Wohnungsreservierung für Asylbewerber: SPD-Ratsfrau formuliert Unbehagen

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Die Stadt mietet für anerkannte Asylbewerber Wohnungen an, während einheimische Wohnungssuchende bei großen Gesellschaften wie der UKBS auf Wartelisten stehen.

Es war SPD-Ratsfrau Ingrid Kroll, die beim Tagesordnungspunkt „Wohnungspool“ im Sozialausschuss vernehmliche Skrupel formulierte. „Das finde ich jetzt nicht so gerecht unseren Bürgern gegenüber.“

Krolls Unbehagen entwickelte sich an dem Umstand, dass die Stadt bei ihrer Wohnraumreservierung für anerkannte Asylbewerber – die damit im Hartz-IV-Bezug stehen – vornehmlich auf zwei heimische Wohnungsbaugesellschaften zugreifen will.

Es geht faktisch nur um 11 Wohnungen, doch zugleich auch grundsätzlich um die Gerechtigkeitsfrage.

„Bei den Wohnungsgesellschaften gibt es Wartelisten“, sprach die Sozialdemokratin kritisch einen Punkt an, den UKBS-Geschäftsführer Matthias Fischer (Bild oben) im Vorjahr gegenüber unserer Redaktion bereits klar bestätigt hatte („Ja – es gibt Wartelisten“ – Vor allem Familien haben Probleme).

Und gerade die Wohnungsgesellschaften, argumentierte Ingrid Kroll, böten für Normalverdiener noch bezahlbare Mieten. Wobei z. B. die LEG vielerorts auch schon kräftig erhöht (hat).

Werner Neumann, der städtische Bereichsleiter für Soziales, versicherte, man werde sich nicht nur bei den Wohnungsgesellschaften „bedienen“,  sondern sich genauso auf dem freien Markt umsehen, welcher zugegebenermaßen in Unna angespannt sei (Leerstandsquote unter 2 Prozent).

Bewusst habe sich die Stadt beim letztjährigen Wohnungspool hauptsächlich auf 3-Zimmer-Wohnungen fokussiert, nach denen im Vergleich die geringste Nachfrage bestünde. Auf Nachfrage der Ausschussvorsitzenden Gabriele Meyer (CDU) bestätigte Neumann: Ja, in diese 3-Raum-Wohnungen würden „bei entsprechendem Zuschnitt“ auch 4 Personen einquartiert.

Die grundsätzliche Gerechtigkeitsfrage blieb (vor dem einstimmigen Beschluss, den Wohnungspool in diesem Jahr fortzusetzen) undiskutiert: dass die Stadt hier Asylbewerbern im Hartz IV-Bezug Wohnungen anbietet, die sich andere Hartz IV-Empfänger auf eigene Faust suchen müssten. Ein Ratsmitglied formulierte das Dilemma für die Politik unter vier Augen wie folgt: „Wir können ja nicht alles ablehnen – irgendeine Alternative müssen wir ja bieten.“

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3 KOMMENTARE

  1. Da muß ich Frau Kroll einfach Recht geben. Es gilt übrigens nicht nur für den Kreis Unna, sonder für ganz Deutschland, daß Flüchtlinge Vorrangig behandelt werden. Die bekommen im ganzen Land Neubauwohnungen angeboten, bei denen sich die einheimischen Wohnungssuchenden, die Finger ablecken. Nichts gegen Flüchtlinge aber diese vorrangige Behandlung ist absolut ungerecht, gegenüber der einheimischen Bevölkerung.

  2. […] Zum Thema „Wohnungsreservierung für Asylbewerber“: Es gibt einen städtischen Wohnungspool für Geflüchtete, für den die Stadt explizizit auf Wohnraum kommunaler Wohnungsgesellschaften zugreift. Das war in öffentlichen politischen Sitzungen Thema und wurde nachdenklich diskutiert, siehe BERICH… […]

  3. […] „Trotz des rechtlichen Anspruchs auf Unterbringung in Privatwohnungen (bzw. bei Wohnungsunternehmen) werden die bleibeberechtigten Flüchtlinge wie auch Asylbewerber und Geduldete in Übergangsheimen untergebracht“, heißt es in diesem Bericht. Nur in Ausnahmen seien bisher Flüchtlinge direkt in angemietete Wohnungen der Stadtverwaltung eingezogen (sie hat einen Wohnungspool mit 10 Wohnungen vorrätig). […]