Sexualdelikte, Ausländerkriminalität: Entwicklungen im Kreis Unna und nebenan

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„Wird immer schlimmer“, „.. die übliche Klientel“ – was ist tatsächlich „schlimmer“ geworden in Sachen Kriminalität im vorigen Jahr, wie verteilen sich die Straftaten auf die Tätergruppen Deutsche – Nichtdeutsche?

Dazu haben wir vergleichende Blicke in 4 benachbarte Polizeistatistiken geworfen:

die der Kreispolizeibehörden Unna, Soest und Märkischer Kreis sowie die der Polizeidirektion Dortmund, die die Stadt Lünen mit einschließt.

Symbolbild (Pixabay)

KPB Unna:

Bei einem ingesamt messbaren Rückgang der Straftaten ist die Gewaltkriminaltät in den Städten Unna und Kamen auf dem höchsten Stand seit 5 Jahren geklettert.

Kreisweit haben zusammen mit der Gewaltkriminalität (567 auf 651 Fälle) und Raubdelikten (153 auf 185) auch  Sexualdelikte deutlich zugenommen.

152 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung wurden angezeigt (gegenüber 127 im Vorjahr), die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen hat sich gegenüber 2016 verdoppelt (von 16 auf 32 Fälle).

Dortmund und Lünen:

Weniger Gewalt-, Raubdelikte und Straßenkriminalität, aber ebenfalls ein Anstieg bei den Sexualdelikten. Die Zahl der überfallartigen Vergewaltigungen (Vergewaltigungen im öffentlichen Raum) ist dabei mit 7 angezeigten Fällen auf den niedrigsten Wert der vergangenen 15 Jahre gesunken, zugleich die Gesamtzahl aller Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erneut gestiegen – von 543 auf 688 Fälle. „Mit in diese Statistik eingeflossen sind 2017 aber erstmals die Verstöße gegen den neu geschaffenen Paragraphen 184 i StGB (sexuelle Belästigung)“, merkt die Polizeidirektion Dortmund an.

Archivbild RBU

Märkischer Kreis:

Anstieg der Sexualdelikte um über ein Drittel – bei ingesamt auch hier weniger Kriminalität (vor allem weniger Wohnungseinbrüche). Die Zahl der Sexualstraftaten stieg von 177 auf 236 an, und einen Großteil davon entfiel leider auf Kindesmissbrauch – 47 Fälle, 17 mehr als im Vorjahr.

Kreis Soest:

Die Kreispolizeibehörde Soest erfasst Sexualstraftaten zum einen unter „Straßenkriminalität“ und zum anderen unter „Gewalt im häuslichen Umfeld“. Bei der Straßenkriminalität zeigt sich ein Anstieg um 98 Fälle (auf insgesamt 4926), insgesamt 422 Strafanzeigen gab es mit Bezügen zur „Häuslichen Gewalt“.

 

Tätergruppen nach Nationalitäten

Generell zeigt sich hier überall das gleiche Bild: Die weitaus größte Gruppe der Tatverdächtigen sind weiterhin deutsche Staatsbürger. Diese stellen allerdings gleichzeitig den weitaus größten Anteil an der Bevölkerung, was bei der Gesamtbewertung berücksichtigt werden muss.

Polizeiwache Unna (Archivbild RBU)

KPB Unna:

Erstmals hat Landrat Makiollas Behörde die nichtdeutschen Verdächtigen ausführlich vertiefter aufgeschlüsselt: nach Herkunftsländern sowie weitergehend nach Asylbewerbern/Touristen u.ä.

Grafiken aus der Powerpoint-Präsentation der KPB Unna

Über ein Viertel der Verdächtigen sind unter „Ausländer“ zusamengefasst (25,8%), also Menschen mit einer anderen als der deutschen Staatsangehörigkeit. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung im Kreis Unna (außer Lünen) liegt bei knapp 9%.

Deckungsgleich mit Dortmund ist die größte Gruppe die türkische, gefolgt von Rumänen, Polen und Syrern.

Dortmund und Lünen:

Grafik: Polizeidirektion Dortmund

41% „nichtdeutsche“ Tatverdächtige (2016: 43%), darunter 45 „Illegale“. Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit zählen als Deutsche. Der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtbevölkerung Dortmunds beträgt aktuell 17,3 %.

Zum dritten Mal nach der Statistik für 2015 schlüsselt das Polizeipräsidium Dortmund die „Nichtdeutschen“ auch nach Nationalitäten auf:

Danach stammen die meisten wie schon in den Vorjahren aus der  Türkei (1471), gefolgt von Rumänen (956), Polen (933), Syrern (883) und Personen aus den Maghreb-Staaten (Algerien, Tunesien, Marokko). Wie in den Vorjahren weist die Dortmunder Polizei allerdings darauf hin, dass eine genaue Zuordnung der Verdächtigen aus Nordafrika und den arabischen Staaten oft nicht möglich sei, da es nicht selten „Mehrfachidentitäten“ gebe – Tatverdächtige mit zwei, drei und mehr unterschiedlichen Namen, Geburtsdaten und/oder Nationalitäten, womit häufig mehrfacher Leistungsbezug einhergeht.

„Sonstige“ stellten zusammengenommen übrigens eine deutlich größere Gruppe als die Türken – es waren 2385.

 

Märkischer Kreis:

Die Kreispolizei MK schlüsselt ihre Statistik ebenso wie Unna auch nach Asylbewerbern auf. Der Anteil der ermittelten nichtdeutschen Tatverdächtigen war gegenüber dem Vorjahr insgesamt rückläufig. Er betrug 27,5% an allen ermittelten Verdächtigen (im Vorjahr war es über ein Drittel gewesen). Diese sind nicht zwangsläufig im MK gemeldet. Unerlaubt hielten sich 47 Verdächtige im Märkischen Kreis auf; 584 waren Asylbewerber. Der Gesamtanteil der Nichtdeutschen liegt im MK (ebenso wie in den Kreisen Unna und Soest) bei unter 10%.

Kreis Soest:

„In etwa 72,13 % der Fälle wurden Deutsche als Tatverdächtige ermittelt“, unterstreicht der Bericht. Aber: „Unter Berücksichtigung des jeweiligen Anteils der Deutschen und Nichtdeutschen an der Bevölkerung ist allerdings festzustellen, dass nichtdeutsche Tatverdächtige überproportional häufig vertreten sind.“

Grafik: Kreispolizei Soest

Von den 6845 ermittelten Tatverdächtigen hatten 1908 andere Nationalitäten (Anteil 27,87%). Der Anteil der im Kreis Soest gemeldeten ausländischen Mitbürger insgesamt beträgt 8,91 %.

Links zu den Statistiken:
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1 KOMMENTAR

  1. Wie wird es eigentlich gezählt, wenn ein nordafrikanischer Intensivtäter 100 Straftaten begeht ? Zählt es dann als „ein Tatverdächtiger“ oder als „100 Tatverdächtige“ ? Ich vermute mal, dass mehrere Straftaten auf einen Verbrecher runtergerechnet werden.

    Warum wird nicht nach „Anzahl der Straftaten“ und Nationalität aufgeschlüsselt ?