Nur „gefühlt“ mehr Messerangriffe? Ganzke (SPD) stellt alarmierende Auswertung vor

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(Foto: Rundblick)
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Die tödlichen Angriffe auf Leon (14) in der Kollwitz-Schule Lünen und Aaliyha (15) auf dem Bahnhofsparkdeck in Dortmund-Hörde: tragische Einzelfälle?

Leider offenbar  mitnichten, widerspricht Unnas Landtagsabgeordneter Hartmut Ganzke.

Er legte als innenpolitischer SPD-Fraktionssprecher am Donnerstag eine alarmierende Auswertung vor.

Das Kernergebnis: Messerangriffe nehmen nicht nur gefühlt zu, sondern tatsächlich. Die NRW-SPD legt dazu eine eigene (nicht repräsentative) Auswertung vor. Sie überprüfte dafür die Polizeipressemeldungen von Anfang September 2017 bis Anfang März 2018.

Hartmut Ganzke aus Massen ist innenpolitischer Sprecher der NRW-SPD-Fraktion. (Archivbild RBU)

Danach gab es allein in diesem Zeitraum rund 570 Angriffe mit Stichwaffen, so Ganzke in Düsseldorf.

Die veröffentlichten Fälle müssen dabei keineswegs mit den tatsächlich passierten übereinstimmen, diese Erfahrung hat über die letzten Jahre hinweg auch unsere Redaktion gemacht.

Regelmäßig berichten uns Leser von Straftaten, die die Polizeipressestelle initiativ nicht gemeldet hat. Die Berichte auf dem Presseportal seien „kein Abbild aller angezeigten Sachverhalte“, schrieb uns dazu erst in dieser Woche die Unnaer Polizeisprecherin Vera Howanietz: Anlass war eine Nachfrage unserer Redaktion nach einem nicht vermeldeten Angriff in der Unnaer Innenstadt im Februar (Bericht folgt heute Abend).

Die SPD-Fraktion und mit ihr Hartmut Ganzke fordert eine Statistik zu Messerangriffen. Die gibt es bisher nicht. Inenminister Herbert Reul (CDU) bezeichnete die Forderung heute im WDR als „eigentlich überflüssig“: Denn das Landeskriminalamt sei bereits nach der tödlichen Messerattacke von Lünen am 23. Januar damit beauftragt worden, die Aufnahme von Angriffen mit Stichwaffen in die Polizeiliche Kriminalstatistik zu prüfen. Dabei solle auch nach der Art der Stichwaffen differenziert werden.

Ganze und die Gewerkschaft der Polizei (GdP? führen u. a. als Argument für eine statistische Erfassung an: Nur wenn es belastbare Zahlen gebe, könnten wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

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3 KOMMENTARE

  1. Nach Herrn Reul überflüssig. Sowas kann eigentlich nur jemand sagen, der etwas zu verheimlichen hat und deshalb gerne Statistiken beschönigen möchte. Nun is es in der Politik ja durchaus gebräuchlich, bestimmte Dinge geheim zu halten. Daß das Schädlich für das Vertrauen in die Politik ist beweisen die rückläufigen Wählerzahlen.

  2. Eigentlich ist es eine Tatsache, die wir alle schon kannten. Trotzdem gibt es von mir ein Lob für Herrn Ganzke: Weil er sich traut, die Frage zu stellen. Die nächste Frage wäre dann, ob man bei den Messerstechern einen Zusammenhang erkennen kann. Gibt es möglicherweise einen religiösen oder kulturellen Kreis mit besonders vielen Messerstechern ?

    Die meisten von uns kennen auch hier schon die Antwort….
    https://www.welt.de/politik/deutschland/article174604337/Rainer-Wendt-Die-glauben-mit-einem-Messer-besser-unterwegs-zu-sein.html

    Die dritte Frage wäre dann, wie man das Problem lösen möchte. Aber davon ist die SPD noch sehr weit entfernt…