Sitzpodeste, nachts mit Licht: Neugestaltung der Rathaustreppe für 67.000 städtische Euro

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Die Treppe vom Bahnhofsvorplatz zum Rathaus- und Katharinenkirchplatz hinauf. (Archivbild RBU)
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Sitzpodeste, Terrassen und nnd nachts mit Beleuchtung. Die Stadt Unna schlägt der Politik nun die umfassende Neugestaltung des Treppenaufgangs am Rathaus vor.

Kostenpunkt insgesamt: Deutlich über 300.000 Euro, davon würden allerdings „nur“ rund 67.000 Euro aus der Stadtkasse gezahlt – die überwiegende Summe wäre Fördergeld.

Im Stadtentwicklungsausschuss am kommenden Mittwoch (16. 5., 17 Uhr, Ratssaal) wird die Politik über die ausführliche Beschlussvorschlag der Stadt beraten.

  • UPDATE Mittwochabend: Gegen grüngelben Widerstand (eine höchst seltene politische Farbkombination auch in Unna) stimmte die Politik im Stadtentwicklungsausschuss den Plänen für die „neue Rathaustreppe“ zu.  Die Grünen wollten lieber eine schlichte Sanierung für 30.000 Euro, die FDP forderte Komplettverzicht. Sie wurden überstimmt. Ausführlicher Bericht folgt.

Nicht alle Politiker stehen hinter diesem Projekt. Die FDP hat einen Antrag auf Verzicht eingebracht, der in derselben Sitzung am Mittwoch auf der Tagesordnung steht.

Was war der Ausgangspunkt der Planungen?

Ende August 2016 stellte die Stadt erstmals umfassend die Notwendigkeiten (aus ihrer Sicht) und Möglichkeiten einer Treppenumgestaltung Bahnhof/Innenstadt auf der Ostseite des Rathauses vor. Der Stadtenwicklungsauschuss stimmte der Vorplanung zu, nahm am 21.06.2017 den Planungssstand zur Kenntnis, und jetzt herrscht Ausschreibungsreife.

Wieso eine „neue“ Rathaustreppe?

Das Projekt diene der Gestaltung eines „repräsentativen und der Lage und der Bedeutung angemessenen Treppenaufganges in der wichtigen Fußgängerbeziehung zwischen Bahnhof und Fußgängerzone“, schreibt die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage. „Damit einher geht die Verbesserung der Beleuchtungssituation und die Schaffung einer Freiraumnische für die im Rathaus neu eingerichtete Großtagespflege für Kinder unter drei Jahren.“

Um dies zu erreichen, soll der Treppenaufgang „auf eine Treppe reduziert werden und das Erscheinungsbild der Treppe durch die Ausbildung von Terrassen und Sitzpodesten in der Breite voluminöser ausgestaltet werden.“

Barrierefreiheit für Behinderte ist nicht umsetzbar – aufgrund der Fakten stimmte der Behindertenbeirat der Neugestaltung der Treppe in dieser nicht barrierefreien Form einstimmig zu. Er bat jedoch darum, durch Schilder auf die Nutzungsmöglichkeit des Fahrstuhls im Rathaus während der Dienstzeiten hinzuweisen. Am Anfang und Ende der Treppe weisen sog. „Aufmerksamkeitsfelder“ im Pflaster auf die Treppe hin.

Treppe

Der Treppenaufgang wird völlig neu aufgebaut mit flacheren Stufen: Blockstufen aus hellem Sichtbeton mit einer Steigung von 12/39 cm sind geplant. Durch die Mitte führt ein anthrazitfarbenes Geländer aus Rundrohr. Die Stützmauern der Terrassen werden als Sitzpodeste ausgebildet (ebenfalls aus Sichtbeton), sie erhalten teilweise eine Sitzauflage aus Metall mit Kunststoffummantelung.

Beleuchtung

Zusätzlich zu vier LED-Stableuchten erhalten „die Terrassen Bodeneinbaustrahler, die auch in der Dunkelheit den Aufforderungscharakter der Treppe und ihr Erscheinungsbild zur Geltung bringen“, heißt es in der Vorlage.

Auch die Beleuchtung des Katharinenplatzes zwischen Hotel und Kirche soll in diesem Zusammenhang geändert werden: Statt dem Mix aus vier verschiedenen Leuchten werden drei neue Leuchten wie auf dem Ev. Kirchplatz installiert. Das machen die Stadtwerke.

Freifläche der Kita

Die Freifläche wird mit einem Sitzpodest, einer Sandfläche und einer Rasenfläche ausgebildet und blickdicht und „eindringungsresistent“ eingefriedet mit einem fast 2 m hohen Holzlamellenzaun. Eine abschließbare Tür gestattet den Zugang zum öffentlichen Gehweg.

Bepflanzung

Die heutige „wuchernde Bepflanzung“ wird „weitgehend auf ein die Architektur begleitendes Niveau zurückgenommen“, sprich es wird radikal die Sense und die Säge sprechen.

Dem Freiraum der Kita wird eine Hainbuchenhecke vorgelagert, der nördlich angrenzende Pflanzteppich über den Kellerräumen des Rathauses wird als Dachbegrünung ausgebildet und wie die gesamten übrigen Flächen mit bodendeckenden Gräsern der Art „Japan Segge“ besetzt. „Damit bleibt bei einer Wuchshöhe von bis zu 30 cm die Terrassenbildung erkennbar.“

Weitere Bäume oder Sträucher gibt es nicht. Lediglich im Bereich des Hotels bleiben die Sträucher und Bäume als Absturzsicherung der dortigen Stützmauern erhalten. Große Bäume werden dort entfernt.

Kosten

Die geschätzten Kosten von 250.000 Eur haben sich nach der Ausbauplanung auf 315.000 Euro erhöht. Grund laut Stadt; vor allem „der relativ hohe Aufwand, der im Bereich der abzureißenden Treppe über dem Kellergeschoß des Rathauses anfällt. Hier ist die Abdichtung der Gebäude (Notausgang und Keller Rathaus), die Herstellung einer Dachbegrünung auf vorhandener Unterkonstruktion, die Wiederherstellung der Randbereiche zwischen Rathaus und Fluchttreppenhaus sowie die erforderliche Fassadenbekleidung mit Attikaabdeckung der rathausnahen Treppenabseite herzustellen. Hierfür wurde auch ein ergänzender Planungsauftrag an ein Architekturbüro erforderlich.“

Eine Umgestaltung des vorhandenen Nottreppenhauses ist in der Planung nicht vorgesehen. Jedoch bietet es sich zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise an, dieses Treppengebäude auch für ein künstlerisches Lichtobjekt zu nutzen.

Die Mehrkosten wurden am 21.11.2017 bei der Städtebauförderung beantragt. Ein positiver Entscheid „wurde in Aussicht gestellt“, liegt also noch nicht vor.

Der Förderbetrag beläuft sich somit auf 248.000 Euro, der Eigenanteil der Kreisstadt Unna beträgt 66.700 Euro (rd. 21 %). „Diese Mittel stehen zur Verfügung.“

Zeitplan

Sofern die Politik zustimmt:

  • Ausschreibung noch im Mai 2018
  • Baustart im August
  • Fertigstellung der neuen Treppe im November 2018.

 

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