochen Aufenthaltbetretungsverbote ausgesprochen und durchgesetzt, Ermittlungsansätze verfolgt und Haftbefehle erlassen.

2. Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität: Enge Absprachen zwischen den Ermittlungsbehörden und dem Jugendamt sowie der Jugendgerichtshilfe; präventive Arbeit des Jugendamtes zur Vermeidung von Ordnungswidrigkeiten und Straftaten z. B. durch Aufsuchen der informellen Treffpunkte von Jugendlichen, Gesprächs- und Informationsangebote durch Streetworker.

3. Unterrichtung der Polizeiwache Kamen durch die Stadtverwaltung über Veranstaltungen (Schützenfeste, Märkte, kulturelle Veranstaltungen…) zur Unterstützung der Polizei bei der Erstellung eines Lagebildes.

4. Intensive Zusammenarbeit zwischen der Ordnungsbehörde und der Polizei bei größeren Einsätzen (z. B. gemeinsame Streifen bei größeren Veranstaltungen, um die Einhaltung des Jugendschutzes und der Lärmschutzbestimmungen sowie der sonstigen Pflichten des Veranstalters zu gewährleisten). Regelmäßig und anlassbezogen finden Informationsgespräche statt, Sicherheitskonzepte (z. B. Altstadtpartys) und Sicherungsmaßnahmen werden abgestimmt und gemeinsam mit Veranstaltern umgesetzt.

5. Zeitgerechte Beseitigung von Sachbeschädigungen an öffentlichen Gebäuden und Einrichtungen (..als) positive Signalwirkung.

6. Verbesserung des sozialadäquaten Verhaltens von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden durch klare Grenzziehungen bei Rechtsverstößen und durch geeignete pädagogische Maßnahmen. Das Jugendamt inititiert die enge Begleitung durch individuelle, angemessene Betreuungsmaßnahmen.

7. … Die Medienarbeit soll verstärkt werden.

Hinzu kommt der im vergangenen Frühjahr verstärkte Einsatz eines städtischen Ordnungsdienstes, der in einem 2er Team täglich von 7 bis 23 Uhr im gesamten Stadtgebiet Präsenzkontrollen durchführt und unter der Hotline 0173-5410584 erreichbar ist. In den Abendstunden samstags und sonntags wird dies durch geschultes Personal eines professionellen Sicherheitsunternehmens ausgeführt. Die Einsatzprotokolle werden der Polizei zugeleitet.“

– Zusatz: Es sollen verstärkte Bestreifungen geben, bei denen Hinweise der Bürger „selbstverständlich berücksichtigt“ werden, und ein Schwerpunkt wird in der nächsten Zeit auf dem Umfeld der Gesamtschule/Unterführung liegen.

„Die Polizei teilt außerdem mit, dass alle Bezirksdienststellen in Kürze wieder vollständig personell besetzt sein werden“, heißt es im vorletzten Absatz des Schreibens, das mit der Ankündigung einer helleren Beleuchtung und einer überarbeiteten Wandgestaltung der Unterführung Lenbachstraße schließt.

 

 

 

 

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5 KOMMENTARE

  1. Aha! Eine Stadtverwaltung welche, zumindest bis dato, ihre Arbeit noch nicht in dem gebotenen Maße erfüllen konnte/wollte/durfte kritisiert nun also jene Teile der Medien, die ihren Job gut machen (den meisten anderen Medien kann man ja nur Lustlosigkeit oder schiere Arbeitsverweigerung vorwerfen). Das hat schon was! Ich hätte übrigens noch einen Ansatz gegen das Unsicherheitsgefühl: All die Leute, die mit bunten Regenschirmen auf teils fragwürdigsten Demos auftauchen, könnten doch abends mit ihren Schirmchen an den Orten gefühlter Unsicherheit umherwandern und sich dann entschlossen tatsächlichen Kriminellen und Schlägern damit entgegenstellen. Das wäre doch mal was!

  2. War ja gespannt auf die Antwort. Und was soll ich sagen, wie erwartet Larifari. Nicht die Anmache, die Belästigungen, die Überfälle schaden der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt sondern die offene Berichterstattung eines Mediums die ich ansonsten bei der langjährig bekannten, regionalen Presse vermisse. Aber die müssen natürlich auch auf ihre Werbeeinnahmen schauen und kritische Berichterstattung ist offensichtlich so verpönt wie bei den ÖR die täglich die Bevölkerung für doof verkaufen. „Die Sicherheitslage ist zu messen an den Fallzahlen und Kriminalitätsstatistiken.“ Ja gerne, wenn sie die Realität widerspiegelt und nicht regelmäßig den politischen Gremien passend gemacht würde. Ist ja auch schön wenn Straftaten konsequent verfolgt werden. Aber mit welchem Nutzen wenn anschließend die Justiz nicht den Fahndungserfolg umsetzt. (Erspare mir einen Kommentar zu den Richtern die täglich für den Normalbürger nicht nachvollziehbare Urteile sprechen.) Ganz wichtig ist natürlich die intensive Betreuung straffällig gewordener Jugendlicher. Die Erfolge dazu kann man auch täglich nachlesen. Es sollen auch verstärkte Bestreifung stattfinden und die Bezirksdienststellen wieder besetzt werden. Mit welchem Personal denn?? Da haben doch die rot grünen Versager die die Politik Jahrzehntelang in NRW verantworteten und im Kreis noch verantworten dazu beigetragen dass es dieses Personal nicht gibt. In dem Sinne viel Erfolg bei der Umsetzung der Maßnahmen.

  3. Hallo Jan Schwerdt, so wie wir es verstanden haben, ging die Kritik nicht an die Adresse dieses Bürgers – dessen Ängste man ja ausdrücklich ernst nehme – sondern an die Presse, sprich an uns und konkret an unsere „Art“ der nicht „wertneutralen“ Berichterstattung. Aber damit können wir freilich leben.