Unnas Eishallen-Causa und die 650.000-Euro-Frage – Interview mit Pächterin Silvia Kuchnia

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2001
Die Eishallenpächter Silvia und Uwe Kuchnia im Vorfeld des "Eisgipfels" 2014 bei einem großen Rundblick-Interview. (Archivbild RBU)
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Das abrupte Aus für die Eissporthalle Unna schlägt unverändert heftige Wogen.

Zwei einvernehmliche politische Beschlüsse – im Sportausschuss und im Haupt- und Finanzausschuss – änderten bisher nichts am Widerstand der Eissportler, die parallel zu ihrer Online-Petition (bis zum Freitag bekam sie bereits über 4000 Unterstützer) auch auf der Straße  in Unna bei den Bürgern Unterschriften sammeln.
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450 Unterschriften sammelte die Eissportjugend an einem einzigen Nachmittag. (Foto: Privat)

Heftig spekuliert wird über vornehmlich zwei Aspekte dieser „Eishallen-Causa“:

Zum einen über den so „plötzlich“ aufgetretetenen irreparabelen Defekt der Eisaufbereitungsmaschine, „Herzstück der Eissporthalle“ (WBU-Chef Mölle); zum anderen über die Summe, die die Pächter als Abstandssumme bzw. Ablöse für den vorzeitig beendeten Vertrag von den Wirtschaftsbetrieben angeblich bekommen sollen.

Und zwar von FDP-Fraktionsvorsitzendem Günther Schmidt, der WBU-Chef Karl-Gustav Mölle fragte, ob diese Ablösesumme stimme und wieso die Pächter so viel Geld bekämen.

Betreffs Interna keine Auskünfte: WBU-Geschäftsführer und 1. Beigeordneter Karl-Gustav Mölle bei der Pressekonferenz am vergangenen Montagnachmittag. (Archivbild RBU)

Mölle sagte dazu erwartungsgemäß knapp, er werde gar nichts dazu sagen. Dies seien Interna zwischen den WBU und den Pächtern, die im Hauptausschuss nicht zu diskutieren seien.

Diese Nicht-Antwort ließ und lässt nun fast folgerichtig erst recht Spekulationen darüber wuchern, welch einen „Deal“ die städtische Gesellschaft hier mit der privaten Ice & Fun wohl geschlossen habe und dass bei dieser enormen Summe, die im Raum steht und zu der der WBU-Chef sich weigert Auskunft zu geben, kaum alles mit rechten Dingen zugegangen sein könne.

Für viele – nein die meisten, die sich öffentlich und im Netz zur Eishallen-Causa äußern – steht bereits fest: Es gab einen „krummen Deal“ zwischen den Wirtschaftbetrieben und dem Pächterpaar.

Wir stellten die 650.000 Euro-Frage am Freitagmittag direkt an die Pächterin.

Silvia Kuchnia bei der Pressekonferenz zum Aus für die Eissporthalle am Montagnachmittag: einer von wenigen Momenten, in denen sie lächelte. (Archivbild RBU)

 

Frau Kuchnia, Herr Mölle hat am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss zu der sehr hoch erscheinenden Ablösesumme, die kolportiert wurde, strikt jeden Kommentar verweigert. Möchten Sie selbst etwas dazu sagen?

Silvia Kuchnia: Zu der Summe selbst möchten ich mich auch nicht äußern. Das ist eine Vertragsangelegenheit zwischen dem Eigentümer und den Pächter. Was wir da ausgehandelt haben oder wie wir uns verglichen haben, bleibt eine private Angelegenheit zwischen beiden Parteien und hat weder was mit Politik, Stadt zu tun, noch geht das irgend jemanden in der Öffentlichkeit an.

Da sind wir übrigens ganz bei Ihnen, Frau Kuchnia. Wir hatten uns trotz Kenntnis dieser Vereinbarung bewusst dazu entschieden, sie nicht in unserer Berichterstattung zu erwähnen, aus den von Ihnen genannten Gründen. Mit der Anfrage der FDP am Donnerstagabend im Hauptausschuss kam das Thema aber nun öffentlich aufs Tapet. Deswegen freuen wir uns, dass wir mit Ihnen darüber sprechen können. Die Frage des FDP-Fraktionsvorsitzenden hat Herr Mölle ja in Ihrem Sinne beantwortet, denke ich?

Silvia Kuchnia: Ja. Denn wir haben es nicht nötig, uns zu rechtfertigen. Vor niemandem. Wir haben die Eishalle immer nach bestem Gewissen und mit viel Liebe und Herzblut betrieben. Viele haben glaube ich vergessen, dass sie ja ohne uns scho 2002 geschlossen worden wäre. Ich glaube, es gibt wenige Menschen, die so wie wir 14 Stunden am Tag 7 Tage in der Woche ihre Zeit mit Arbeit dort verbracht hätten. Und die Renovierungen in dieser Höhe sind ja nicht erst seit gestern bekannt. Sie lagen schon mehrfach auf dem Tisch, über mehrere Jahre, und wurden immer nur verschoben.

Was sagen Sie zu Vorwürfen, dass Sie mit dieser Ablösesumme XY schlussendlich jetzt einn super Geschäft für sich herausgeschlagen hätten?

Silvia Kuchnia: Was soll ich dazu sagen. Sowas schmerzt einfach nur, tut total weh. Wir haben ein Vielfaches dieser Summe in all den Jahren in die Halle gesteckt. Wir haben davon noch Kredite zu tilgen. Wir müssen „Kids on Ice“ an die Eltern zurückzahlen.

Wir erklären das kurz für die Leser: Mit dem Event „Kids on Ice“ wollte die Eissporthalle am 16. Juli traditionell in die neue Saison starten. Die Vorbereitungen waren weitestgehend abgeschlossen.

Silvia Kuchnia: Ja, die Eltern haben natürlich ein Anrecht darauf, das gezahlte Geld zurück zu bekommen.

Was wurde bei dieser Abstandssumme noch berücksichtigt?

Silvia Kuchnia: Wir haben eine Reihe Mitarbeiter und wollen natürlich keinen entlassen.
Wir haben doch eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, die zählt weiter für uns.

Sie nehmen die Mitarbeiter also mit in Ihre neue Selbstständigkeit?

Silvia Kuchnia: Ja, das haben wir uns vorgenommen. Und dieses zweite Standbein – in Zukunft unser einziges Standbein, einen Cateringservice in Dortmund -, müssen wir weiter ausbauen, damit alle bleiben können. Wie in der Pressekonferenz gesagt, haben wir mit dem Aufbau dieses Standbeins schon 2007 begonnen.

Um in Rente zu gehen, sind die mit Mitte 50 ja auch noch ein bisschen jung.

Silvia Kuchnia: Ja, wir können nicht, wie jetzt teilweise behauptet wird, mit diesem Geld jetzt in den Ruhestand gehen. Wir machen uns damit nicht reich. Und ich habe ja in der Pressekonferenz schon darauf hingewiesen: Wir bekommen als Selbstständige kein Arbeitslosengeld. Die Eishalle war die Existenz unserer Familie und weiterer Mitarbeiter. Zur Summe selbst noch ein letztes Wort: Der Betrag ist Brutto. 40 % kassiert das Finanzamt ein. Vielleicht sollte man auch das mal überlegen. Es ist, wie es ist: Wir hätten gerne, sehr gerne weitergemacht. Aber es geht nicht mehr.

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