Auch im Kreis Unna aktiv: Die Planenschlitzer von Hamm kamen aus Duisburg

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Fernseher, Spirituosen, Kaffee, Kosmetikartikel, Waschmittel u.v.m. - die Beute war vielseitig. (Foto: Rundblick Unna)
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Die Spuren der „Kleinbande“ führten auch in den Kreis Unna.

Im letzten Jahr erlebte Hamm eine ungewöhnliche Häufung an Diebstählen aus LKW auf den Raststätten Rhynern Nord und Süd.

Serientäter, die die Planen von LKW aufschlitzten richteten hohe Schäden an. Im März 2017 begannen die Taten, das ganze Jahr hindurch setzte sich die Serie fort, bis die Ermittler im Oktober 2017 auf den entscheidenden Hinweis stießen.

Glück war dabei nicht im Spiel, betont Heribert Mankartz, Ermittler des Kriminalkommissariats Hamm, beim heutigen Pressegespräch. Vielmehr sei es harte ermittlungstaktische Arbeit, eine starke polizeiliche Teamleistung und sorgfältige Spurenauswertung gewesen, die auf die Spur der Planenschlitzer führte.

Planeschlitzen mit System

Planenschlitzer gehen oft nach demselben Muster vor: Aufschlitzen, reinschauen und – wenn es sich lohnt – LKW leerräumen. Die Täter sind keine Laien, vielmehr hatten die Ermittler es in diesem Fall wohl mit einer organisierten Bandenstruktur zu tun.

70% der Schlitze sind sogenannte „Sichtungsschlitze“, in nur 30% kommt es zum Diebstahl. Dann jedoch mit hohem Sach- bzw. Beuteschaden. In diesem Falle verursachten die Täter einen Schaden im mittleren sechsstelligen Bereich.

Gestohlen wurde alles, von Erdnussflips und Waschmittel über Schuhe bis hin zu Spirituosen und Flachbildschirmen. Vermutlich werden die Waren dann an Hehler weiterverkauft.

Keine Spuren, keine Zeugen – und ein Raub

Spuren: Keine. Zeugen: Null. Die Planenschlitzer schlugen in der Nacht zu. An Wochenenden oder vor Feiertagen, wenn die LKW-Fahrer am nächsten Tag frei hatten und ausschlafen konnten. Nicht selten werde dann gegrillt und getrunken, die Fahrer schlafen tief und fest und bemerkten nichts, erklärt Heribert Mankartz.

Meistens. Denn auf einem Rastplatz bei Dormagen (Nievenheim-Ost) wurde der Fahrer wach. Er verspürte ein dringendes Bedürfnis – als er aus seiner Fahrerkabine stieg, bedrohten ihn plötzlich zwei maskierte Männer mit einem Cutter-Messer. 40 Minuten lang hielten sie den Mann im Führerhaus fest, während Mittäter vierzig Flachbildschirme von seinem LKW entwendeten.

Tatort: Rhynern Nord und Rhynern Süd

An den zwei großen Raststätten an der A2 bei Hamm zählte die Polizei Hamm mehr als 200 Fälle. Die Behörde reagierte mit einer Plakataktion. Uniformierte und zivile Polizeibeamte bestreiften die Rastplätze, Tatzeiten wurden ausgewertet.

Die Plakataktion der Hammer Polizei (Foto: Rundblick Unna)

Und das hatte Erfolg. Am 15. Oktober 2017 überprüften Streifenbeamte einen Verdächtigen auf dem Rastplatz Rhynern Süd. Das Fahrzeug des 24-jährigen Rumänen war leer. Es gab keinerlei Anhaltspunkte für eine Straftat – noch nicht. Nur anderthalb Stunden später kam eine zweite Streife vorbei: Da flüchtete der Mann aus dem Fahrzeug, in dem sich plötzlich 86 Flachbildschirme befanden, die zuvor auf den nebenstehenden LKW geladen waren.

Durchsuchung und Festnahme in Duisburg

Die Personalien lagen vor – für den 24-jährigen Mann, der nach eigenen Angaben bei seinem Onkel in Duisburg-Marxloh wohnte, wurde Haftbefehl beantragt. Im April 2018 klickten die Handschellen, auch für den 33-jährigen Onkel.

Bei Wohnungsdurchsuchungen in Duisburg-Marxloh fanden die Ermittler einiges an Beute. Die Waren „in haushaltsunüblichen Mengen“ konnten u.a. den Diebstählen in Hamm und Dormagen zugeordnet werden.

Ein Teil der Beute, die bei den Wohnungsdurchsuchungen sichergestellt werden konnte. (Foto: Rundblick Unna)

Der 33-Jährige Onkel und sein Neffe sitzen in Untersuchungshaft. Eine Speichelprobe des 24-Jährigen führte die Ermittler auf die Spur zu weiteren „Planenschlitzer-Vorfällen“. Die „Kleinbande“ war wohl für Diebstähle auf den Rastplätzen Rothenstein (A45, Märkischer Kreis), Neufelder Heide (A40, bei Kempen), Resser Mark (A2 bei Gelsenkirchen) und Kolberg bei an der A2 bei Bönen verantwortlich.

Auch in den Niederlanden aktiv?

„Es gibt sogar Erkenntnisse, nach denen die Männer auch in Holland aktiv waren“, so Mankartz. Dazu könne man aber noch keine weiteren Angaben machen. Die Ermittler vermuten weitere Mittäter. „Wir gehen von einer Bandenstruktur aus und sind zuversichtlich, noch weitere Mitglieder aufzudecken.“

Der Fall sei noch nicht abgeschlossen. „Es wird weiter ermittelt“, so der Hammer Pressesprecher Christopher Grauwinkel.

Christopher Grauwinkel, Pressesprecher der Polizei Hamm. (Foto: Rundblick Unna)
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