Baby mit schweren Hirnschäden geboren – Arzt soll 400.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

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Symbolbild (Pixabay)
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Der Junge ist heute neun Jahre alt und schwerstbehindert.

Ein Gynäkologe aus Hamm muss für einen schweren Behandlungsfehler bei einer Entbindung vor neuneinhalb Jahren 400.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat jetzt das Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden, teilt dessen Pressestelle heute mit.

Der betroffenene  Junge aus dem westlichen Münsterland kam im November 2008 aufgrund einer Sauerstoffunterversorgung mit schweren dauerhaften körperlichen und geistigen Schäden zur Welt.

Die Schwangerschaft war zunächst unauffällig verlaufen. Im November 2008 wurde in der Praxis des Facharztes, der die Mutter auch während der gesamten Schwangerschaft betreut hatte,  ein CTG erstellt. (CTG: Cardiotocography, Herztonwehenschreibung).

Dieses wies auf eine alarmierende Sauerstoffunterversorgung des Kindes hin, so dass das Baby schnellstmöglich hätte entbunden werden müssen.

Doch der Arzt „nahm das CTG erst nach ca. 50 Minuten zur Kenntnis“, schildert das OLG.  Im Anschluss machte er einen Ultraschall und sagte der Hochschwangeren sodann, sie solle mit ihrem eigenen Pkw heimfahren, ihre Tasche packen und eine Entbindungsklinik in Münster aufsuchen.

Dadurch verstrich nach Überzeugung des Gerichts entscheidende Zeit.

Der Arzt habe die Schwangere „grob fehlerhaft behandelt”, indem er es versäumt habe,  das CTG innerhalb von spätestens 20 Minuten nach Beendigung der Aufzeichnung zu sichten.

Aufgrund der Hochrisikokonstellation – erkennbarer umgekehrter Blutfluss (Reverse Flow) in der Nabelschnurarterie – hätte die Mutter schnellstmöglich, gegebenfalls mit einem Rettungswagen, in eine nahe gelegene Entbindungsklinik gebracht werden müssen.  Auch hätte der Arzt seine Patientin über den Ernst der Lage aufklären müssen.

Durch diese Versäumnisse erlitt das Baby eine frappante Sauerstoffunterversorgung, die auf jeden fall mitursächlich für den schweren Hirnschaden war, so das Gericht.

Der heute 9jährige Junge leidet an schwersten Beinträchtigungen der Kommunikationsfähigkeit,  der selbstbestimmten unter seiner körperlichen Beweglichkeit. . Für diese Schädigung sei ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von 400.000 Euro zuzusprechen.

Der  3. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm änderte mit seinem Richterspruch das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Münster vom 12. März 2015 ab. (Az. 111 O 165/11 LG). Urteil des 3. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 19.03.2018 (Az. 3 U 63/15 OLG Hamm).

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