Aus für Unnas Eissporthalle unter Tränen: „Es geht nicht mehr… wir können nicht mehr“

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Emotionale Momente bei der Pressekonferenz zum Ende der Eissporthalle Unna. Das Pächter-Ehepaar Silvia und Uwe Kuchnia. (Fotos: Rundblick Unna)
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Es ist aus. Das Ende der Eissporthalle Unna ist besiegelt. Bei der finalen Pressekonferenz am Montagnachmittag flossen Tränen.

Die Eisaufbereitungsmaschine in der 40 Jahre alten Halle ist defekt – irreparabel beschädigt, und Ersatzteile gibt es nicht mehr. „Der Super-GAU“, wie Wirtschaftsbetriebe-Chef Karl-Gustav Mölle formulierte.

Denn die nun fällige Neuanschaffung in Höhe von 800.000 Euro mache zusammen mit den anderen fälligen Sanierungen einen Weiterbetrieb der Halle schlichtweg „nicht mehr darstellbar“.

Was die Rundblick-Redaktion am Donnerstagnachmittag bereits exklusiv berichtete, bestätigten die Stadt und die Eishallenpächter am Montagnachmittag nun auch offiziell bei einer Pressekonferenz im Rathaus. Am 30. Juni 2018 um Mitternacht wird Unnas Eissport Geschichte sein.

Die Pächterfamilie und die Wirtschaftbetriebe Unna (WBU) beenden, laut beidseitiger Bekundung einvernehmlich, das Pachtverhältnis vorzeitig – es liefe regulär noch bis zum 31. 1. 2020.

Die Halle wird danach zügig abgerissen, das Gelände für Wohngebauung vermarktet. Eine Ersatzeinrichtung für die Eissportler und Unnas Jugend wird es in Unna nicht geben.

HIER der Bericht über die Entscheidung des Sportausschusses am darauffolgenden Dienstag.

Den Pächtern Silvia und Uwe Kuchnia waren Schmerz und Aufgewühltheit über diese schwere Entscheidung sichtlich und hörbar anzumerken.

„Wir haben 16 Jahre lang alles gegeben. Es tut uns in der Seele weh“, gestand Uwe Kuchnia. „Aber uns sind die Hände gebunden. Wir können kein Jahr ohne Einkommen leben.“

So lange würde es dauern, bis die neue Eisbereitungsmaschine geliefert und montiert ist und alle übrigen Sanierungsarbeiten erledigt sind. Ganz davon abgesehen, dass Kuchnias derartige Summen schlichtweg nicht aufbringen könnten.

So sagte auch Silvia Kuchnia unter Tränen: „Wir können nicht anders. Wir haben alles, was verdient haben, in all den Jahren in die Sicherheit gesteckt, 60- bis 70.000 Euro jedes Jahr in die Wartung der Eismaschine. Wir haben 14 Stunden geschuftet, 7 Tage die Woche. Es geht nicht mehr.“ Jetzt weinte sie richtig. „Wir sind 55. Jedes Jahr im Februar wurde ich krank. Im Dezember bin ich zusammengebrochen. Ich kann nicht mehr. Es geht einfach nicht mehr.“

WBU-Chef und Bürgermeisterstellvertreter Karl-Gustav Mölle sprach von einer „schwerwiegenden Entscheidung“, die er heute mitzugeben habe. Er entschuldigte eingangs das Fehlen von Bürgermeister Werner Kolter, der dringende andere Termine wahrzunehmen habe, bei denen er als Aufsichtsratsvorsitzender unabkömmlich sei.

„Sie sehen eine betroffene Mitarbeiterschaft“, sagte Mölle mit Blick auf seinen Kämmerer Achim Thomae,  Rechtsdezernent Matthias Immick und und Beigeordnete Kerstin Heidler, „Sie sehen ein betroffenes Pächterpaar. Sie sehen aber auch einen betroffenen WBU-Geschäftsführer.“

Denn mit dem irreparablen Schaden der Eisanlage, der nun so unerwartet aufgetreten sei, könne die Betriebssicherheit der Eissporthalle nicht mehr gewährleistet werden.

„Dies ist eine völlig andere Situation als am 26. April 2018 beim Ratsbeschluss“, betonte der WBU-Chef (der Rat hatte das Pachtende nach regulärer Frist zum 31.1.2020 beschlossen). „In der Kürze war nicht damit zu rechnen, dass das Herzstück der Eissporthalle so irreparabel Schaden nehmen würde.“

Es sei „wie im Backshop – ist der Backofen kaputt, gibt´s keine Brötchen mehr. Ist die Eismaschine kaputt – kein Eis mehr. Der Worst Case, der Super-GAU.“ Denn allein die Lieferung einer neuen Maschine – die 800.000 Euro kostete – würde ca. ein halbes Jahr dauern.

Alles in allem: „Ein Weiterbetrieb ist nicht mehr darstellbar.“ Eine Halle in diesem Zustand zu verkaufen scheide aus, Umnutzung auch, die Halle ist auf Eishallennutzung festgelegt.

Den Pächtern, so Mölle, sei die Stadt für ihren über 16 Jahre währenden persönlichen Einsatz zu tiefstem Dank verpflichtet.

Aus der gemeinsamen Presseerklärung der Ice&Fun und der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Unna vom 18. 6. 2018

Die Pächterin der Eissporthalle, die Ice & Fun GmbH, und die Verpächterin, die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Unna GmbH (WBU), haben einvernehmlich entschieden, den jetzigen Pachtvertrag vom 05.12.2005 zum 01.07.2018 aufzuheben. Die Eisporthalle wird damit am 01.07.2018 geschlossen.

Der Rat der Kreisstadt Unna hatte in seiner Sitzung am 26.04.2018 beschlossen, dass der Pachtvertrag für die Eissporthalle vom 05.12.2005 zwischen den Wirtschaftsbetrieben der Stadt Unna GmbH (WBU) und der Ice & Fun GmbH zum 31.01.2020 gekündigt werden soll. Dadurch sollten ab dem 01.02.2020 pro Jahr 150.000 Euro eingespart und Belastungen aus Sanierungen oder Erneuerungen der Eissporthalle ausgeschlossen werden.

Nach dem derzeitigen Stand der Vertragsverhandlungen bestand für die Pächterin, der Ice & Fun GmbH, die jederzeitige Möglichkeit, einen Erbbaurechtsvertrag über eine Laufzeit von 40 Jahren abzuschließen. Auf Grund der geltenden Beschlusslage ist der Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages, aber nur unter den Voraussetzungen einer völligen Haftungsfreistellung der Kreisstadt Unna bzw. ihrer Gesellschaften, möglich.

Unter diesen Voraussetzungen sieht sich die Pächterin, die Ice & Fun GmbH, nicht in der Lage, eine dauerhafte Finanzierung des Pachtobjektes sicherzustellen und schließt den Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages aus.

Ursprünglich wollte die Ice & Fun GmbH ursprünglich die dringend erneuerungsbedürftige Eisaufbereitungsanlage (NH³-Anlage/Ammoniak) sowie die Umfeldtechnik im Rahmen des Erbbaurechtsvertrages für rd. 800.000 Euro erneuern. Der Saisonbeginn 2018/2019 war für den 15.07.2018 mit dem Start der Veranstaltung „Kids on Ice“ geplant und rechtzeitig vorzubereiten.

Zu den Vorbereitungsmaßnahmen gehörte auch die Wartung der NH³-Anlage. Im Rahmen dieser jetzt durchgeführten Arbeiten wurde festgestellt, dass die NH³-Anlage irreparabel ist und aus sicherheitstechnischen Gründen nicht mehr betrieben werden darf.

Die für den Pachtbetrieb unabdingbar notwendige Investition steht, neben anderen, akut zur Umsetzung an. Ohne eine Durchführung der Maßnahmen ist eine Aufnahme des Saisonbetriebes 2018/2019 definitiv nicht möglich.

Insgesamt sind folgende Investitionen kurzfristig erforderlich und unabweisbar:

  • NH³-Anlage 800.000 Euro
  • Erneuerung Fenster 35.000 Euro
  • Erneuerung Heizungsanlage 35.000 Euro
  • Dachsanierung 120.000 Euro
  • Brandschutzmaßnahmen 220.000 Euro

Investitionsvolumen insgesamt 1.210.000 Euro

In Gesprächen wurden die beiderseitigen Chancen und Risiken eines Weiterbetriebes der über 40jährigen Eissporthalle gewichtet und ausgelotet. Im Hinblick

auf die jetzt kurzfristig anstehenden Investitionsnotwendigkeiten in die Technik und in die Gebäudesubstanz der Eissporthalle

  • auf die noch offene Restlaufzeit des Vertrages
  • auf die nicht mehr mögliche Vertragsverlängerungsmöglichkeiten für die Ice & Fun GmbH sowie
  • den nicht mehr möglichen Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages für die Ice & Fun GmbH

haben sich die Vertragsparteien einvernehmlich entschieden, den jetzigen Pachtvertrag vom 05.12.2005 zum 01.07.2018 aufzuheben.

Ohne die kurzfristig zwingend erforderlichen Investitionen in die technischen Anlagen kann die Eissporthalle keiner erneuten Verpachtung zugeführt werden. Da auch die planungsrechtliche Situation eine anderweitige gewerbliche Nutzung der Halle ausschließt schlägt die Verwaltung dem Rat vor, die Grundstückssituation kurzfristig insgesamt neu zu ordnen.

Die Kreisstadt Unna wird sich … in den umliegenden Eissporthallen aktiv bemühen, für die Unnaer eissporttreibenden Vereine entsprechende Laufzeiten zur Verfügung gestellt zu bekommen. Für diesen Zweck stehen im Rahmen der Sportförderungsrichtlinien der Kreisstadt Unna insgesamt Haushaltsmittel in Höhe von jährlich bis zu 85.000 Euro zur Verfügung.

Beide Vertragsparteien betonen noch einmal ausdrücklich die gute und kooperative Zusammenarbeit in den letzten 15 Jahren und bringen ihr Bedauern zum Ausdruck, dass unter den gegebenen Umständen der Betrieb der Eissporthalle Unna zum 01.07.2018 endgültig eingestellt werden muss.“

  • Die Eishockeyspieler können in der Eishalle Bergkamen unterkommen – dort seien Laufzeiten vorhanden, sagte die Pächterin. Die Zukunft des Curling Clubs ist offen.

 

Zitate aus der Pressekonferenz (ein Live-Video ist auf unserer Facebookseite eingestellt)

WBU-Chef Karl-Gustav Mölle:

„Ist der Backofen kaputt, gibt´s keine Brötchen mehr. Ist die Eismaschine kaputt, gibt es kein Eis mehr. Der Worst Case, der Super-GAU.“

„Es war über einen längeren Zeitrahmen hinweg so, dass ,Investitionen drohen´“.

„Ich kann diese Investitionen nicht übernehmen. Ich bin weisungsgebunden.“

„Wir schließen aus, dass wir uns noch einmal nach Pächtern umsehen werden.“

„Eine Halle in dem Zustand zu verkaufen ist unmöglich. Einen Käufer schließe ich auch aus. Die Halle soll kein Spekulationsobjekt werden.“

„Wir wissen, dass wir erheblich in die Struktur einer Jugendzelle eingreifen.“

„Die Diskussion“ (über die Kosten der Halle) „haben wir nicht erst seit gestern, sondern vorgestern.“

„… 15 Jahre guter Zusammenareit mit Wellen rauf und runter“ (mit den Pächtern). „Ein ganz dickes Lob. Sie sind ihren Verpflichtungen immer nachgekommen.“

Kerstin Heidler, 4. Beigeordnete (oben re.)

„Es ist kein schöner Anlass, wenn man Sportlern die Heimat nehmen muss, vielen weh tun muss.“

Achim Thomae, Kämmerer:

„So schnell hat das keiner erahnt. Es hat keiner damit gerechnet, dass das so eine Wende nehmen würde.“

Uwe Kuchnia, Pächter:

„Wir haben 16 Jahre alles gegeben. Es tut uns in der Seele weh.“

„Uns sind die Hände gebunden. Wir können kein Jahr ohne Einnahmen leben. Wir können nicht anders.“

Silvia Kuchnia, Pächterin:

„Alles, was wir verdient haben, haben wir in die Sicherheit gesteckt. 14 Stunden geschuftet, 7 Tage die Woche. Es geht nicht mehr.“

„Jedes Jahr im Februar war ich krank. Im Dezember bin ich zusammengebrochen. Ich fiel 3 Monate aus. Ich kann nicht mehr.“

„Wir haben auch Kinder, an die wir denken müssen. 2007 haben wir uns schon uns schon ein zweites Standbein aufgebaut.“

„Eigentlich haben wir in der Umgebung zu viele Eishallen – als dass alle auskömmlich wären. Jetzt haben die anderen Hallen eine bessere Auskömmlichkeit.“

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11 KOMMENTARE

  1. Unsinniger Vergleich im Bericht: Wenn in einem Backshop der Backofen kaputt ist, wird sicherlich ein neuer angeschafft und nicht gleich der Backshop abgerissen.
    Und wenn an meinem Haus, die Heizungsanlage den Geist aufgibt, muss ich auch eine neue einsetzen und kann nicht sagen, jetzt reiß ich das Haus ein, weil ich kein Geld für eine neue habe.
    Bei der Abstandssumme die der Familie Kuchnia angeboten wurde, hätte wohl fast jeder gesagt: ICH KANN NICHT MEHR! Nie wieder in der Kälte arbeiten, stattdessen den Lebensabend in der Sonne verbringen. Was will man mehr!
    Das sich diese ganzen „falschen“ Sparmaßnahmen in der nächsten Wahl bemerkbar machen werden, sollte jedem klar sein. Wir Bürger haben ein gutes Gedächtnis und werden nicht so schnell vergessen, was uns genommen wurde.
    Für die Kinder und Jugendlichen, die die Halle genutzt haben, tut es mir sehr leid. Sucht euch einfach einen neuen Sport (am besten nicht Fussball, da auch die Fussballplätze reduziert werden) oder „gammelt“ den ganzen Tag in Parks oder in der Fußgängerzone vor euch hin. Belästigt und „pöppelt“ doch einfach vor Langeweile die Leute in der Stadt an. Am besten lasst Ihr euch direkt vor dem Rathaus nieder, und besprüht die Wände mit tollen Graffiti`s und zerstört die „Schaukeltiere“ vor dem Eingang.
    So können die Politiker direkt vor Ort sehen, was mit Ihren Sparmaßnahmen angerichtet haben.
    Es war schon immer so, wer an dem falschen Ende spart, zahlt zum Schluss noch kräftig drauf!

    • Offenbar kennt longman den Inhalt des Pachtvertrages, oder woher wollen Sie wissen das es eine Abstandsumme gibt und wie hoch die ist?
      In Ihrem Kommentar machen Sie einen Rundumschlag gegen alle Beteiligten, auch gegen die Pächter die an der Situation nichts ändern können und das ist ohne Kenntnis von Details schlichtweg unseriös.
      Sie beschwören geradezu den Untergang der Jugendszene in Unna herauf, was einfach nicht stimmt. Der Wegfall eines Freizeitangebotes heißt nun nicht zwangsläufig, das Vandalismus und Verrohung unter den Jugendlichen Unnas um sich greifen. Dann ist wohl eher etwas in der elterlichen Erziehung falsch gelaufen!
      Etwas mehr Sachlichkeit in der Diskussion würde dem Ganzen gut tun.
      Wie wäre es, wenn Sie mal einen vernünftigen Vorschlag zur Finanzierung und Sanierung der Halle machen würden, über den dann in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden kann.

  2. Ein deutliches Wort von uns zu der Erwähnung von Abstandssummen! Wir werden hier keine! Diskussion über Beiträge anderer Medien zulassen, die aus Zorn darüber, dass sie erst über den Rundblick von dem Aus der Eishalle erfahren haben, interne Vertragsangelegenheiten hervorgezerrt haben, an deren Herumposaunen wir uns im ureigenen Interesse der privaten! Pächter NICHT beteiligen. Longman, diskutieren Sie das gern auf den Seiten der erwähnten Medien. Höflichen Gruß!

  3. Lieber Burkhard, leider möchte die Redaktion nicht, das hier über Abstandssummen „geplaudert“ wird. Also lassen wir das! Ich kann Ihnen jedoch soviel dazu sagen, das ich mehr Details kenne und mehr weiß, als so manches „Tagesblatt“. Deshalb kann ich mit guten Gewissen sagen, das ich mein Kommentar nicht unseriös finde. In mehreren Diskussionsforen habe ich bereits auch einige Vorschläge zur Erhaltung und Verbesserung der Einnahmen gemacht. Übrigens stehe ich auch mit den Kuchnia`s im engen Kontakt, und kenne deshalb auch so einige Einzelheiten, die nicht jeder kennt. Wir werden uns sicherlich in einem anderen Forum, in dem man seine Meinung frei äußern kann, wiedertreffen.
    Bis dahin schönen Gruß

    • Werter longman, statt hier mit beleidigter Attitüde der Redaktion offen Meinungsunterdrückung vorzuwerfen, sollten Sie vielleicht statt dessen anerkennen, dass Sie hier in völliger Anonymität munter herumkommentieren können, wie es Ihnen passt: Versuchen Sie das mal bei einem gewissen lokalen Mitbewerber, der glaubte, öffentlich über Abstandssummen aus internen Papieren berichten zu müssen, jedoch in der Pressekonferenz, wo das Thema offen hätte auf den Tisch kommen können, kein Wort einer Nachfrage dazu gestellt hat. Vielleicht mal drüber nachdenken, warum das NICHT geschah. Kein Wort dazu. Interessant, oder? Und selbstverständlich erlauben wir uns hier als Hausherrn unseres Portals darauf hinzuweisen, dass hier bitte über UNSERE Berichte diskutiert wird und nicht über die anderer Medien, welche auf ihren eigenen Onlineauftritten eine ungleich rigidre Marschroute für Kommentare vorgeben: Klarname, Aboabschluss, ich muss nicht weiter ausholen! Ihre Einlassung hier wirkt daher schon ziemlich – dreist. Einen schönen Tag in die Welt der Anonymität hinaus.