4911 Abrissgegner in 9 Tagen – Eishallenunterstützer drängen Kolter in die Defensive

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Petitions-Übergabe zwei Tage vor der Ratssitzung im Bürgermeisterbüro: V. l. Michael Michelius, Andreas Pietsch, Wilhelm Ruck, Werner Kolter und sein Referent Oliver Böer. (Alle Fotos: Rundblick Unna)
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Die Online-Petition geht stramm auf die 5000 Unterstützer zu, auf den Straßen in Königsborn haben die Eishallenverfechter in nur drei Stunden fast 900 Unterschriften gesammelt. Der Bürgerwille für den Erhalt der Unnaer Eissporthalle wiegt schwer.

Und Unnas Bürgermeister geriet heute Nachmittag (26. 6.) bei der Übergabe des Petitionspakets einige Male spürbar in die Defensive, denn die Organisatoren dieses geballten Widerstands begründeten ihr Anliegen mit klaren, dezidierten Argumenten und ohne überflüssiges Schönrederei untermauerten.

Stellvertretend für die Eissportler und Eissportfans überreichte ein „Petetenten-Trio“ die Unterschriften und Forderungen an Bürgermeister Werner Kolter: Petitions-Urheber Michael Michelius, Andreas Pietsch sowie Wilhelm Ruck, der am vorletzten Wochenende einen offenen Protestbrief an den Bürgermeister verbreitet hatte. Auch dieser hatte bereits durch Dutzende Unterstützungsunterschriften Gewicht bekommen.

Die in Rekordzeit gesammelten Tausenden an weiteren Unterschriften sollen zwei Tage vor der entscheidenden Ratssitzung noch ein Innehalten in diesem rasenden Entscheidungsprozess bewirken, formuliert es Michael Michelius. Er spricht es, dem Bürgermeister gegenüber sitzend, schlicht und deutlich: „Fast jeder möchte, dass die Halle bleibt. Wir möchten einfach, dass darüber noch mal nachgedacht wird.“

Das sei alles sehr, sehr schnell gegangen – „zu schnell. Es wurde eigentlich nur in die Alternative gedacht: Wie kriegt man die Halle möglichst bald platt.“

Wilhelm Ruck legt Kolter ein zerknittertes Blatt vor, übersät ist es mit Unterschriften, in krakeliger Kinderschrift prangt darüber: „Die Eissporthalle darf nicht schließen“, den i-Punkt auf „nicht“ ersetzt ein Herzchen. „Mit diesem Zettel ist ein zehnjähriges Mädchen in Königsborn rumgelaufen und hat wildfremde Leute um Unterschriften gebeten“, sagt Ruck eindringlich zum Bürgermeister. Ob ihn das nicht beeindrucke?

 

Werner Kolter beteuert, er wisse natürlich um den Schmerz dieses drohenden Verlustes (er betont mehrmals, dass der Rat schlussendlich zu entscheiden habe), er könne den Zorn und all dies wirklich nachvollziehen.

„Glauben Sie nicht, dass wir uns diese Entscheidung leicht gemacht haben und dass wir jetzt sagen: Endlich ist das Ding weg! Es war nicht so.“

Kolter erinnert daran, wie „plötzlich eine gewisse Dramatik hinein gekommen ist in die Sache“, „die Dramatik liegt einfach darin, dass die Haushaltssicherungskommission gesagt hat: Wir können den Pachtvertrag nicht verlängern.“ Er resümiert noch einmal das Erbbaurecht, das erst Thema war, sich aber nicht bedienen ließ, dann noch der fatale Schaden an der Eismaschine – „sie ist kaputt, auf Deutsch. Eine neue würde neue und aufwändige Brandschutzauflagen nach sich ziehen.“

Vor diesem, so Kolter, „Berg an Herausforderungen“ habe man dann „eher in die Richtung tendiert“ dass ein Fortbestand des Hallenbetriebs nicht möglich sei. Vielleicht kam all dies ja gerade recht?, insistiert Wilhelm Ruck, lächelt zwar freundlich dabei, doch die Spitze kommt an. Dem war nicht so, widerspricht Kolter.

Wurden Fördergelder geprüft? Wurden sie, wiederholt Kolter, was schon sein Stellvertreter und WBU-Geschäftsführer Karl-Gustav Mölle im Hauptausschuss zu diesem Punkt ausgeführt hat: Unna bekommt wie jede Kommune eine Sportpauschale, abhängig von der Einwohnerzahl. Von 160.000 Euro war im Hauptausschuss die Rede. „Sonderprogramme für Sporteinrichtungen sind dem Land nicht bekannt„, gibt der Bürgermeister wieder, was er zu Wochenbeginn bei derr Staatskanzlei erfragt habe.

Zustimmend nickt Kolter bei Michelius´ Einwand, dass die Eissporthalle weit mehr als nur eine Sporteinrichtung sei, dass sie als intergratives Jugendzentrum wirke und eben deshalb so wichtig sei für Unna, vom reinen Eissport abgesehen.

An diesem Punkt hakt sich Andreas Pietsch sehr deutlich ein:

„Man darf das das nicht verkennen. Man sieht den Groschen, das Eingesparte. Aber der Mehrwert ist in der Diskussion total verloren gegangen. Die Politik läuft vorbei.“ Heranwachsenden könne man mit dieser Art Politik „weder Zukunft noch Perspektive zeigen. Es ist ein Trauerspiel. Das ist sehr ernst zu nehmen.“

Ernst gestimmt verteidigt Kolter das gescholtene Rathaus. Die Stadt investiere in ganz erheblichem Umfang in Kinder und Jugend.

„Wir finanzieren die Jugendkunstschule und den Circus Travados, die wichtige und wertvolle Angebote  machen. Wir investieren Millionen in Schulen, bauen in ganz großem Maße Kindertagesstätten und das Offene Ganztagsangebot aus, um den Wünschen der Eltern entgegen zu kommen.“

Pietsch widerspricht: Dies sei Pflicht! Diese Pflichtaufgabe  müssten die Städte erfüllen.  „Die meisten Städte erfüllen nur noch Pflichtaufgaben“, gibt aber Kolter zurück. „Wir hingegen investieren demnächst 30 Millionen in unsere Infrastruktur.“

Michelius ihm vis a viis gegenüber wiegt erneut die 5 cm dicke Petition in seiner Hand, gefüllt mit fast 5000 Unterschriften. „Fließt bei der Priorisierung nicht sowas rein?“ Und Wilhelm Ruck wendet ein, nichts gegen die Jugendkunstschule und Circus Travados, „aber in die Eishalle strömen Tausende von Kindern! Trotz der ganzen Kosten, die dagegen stehen, ist es ist eine Frage der Priorisierung und der falschen Entwicklungen.“

Kolter will diese Vorwürfe nicht stehen lassen. „Ich denke, Herr Mölle hat das mit großer Verantwortung auch in seinem Bereich bearbeitet.“  Michelius bringt jedoch Alternativen auf den Tisch: „Wir haben Ideen, wie man die Sache eventuell fortführen könnte. Alternativen, die die Stadt bisher vielleicht gar nicht gedacht hat?“

Welche da wären? Zum Beispiel den Bebauungsplan von „Eishalle“ abändern. Flurgrundstücke abparzellieren, Wohnen und Sport gewinnbringend verbinden. Die Abwärme der Eishalle nutzen. All solche Ideen überhaupt mal denken.  „Ein Abbruch wäre ja auch ein Riesenposten.“

Werner Kolter kontert das mit der Auskunft des WBU-Chefs, wonach ihm Sachverständige klipp und klar bescheinigt hätten: „In diese alte Halle auch nur noch einen Euro reinzustecken wäre wirtschaftlich nicht vertretbar.“ Dem widersprechen alle drei Petitionsüberreicher. „Die Grundsubstanz ist top! Ds ist schwerer Betonbau.“

Das Schlusswort spricht mit mahnender Eindringlichkeit Andreas Pietsch aus:

„Wie wollen wir unseren Kindern Demokratie beibringen, wenn bei solchen Dingen die Entscheidung bereits von vornherein steht?“ Es wäre, bekräftigt er unter heftigem Nicken seiner Mitstreiter, “ politisch eine Farce, wenn das Ding jetzt am Donnerstag im Rat platt gemacht würde.“

Die Fraktionen bekommen die Protestunterschriften vor der Ratssitzung als Tischvorlage zur Kenntnis.

 

 

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4 KOMMENTARE

  1. Wenn man sich so die Bilder vom BM ansieht hat das doch derzeit eine gewisse Ähnlichkeit mit der Mine unserer Mutti A.M. Man könnte sogar weiter gehen und parallelen ziehen zu einem Kommentar vom ARD Journalisten Malte Pieper der zu A.M schlussfolgert: Zitat: Merkel traut in der EU keiner mehr über den Weg, Merkel hat viel „verbrannte Erde“ hinterlassen. Zitat Ende. Blamabel ist seine (betont mehrfache) Äußerung dass der Rat letztendlich entschieden habe. Als wenn diese Vasallen eine eigene Meinung in einer Abstimmung zu Ausdruck bringen könnten bei vorhandenem Fraktionszwang und Rücksichtnahme auf politische Gegner. Nun zeigt sich der Kapitän, bei ruhiger See bei jedem Käpt`ns Dinner dabei, immer gern gesehen und hofiert von jedem weil auch immer und allzeit freundlich zu jedem. Jetzt bei Sturm zeigt sich die Qualifikation. Was hinterlässt Kolter??