Nach Einbruch im Campus Massen: Verhaftetes Duo zurück in Unterkunft

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Die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Unna-Massen. (Archivbild / RBU)
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Die Staatsanwaltschaft entschied anders, als es sich die Unnaer Polizei gewünscht hatte.

Die beiden Männer, die Freitagnacht nach einem Einbruch im Hochschulcampus Massen von der Polizei gefasst worden waren – aufgrund schneller Reaktion des Security-Dienstes der benachbarten Erstaufnahme Massen (EAE) – sind wieder auf freiem Fuß.

Das berichtete uns am heutigen Montagmorgen (12. 3.) der Pressechef der Kreispolizeibehörde Unna, Thomas Röwekamp.

Die Unnaer Polizei hatte die beiden Asylbewerber verhaften können, kurz nachdem gegen 23.40 eine Alarmanlage im Verwaltungsgebäude des Hochschulcampus ausgelöst hatte: Einbrecher hatten mit Steinen Fenster demoliert und im Büortrakt einen Tresor von der Wand gerissen.

Zwei Security-Mitarbeiter der Erstaufnahmeeinrichtung sahen zwei Personen flüchten, so dass der Polizei rascher Zugriff gelang. „Beide sollen einem Haftrichter vorgeführt werden“, kündigte die Leitstelle am Wochenende ihren Vorsatz an, die Kriminellen hinter Gitter zu bringen.

Doch daraus wurde nichts.

Polizeisprecher Thomas Röwekamp: „Haben unsere Arbeit gemacht.“

„Die Staatsanwaltschaft möchte das nicht“, formulierte Thomas Röwekamp im Gespräch mit unserer Redaktion sachlich und neutral.

Das bedeutet: „Beide sind entlassen.“ Der Staatsanwalt sah keine ausreichenden Haftgründe, unter anderem weil die einbruchsverdächtigen Männer über einen festen Wohnsitz verfügen.

Dieser ist, so bestätigte Röwekamp, die Erstaufnahmeeinrichtung neben dem Campus. „Dorthin sind sie zurückgekehrt.“ Strafanzeigen wegen Einbruchsdiebstahl wurden natürlich gefertigt.

Die Polizei, so der Behördensprecher, habe ihre Arbeit gemacht: Die vermutlichen Einbrecher wurden zügig gefasst, und es sei versucht worden, sie in U-Haft zu bringen. „Doch die Entscheidung hat die Staatsanwaltschaft zu treffen.“

Der Tresor – der kein Geld enthielt, sondern Schlüssel – wurde übrigens  unweit vom Tatort wieder aufgefunden. Die Schlüssel sind alle noch da, entnimmt der Polizeisprecher der Schriftlage.

Die beiden Asylbewerber sind laut Zusatz des Polizeisprechers 20 und 27 Jahre alt. Der eine ist Marokkaner, bei dem anderen sei die Herkunft noch ungeklärt, schließt Thomas Röwekamp.

In der EAE im Massener Norden verbringen Asylbewerber direkt nach ihrer Ankunft in Deutschland meist nur wenige Tage, um registriert zu werden. Danach werden sie NRW-weit auf Zentrale Unterbringenen (ZUE) verteilt.

Zur Frage der Haftgründe:

Um einen Tatverdächtigen oder sogar überführten Täter in die Zelle zu verfrachten, hat der Gesetzgeber in Deutschland hohe Hürden errichtet. So muss muss zunächst dringender Tatverdacht vorliegen. Ein so dringender, dass eine „hohe Wahrscheinlichkeit“ besteht, dass der Beschuldigte später verurteilt wird.
 
Zweite Voraussetzung ist ein Haftgrund. Der häufigste ist Fluchtgefahr: Es ist nicht nötig, dass der Beschuldigte sich bereits versteckt hält oder auf der Flucht ist. Fluchtgefahr kann auch gegeben sein, wenn den Betreffenden nichts hält (keine familiären/persönlichen Bindungen).
 
Wenn der Verdächtige keinen festen Wohnsitz vorweisen kann, darf dies nicht als Fluchtgrund angeführt geben. Dies ist laut Gesetzgebung „unstatthaft, da es sich um eine formelhafte Wendung handelt“. Die Haftgründe sind statt dessen ausführlich darzulegen.
 
Auch Verdunkelungsgefahr ist ein häufiger Haftgrund: Der Beschuldigte soll durchs Wegsperren davon abgehalten werden, Beweismittel zu vernichten, zu verändern oder Zeugen zu beeinflussen.
 
Damit ausländische Kriminelle abgeschoben werden können, sind eine rechtskräftige Verurteilung sowie eine Mindestfreiheitsstrafe erforderlich (z. B. zwei Jahre Jugendhaft ohne Bewährung).

– Quellen: Rechtslexikon online, Wikipedia

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4 KOMMENTARE

  1. Irgendwie kann ich das als „Otto Normalbürger“ nicht so ganz nachvollziehen. Da wird man der Tatverdächtigen habhaft und muss diese wieder laufen lassen??? Ist die Staatsanwaltschaft überlastet, oder hat man dort einfach keine Lust sich damit zu befassen? Warum wird nicht endlich ein klares Signal an diese Tätergruppe gesandt. Die lachen sich jetzt in der EAE ins Fäustchen und haben null Respekt vor den Strafverfolgungsbehörden.