Für 3 Zi.-Wohnungen „keine hohe Nachfrage“ – Stadt Unna reserviert weiter Wohnraum für Asylbewerber

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Da die Stadt Unna im Rahmen der Wohnsitzauflage weitere Asylbewerber unterzubringen hat, will sie auch in diesem Jahr wieder Wohnungen auf dem freien Markt reservieren. Obwohl dieser enorm angespannt ist.

Bürgermeister Kolter selbst bezeichnete die aktuelle Leerstandsquote von unter 2 Prozent jüngst im Hauptausschuss als faktische Sättigung des Wohnungsmarktes. Da die Stadt jedoch zur Unterbringung zugewiesener Asylbewerber verpflichtet ist, führt sie – neben der Debatte um den Flüchtlingsneubau an der Kamener Straße – den 2017 begonnenen „Wohnungspool“ fort.

Für die Sitzung des Sozialausschusses am Dienstag (6. 3., 17 Uhr, Ratssaal – ÖFFENTLICH) hat die Stadt den Sachstand zur Wohnraumanmietung zusammengefasst.

Was getan und erreicht werden SOLLTE:

– Auf mehrheitlichen politischen Beschluss (Bericht HIER) sollte die Stadt im vorigen Jahr 11 Wohnungen modellhaft anmieten. Sie sollten zur Unterbringung zugewiesener Asylbewerber mit Wohnsitzauflage und ehemaliger minderjähriger Flüchtlinge dienen.

Wohnsitzauflage bedeutet: Diese (anerkannten) Asylbewerber müssen mindestens 3 Jahre in Unna wohnen (Residenzpflicht). Sie beziehen Geld vom Jobcenter (Hartz IV) und haben Anspruch darauf, eigene Wohnungen zu beziehen. „Ziel war, die einzelnen Haushalte…möglichst zügig in BGB-Mietverträge zu überführen“, schreibt die Verwaltung, m.a.W. normale Mietverträge.

–  Nach erfolgreichem Übergang sollte der Pool möglichst wieder auf bis zu 10 Wohneinheiten aufgestockt werden, da dies  „… eine schnelle Integration anerkannter Flüchtlinge“ ermögliche.

– Eine zusätzliche Wohnung sollte als „Trainingswohnung“ für ehemalige unbegleitete Minderjährige – nach Volljährigkeit und Ende der Jugendhilfe – genutzt werden. „Die jungen Menschen sollen so auf das Leben in einer Wohnung im Rahmen eines BGB-Mietvertrages vorbereitet werden.“

Was getan und erreicht WURDE:

– Seit 1. Juli 2017 wurden 6 Wohnungen von zwei Wohnungsbaugesellschaften angemietet.

– „Dabei wurde darauf geachtet, dass möglichst 3-Raum-Wohnungen in die Auswahl kommen, die überproportional im Wohnungsbestand vorhanden sind und es diesbezüglich keine hohe Nachfrage gibt“, heißt es in der Mitteilungsvorlage.

– „Zur Vermeidung von Segregation“ sollte die Lage möglichst dezentral sein. Konkret liegen die Wohnungen in Unna-Mitte, Massen und Königsborn.

– Von den 84 Flüchtlingen, die 2017 per Wohnsitzauflage nach Unna geschickt wurden, konnten 20 in diesem Pool untergebracht werden. „Bislang hat nur ein verhältnismäßig geringer Teil der Alleinstehenden selbständig eine eigene Wohnung gefunden“, merkt die Stadt an.

– Alle Wohnungen wurden – „gemäß dem Einrichtungsstandards der städtischen Unterkünfte“ –  mit Möbeln, E-Geräten, Gardinen und Lampen ausgestattet.

– In 5 Wohnungen wurden Familien untergebracht. 3 haben die Wohnungen inzwischen übernommen, eine steht kurz davor. Die Wohnungsausstattung wurde mit der Erstausstattungshilfe des Jobcenters verrechnet.

– Die vierte Familie zieht wegen des erwarteten Zuzugs eines Familienmitglieds in eine größere Wohnung um und hat die Pool-Wohnung daher nicht übernommen.

„Es hat sich herausgestellt, dass die Integration ins Wohnumfeld durch diese Art der dezentralen Unterbringung gut gelingt und auch weniger gefragte Lagen von den Flüchtlingen gut angenommen werden“, zieht die Stadt ein erstes Fazit. Bei der Integration unterstützen u.a. Ehrenamtliche des Kreis-Caritasverbandes.

– Bei der Probewohnung für ehemalige unbegleitete minderjährige Flüchtlinge hat es 2017 einige Bewohnerwechsel gegeben, da die Aufenthaltsperspektive nicht gesichert war. „Eine Vermittlung in Privatwohnungen ist deshalb bei den Bewohnern der Wohnung noch nicht gelungen.“

– Zukünftig soll bei der Belegung darauf geachtet werden, dass die Bewohner nicht nur schon relativ selbständig sind, sondern auch eine Aufenthaltserlaubnis haben. Ziel ist, dass sie zukünftig eine eigene Wohnung anmieten können oder evtl. die angemietete städtische Wohnung übernehmen können. Für die Betreuung (bisher Caritas) soll die städtische Sozialarbeiterin einbezogen werden.

Mietkosten vm 01.07.2017 bis 31.12.2017: insgesamt 22.828,01 €.  Rund 70 Prozent wurden durchs Jobcenter Kreis Unna „refinanziert“.

Ausblick auf 2018:

  • Mit Stand Januar 2018 muss die Kreisstadt 221 anerkannte Flüchtlinge mit Wohnsitzauflage aufnehmen.
  • Darüber hinaus ist mit weiter wachsenden Zuweisungen junger Flüchtlinge (ehemalige unbegleitete Minderjährige) – ab 18 Jahre und mit Ende der Jugendhilfe – zu rechnen -ca. bis zu 90 Personen.
  • „Die städtischen Unterkunftsressourcen (belegt: 78 Plätze, Stand: 15.02.2018) reichen hierfür nicht aus, da 2018 möglicherweise auch wieder mit Regelzuweisungen von Asylbewerbern nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz (FlüAG) zu rechnen ist“, so die Stadt.
  •  Derzeit 180 Plätze an 4 Standorten (Kamener-, Hammer Str. – wegen Brandschutzmängeln derzeit unbewohnbar -, Höing- und Rudolf-Diesel-Str.) entsprächen Vollauslastung (bei höchstens 4 Personen pro Raum).

Berechnetes Defizit: rd. 30 Plätze.

„Es wird daher vorgeschlagen, die bestehenden Kooperationsbeziehungen mit den vor Ort arbeitenden Wohnungsunternehmen auszubauen, um auch weiterhin mit einem revolvierenden Pool von bis zu 10 Wohnungen möglichst breit gestreut im Stadtgebiet zu arbeiten.“

Zusatz: „Da junge Männer auch weiterhin nur schwer auf dem Wohnungsmarkt eine Wohnung finden, sollte auch die Trainingswohnung beibehalten werden.“ Ziel seien Zweier-WGs bei Vermietern, „die den jungen Menschen nach einer Probezeit einen BGB-Mietvertrag anbieten“.

„Ziel ist es auch im Jahr 2018, den Zuschussbedarf so gering wie möglich zu halten. Durch Mietzahlungen des Jobcenters soll (…) wieder ein möglichst hoher Anteil der Kosten refinanziert werden. Es wird vorgeschlagen, dass Anmietungsmodell im Jahr 2018 fortzusetzen.“

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3 KOMMENTARE

  1. Es ist vollkommen egal, ob über das Jobcenter „refinanziert“ wird. Auch ist es egal, ob Bundes- oder Ländergelder gezahlt werden. Letztendlich kostet die Party unser aller Steuergelder, und das nicht zu knapp.

    Aber natürlich gönnt Unna sich auch zu viele Schulen und zu viel Kultur…….Dafür zahle ich doch gerne mehr Steuern.