Eishallen-Aus „eiskalt durchgewunken“: „Unna ist keine Stadt für Kinder!“ – Ausschusschef König (SPD) empört mit Aussage über Kinder und Sport

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In der Sportausschusssitzung am Dienstagnachmittag bekamen die Vertreter der Eissportler außer der Reihe Rederecht. (Fotos: Rundblick Unna)
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Unschön ging es nun zu Ende.

Nach der Pressekonferenz am Montagnachmittag, bei der Stadt und Eishallenpächter das rasche Aus zum Monatsende verkündet hatten, war die Zustimmung der Politik am heutigen Dienstag (19. 6.) in der Sondersitzung des Sportausschusses nur noch Formsache. Sie geschah nüchtern und nach dem Eindruck von Besuchern „eiskalt“, „ohne Herz und Emotionen“.

Ohne weitere Diskussionen und ohne ein Wort des Bedauerns stimmten die Fraktionen dem Abriss und der Vermarktung der Eissporthalle für Wohngebauung einstimmig zu. Lediglich die Linke Petra Ondrejka-Weber teilte direkt zu Beginn der Sitzung mit, dass sie nicht an der Abstimmung teilnehmen werde.

Eine Protestnote, die denn am Gesamtergebnis natürlich nichts änderte, allerdings zwei Tage später im Haupt- und Finanzausschuss – der ebenfalls einhellig für das Aus votierte – noch ein Nachspiel haben solllte.

Volker König, SPD.

Mit wohlgesetzten Worten versicherte Ausschussvorsitzender Volker König (SPD) eingangs, dass es „Tage mit bitteren Entscheidungen“ gebe wie diesen heute. „So sitzen wir heute schweren Herzens im Sportausschuss.“

Man sei dem Pächterpaar zu großem Dank verpflichtet, es sei immer „ein Geben und Nehmen“ gewesen.

Es sei aber auch „nicht ganz fair“, mahnte der SPD-Fraktionschef mit Blick auf Kommentare in den sozialen Medien, „dass wir jetzt Einrichtungen gegeneinander aufrechnen, die aus unterschiedlichen Schatullen finanziert werden: Lichtkunst, Lindenbrauerei…“

Für die Besucher (aus den Reihen der Eissportvereine) holte sich König beim Ausschuss die Erlaubnis ein, ihnen außer der Reihe Rederecht zu gewähren.

„Den Schmerz und diese Enttäuschung kann ich Ihnen nicht nehmen, ich kann Ihnen aber hier und heute anbieten, Ihren Emotionen nochmal Gehör zu verschaffen.“

Er mahnte, bei den Wortbeiträgen Höflichkeit und Respekt zu wahren, nachdem des bei der Demonstration der Eissportler am Montag im Rathaus leider zu „unschönen Szenen“ gekommen sei. Er bitte darum, auf Beschimpfungen zu verzichten.

„Unna ist keine Stadt für Kinder.“ Britta v. Loosen, KJEC.

Britta van Loosen vom KJCE benötigte keine Schimpfausdrücke, um sehr deutlich den Standpunkt der Eissporttreibenden klar zu machen.

„Sie nehmen nicht nur drei Sportvereinen die Sportstätte, sondern Sie nehmen Kindern ihre Freizeitstätte weg. Vielen Kindern und nicht nur Kindern aus Unna.“

Zum plötzlichen „Worst Case“, „GAU“ in Form der kaputten Eismaschine: „Man kann doch nicht so lange eine Anlage in Betrieb haben und nach 40 Jahren plötzlich sagen: Oh, kaputt! Das ist doch ziemlich seltsam.“ Der Verein müsse nun mit Kündigungen rechnen.

Das sei aber noch nicht das Schlimmste. Was biete Unna seinen Kindern, seiner Jugend noch?

„Das Schwimmbad ist weg, Lichtkunsttheater besuchen sie nun auch nicht jeden Tag…“ Wenn man Kindern alle öffentlich zugänglichen Sportmöglichkeiten nehme, könne man sich dann wundern, wenn die Kids „vor dem Computer hockend immer dicker werden?“ Für ungläubige Lacher bis offene Empörung sorgte Volker König daraufhin, als er gänzlich unbeeindruckt antwortete:

„Also meine Kinder sind dick geworden, weil sie zu viel gegessen haben.“

  • „Unna ist KEINE Stadt für Kinder“,

gab van Loosen daraufhin überdeutlich zurück.

Wilhelm Ruck (re.) nach der Sitzung mit CDU-Ratsherr Gerhard Heckmann.

Nach ihr ergriff noch Wilhelm Ruck das Wort, der am Wochenende einen offenen Protestbrief an Bürgermeister Kolter verfasst hatte – mit Dutzenden Unterschriften versehen (Rundblick berichtete).

Diese 1,2 Millionen, die zu investieren seien (bzw. gewesen wären), „das ist nicht so viel Geld mit Blick auf über 100.000 Besucher jährlich!“ Volker König widersprach, das sei viel Geld, und es sei nicht vorhanden.

„Diese Stadt verfügt über hervorragende Sportstätten“, hielt er Wilhelm Ruck und den anderen Eissportlern entgegen, worauf die Stimmung kurzzeitig hochkochte: „Welche Sportstätten denn? Fußballplätze!“, schallte es ihm böse aus den Zuschauerreihen entgegen, „und nutzbar nur für Vereinsmitglieder!“

Der SPD-Fraktionschef schloss die Diskussion ab mit einer lapidar wirkenden Bemerkung zur plötzlich irreparabel kaputten Eisbereitungsmaschine:

„Sie reparieren Ihren Kühlschrank doch auch erst, wenn er kaputt ist.“

Rudolf Fröhlich (CDU-Fraktionsvorsitzender) teilte vor dem dann einstimmigen Votum lediglich noch mit, er schließe sich „den Worten meines Vorredners an“.

Erregte Diskussionen noch nach dem Ende der Ausschusssitzung.

 

 

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