Vorletzter Akt im Eishallendrama – Mölle im Angriff: „Ja – wir trennen uns vom Eis! Nein – es geht nicht billiger!“ Keine Antwort auf 650.000 €-Frage

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Symbolbild. (Pixabay, Skitterphoto)
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Vehemenz im wohl vorletzten Akt des Dramas „Eissporthalle“. Nach dem Sportausschuss am Dienstag war sich am heutigen Abend (21. 6.) auch der Haupt- und Finanzausschuss fast ausnahmslos einig über das Aus zum 30. Juni, zügigen Abriss und Vermarktung für Wohnhäuser.  Die Zustimmung des Rates am 28. Juni gilt nach diesem deutlichen Votum des zweithöchsten politischen Gremiums als sicher.

Im Gegensatz zum Sportausschuss am Dienstag (Bericht HIER) wurde die Eishallenthematik (bzw. -dramatik) am Donnerstagabend allerdings noch einmal vehement diskutiert. Die Vehemenz gab vor allem Karl-Gustav Mölle vor, 1. Beigeordneter und Chef der Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU), der anders als bei seiner ruhigen, nüchternen Darstellung bei der Pressekonferenz am Montag diesmal auf Angriffsmodus schaltete.

Karl-Gustav Mölle. (Archivbild RBU)

Anlass war unter anderem ein heutiger Bericht eines lokalen Mediums, in dem die auf der Pressekonferenz bezifferten Kosten für eine neue Eisaufbereitung offen angezweifelt wurden.

„Wenn ich diese vollkommen unsachlichen, an den Haaren herbeigezogenen, hanebüchenen Argumente lese, wo mit Unterstellungen in Richtung Geschäftsführung und Pächterfamilie operiert wird – da läuft es mir kalt den Rücken hinunter!“,

so schimpfte Mölle lautstark. „Wir haben diese schwere Entscheidung getroffen, weil es einfach nicht mehr funktioniert! Ich unterhalte mich nicht mit einem Menschen, der fundamentale Sicherheitsaspekte ignoriert! Wer meint, mit vier Tonnen Ammoniak spielen zu können, kann das tun! Unsere Techniker sagen: Es geht nicht mehr aus Sicherheitsgründen!“

– Es geht billiger? Nein!“, rief Mölle aufgebracht aus.

Und dann, kritisierte der WBU-Chef weiter, „sollen wir Leute in die Halle lassen, die von nichts eine Ahnung haben?! Das ist alles irgendwie ein bisschen kurios und wird befeuert von einigen wegen, die das besser wissen.“ Besser als die eingesetzten Fachleute und besser als ein erfahrener,  seriöser Investor, der ihm klipp und klar gesagt hätte: „Wer noch einen Euro in eine 42 Jahre alte Halle steckt, ist bescheuert.“

Der Vorwurf mangelnder Wartung sei ebenfalls „an den Haaren herbeigezogen“. „Die Fachleute sagen: Die Eisbereitung ist gut gewartet! Auch deswegen hat sie 42 Jahre gehalten!“

Dem Stadtrat, der am Donnerstag (28. 6.) das engültig letzte Wort hat, machte Mölle heute Abend bereits eine klare Ansage.

„Wir unterbreiten Ihnen nicht aus Spaß heute diesen Antrag. Wenn ihr weitermachen wollt, bedeutet das: 6 Wochen Lieferfrist. Mindestens 12 Monate, bis alles installiert ist und läuft – bedeutet: mindestens ein Jahr kein Eis. Der Pachtvertrag wird nicht mehr bedient. Dass die WBU die Halle weiterbetreibt, ist ausgeschlossen. Seriöse Interessenten kommen nicht auf uns zu. Ja – wir trennen uns vom Eis.“

Sofern der politische Wille bestehe, ein Millionenpaket für Sanierung bzw. Neubau in die Hand zu nehmen (wohlgemerkt ohne einen Pächter zu haben), müsse der Rat dieses Millionenpaket beschließen.

„Fördermittel sind begrenzt.“ An Sportförderpauschale bekomme Unna 160.000 Euro im Jahr. Damit käme man auch dann nicht sehr weit, wenn die gesamte Summe für die Eishalle verwendet werde. Die Eishalle von der städtischen Tochter WBU an die Stadt zurückzugeben brächte finanziell auch nicht weiter. Hier kämen statt dessen noch Augaben hinzu (Grunderwerbssteuer).

Warum 650.000 Euro an die Pächter?

Bei den Wortmeldungen aus den Fraktionen wurde Karl-Gustav Mölle schließlich noch zu der Abstandssumme an die Pächter gefragt. Es sei ein Betrag von 650.000 Euro in Medien kolportiert worden, die von der WBU an die Pächter geflossen seien bzw. fließen sollten; FDP-Fraktionsvorsitzender Günther Schmidt fragte das.

Mölle erwiderte ihm kurz und strikt: „Diese Daten/Zahlen werde ich nicht kommentieren. Das ist eine Angelegenheit der WBU. Wir haben an dieser Stelle die Diskussion über die Auseinandersetzung mit den Pächtern nicht zu führen.“ Punkt.

Volker König, SPD.

Bei den weiteren Wortbeiträgen aus der Politik tat sich besonders Volker König (SPD) hervor, der  rückblickend auf die von ihm geleitete Sportausschusssitzung am Dienstag bemerkte: „So ein Thema in so einer aufgeheizten Stimmung so sachlich und ruhig über die Bühne zu bringen – ich lob mich mal selber.“

Petra Ondrejka-Weber, Linke.

Verbale Prügel ließ der SPD-Fraktionschef der Linken Petra Ondrejka-Weber angedeihen, die kurz zuvor Beratungsbedarf reklamiert hatte – also keine Abstimmung an diesem Abend wollte.

Im Sportausschuss am Dienstag hatte sie sich der Abstimmung hingegen entzogen, war gegangen, noch bevor überhaupt die Diskussion begonnen hatte. Das kreidete ihr König jetzt als äußerst undemokratisches Verhalten an. „Später sah ich die Linke nebenan in der Eisdiele sitzen“, verkündete er beißend. „Jetzt plötzlich, zwei Tage später im übergeordneten Gremium, melden Sie, Frau Ondrejka-Weber, auf einmal Beratungsbedarf an?!“

Das hieß für König nur eins: Abrupter Schluss der Debatte – „ich schließe mich dem Kollegen Fröhlich an.“ Der CDU-Fraktionschef hatte wenige Minuten zuvor als Antrag zur Geschäftsordnung ein Ende der Diskussion beantragt. Dass Klaus Göldner (FLU) energisch dagegen sprach, ging schlussendlich offensichtlich unter.

Der einzige, der sich aus der SPD noch zu Wort meldete, war Ralph Bürger, der nüchtern konstatierte: „Es ist bewusst auf Investitionen verzichtet worden.“

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4 KOMMENTARE

  1. Es ist schon erschreckend und traurig was hier für Informationen und internes Wissen am Bürger vorbei gelogen und verschwiegen wird. Aber der Tag wird kommen, an dem die ganze Wahrheit auf den Tisch kommt, liebe Politiker. Dann wird es wieder von Ihrer Seite heißen: „Von alledem haben wir nichts gewusst!“ So wie es in solchen Fällen immer aus Ihren verlogenen Mündern klingt.
    Liebe Bürger, lassen Sie sich bei den nächsten Wahlen nicht mehr von irgendwelchen, sicheren Wahlversprechen blenden und „einlullen“, sondern hören Sie auf ihr Bauchgefühl.