Grablicht und Trauerbrief an der Eishalle – Politische Statements vor dem Ratsbeschluss zum Aus

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Ein Grablicht hat eine junge Eissportlerin vor der verrammelten Eissporthalle am Ligusterweg aufgestellt und in ungelenker Kinderschrift einen Abschiedsbrief dazu geschrieben, der für sich spricht.

Der anrührenden Trauerbekundung folgte der Ratsbschluss am Donnerstagabend statt, der das Aus der Halle besiegelt, in einem vagen Kompromiss jedoch den Beschluss für ein halbes Jahr aussetzt.

Bis zum Jahresende können/müssen die Eishallenbewahrer um die Initiative „UNNA.braucht.EIS“ ein tragfähiges Konzept erarbeiten, das dann den Stadtrat im Dezember noch von seinem Entschluss abbringt.

Die Hoffnungen sind momentan gedämpft. Die Halle ist bereits ausgeräumt, die Eismaschine bekanntlich defekt, irreparabel laut WBU, und damit gibt´s kein Eis in Unna. Temporär nicht oder aber eben dauerhaft nicht mehr.

Im Folgenden Auszüge aus politischen Reden, die der Abstimmung voraus gingen (die übernommenen Passagen sind wörtlich zitiert).

(Achtung: Das Statement des FLU-Fraktionschefs Klaus Göldner haben wir in einen gesonderten Bericht verarbeitet.)

Gabriele Meyer, stellv. CDU-Fraktionsvorsitzende

„Dass der Eissport in Unna zum 01.07. jetzt nicht in die neue Saison starten kann, war für uns als CDU-Fraktion eine Hiobsbotschaft. Dass wir nun vor dieser Situation stehen, führte jedoch nicht erst jetzt zur Beratung über die Eissporthalle, denn wir haben bereits seit Anfang des Jahres sehr intensiv über die Halle diskutiert.

Im Rat haben wir uns dann schweren Herzens am 26. April dazu entschlossen, den Pachtvertrag nach 2020 nicht mehr zu verlängern. Denn wir müssen uns heute Gedanken machen über die Jahre nach 2020. Die mittelfristig anstehenden Sanierungsarbeiten des Gebäudes und der Technik hätten Investitionen in Höhe von mehreren Mio. Euro bedeutet. Und das Ganze eingerahmt in dem Szenario, dass wir den städtischen Haushalt auf solide Füße stellen müssen. Dazu sind wir in der Haushaltssicherung, um den Haushalt ausgleichen zu können.

Selbstverständlich haben wir die verschiedenen Denkmodelle aufgegriffen und in gebotener Sachlichkeit beraten. Vor dem uns gegebenen Sachverhalt haben wir uns im April also dazu entschlossen, die Eissporthalle zu Ende 2020 als Stadt aufzugeben.

Auch haben wir uns in den letzten Jahren immer wieder um die Eissporthalle gekümmert. So z. B. in 2007, am 14.06., damals haben wir im Rat beschlossen, das Dach der Eissporthalle zu sanieren – allerdings bei anderen Rahmenbedingungen unseres Haushaltes.

Andernfalls hätte damals schon die Halle nicht weiter betrieben werden dürfen. Das Gebäude hatte die gleiche Dachkonstruktion wie die Eissporthalle in Bad Reichenhall, deren Dach, wie wir alle noch wissen, unter den enormen Schneelasten zusammenbrach und 15 Menschen das Leben kostete. Das Leben und die Gesundheit stehen für uns an erster Stelle.

Auch haben wir in 2011 den Zuschuss für den Eissport erhöht, die Eissportvereine bekommen jährlich 85.000 Euro, und dazu stehen wir auch.

Was aber nun auf uns zukam, war für alle der Supergau. Auch hier gilt, das Leben und die Gesundheit stehen an erster Stelle. Ein weiterer Betrieb kann nicht aufrecht gehalten werden, bei Ammoniak können wir kein Risiko eingehen.

Auch eine Reparatur ist nicht möglich, dies wurde uns mehrmals fachkundig dargelegt. Eine Neuanschaffung bedeutet in Verbindung mit weiteren Auflagen eine Investition in Millionenhöhe zum jetzigen Zeitpunkt. Das stellt eine Größenordnung dar, die wir nicht leisten können.

Aber selbst wenn, dann würde bei sofortiger Auftragslage die Halle nicht vor Herbst 2019 wieder in Betrieb genommen werden. Der Eissport kann in diesem Jahr in Unna definitiv nicht stattfinden. Auch würden wir dann gegen das Gebot der Haushaltssicherung verstoßen und eine weitere freiwillige Leistung aufnehmen.

Für uns ist aber eines wichtig, dass der Eissport auch weiterhin finanziell in gleicher Höhe unterstützt wird. Das ist für uns eine Grundbedingung, dass dieses nicht angetastet wird. Gleichzeitig sehen wir aber auch hier die Sportverwaltung in der Pflicht, die eissporttreibenden Vereine zu unterstützen und überall zu helfen, um die Trainingszeiten in den umliegenden Eishallen nutzen zu können.

Denn in den umliegenden Städten wie Bergkamen, Dortmund, Iserlohn und Hamm ist unsere Region gut für den Eissport aufgestellt. Solch ein Angebot findet man in anderen Regionen nicht. Da wird unser „SportService“ einen wichtigen Beitrag zur Hilfe leisten, da werden wir drauf achten.

Glauben Sie uns, diese Entscheidung heute hat sich keiner gewünscht. Der Protest und auch die Emotionen der Eissportfreunde aus Unna sind von uns allen nachvollziehbar. Kein Verständnis aber haben wir für „Andere“, die jetzt die Entscheidung zur Eissporthalle aufgreifen wollen und als Sprungbrett nehmen, um dies mit anderen Themen zu verknüpfen. Deutlicher möchte ich mich dazu nicht ausdrücken. Das hat der Eissport nicht verdient und darf nicht mit dem Eissport in Verbindung gebracht werden. (Anm. d. Red.: Gemeint sind die Aktionen der Partei „Die Rechte“ für die Eissporthalle, „andere Themen“ die Asylpolitik.)

Wir alle kennen die Eissporthalle ja selber, wir waren mit unseren Kindern auf der Bahn und haben unsere Kinder das erste Mal auf Schlittschuhen erlebt, das prägt eine Mutter und einen Vater. Glauben Sie uns, das ganze Thema geht an jedem von uns nicht spurlos vorbei. Dennoch müssen wir den Tatsachen ins Auge sehen.

Das Anliegen der Unnaer Einwohner nehmen wir ernst. Die Beschlüsse werden heute gefasst unter der Maßgabe, dass der Abriss der Halle zunächst ausgesetzt wird bis zum Ende des Jahres. Bis dahin hat die Initiative Zeit, ein tragfähiges Betreiberkonzept vorzulegen. Der Rat wird dann anschließend darüber befinden, ob dem Abriss stattgegeben wird oder alternativ das Betreiberkonzept der Initiative weiter verfolgt werde. Eine finanzielle Beteiligung der Kreisstadt erübrigt sich aufgrund der derzeitigen Haushaltslage.

 

Bärbel Risadelli (SPD/als Fraktionslose im Rat)

Meine Tochter hat 15 Jahre aktiv Eiskunstlaufsport betrieben. In dieser Zeit haben wir viele Eishallen in NRW besucht.

Alle haben uns um diese Eishalle in Unna beneidet. Ein Schmuckstück in NRW – wenn nicht sogar in Deutschland! Das waren die Meinungen aller.

Zu diesem Zeitpunkt war die Halle in Unna noch jung und die meisten Eishallen waren da schon wesentlich älter…., und diese Hallen sind immer noch in Betrieb. Die Halle in Zweibrücken ist schon 60 Jahre alt und immer noch betriebsbereit und steht allen zur Verfügung. Dank einer kontinuierlicher Instandhaltung.

UNsere Eishalle ist mehr als Sportstätte, die Eishalle ist ein Ankerpunkt für Sportler, Hobbyläufer und Menschen, die ihre Freizeit gestalten wollen. Und nicht zu vergessen, eine Halle in der auch Para-Hockey möglich ist und auch Wettkämpfe bereits stattgefunden haben. Das ist schon ein Alleinstellungsmerkmal!

Mit dem Wegfall der Eishalle wird auch der Schulsport wieder einmal mehr eingeschränkt.

Mit 130.000 Besuchern im Jahr ist die Eishalle ein wichtiger sozialer Treff- und Ankerpunkt. Damit kommen doppelt so viele Menschen in die Eishalle, wie die Kreisstadt Unna Einwohner hat.

Bereits seit September 2015 war bekannt, dass die Halle stark sanierungsbedürftig ist. Warum wurden keine Rückstellungen gebildet?

Wurde versucht, gebrauchte Ersatzteile zu bekommen?

Die baugleiche Technik der Eisanlage in Solingen konnte für 10.000 Euro mit einem gebrauchten Aggregat instandgesetzt werden.

Die Firma GfKK (Gesellschaft für Klima- und Kältetechnik) mit Sitz in Köln ist dafür bekannt, dass sie über ein sehr großes Herstellernetzwerk verfügt und Ersatzeile beschaffen kann. Auch für Anlagen, die bereits älter sind. Eine Neuanschaffung einer Kälteanlage wurde von der Firma in einem 5-stelligen, wenn auch hohen, Bereich genannt!

Wurde eine Lösung mit einer mobilen Anlage überlegt, um die Zeit einer Instandsetzung überbrücken zu können? /in Nordhorn hat das funktioniert.

Die Firma AST (Eis und Solartechnik GmbH) in Höfen bietet eine Anlage mit Eismattensystem und Bande für 700.000 € an. In der Presse war zu lesen, dass die Fam. Kuchnia 650.000 € Ablöse erhalten soll. Abgesehen, dass ich das nicht nachvollziehen kann, wären es nur 50.000€ mehr als die Ablösesumme an die Ice und Fun GmbH.

Randbemerkung: Alleine nur der Planungsauftrag für das Flüchtlingsheim an der Kamener Str. hat der Stadt Unna mehr als 50.000 € gekostet. (Anm. d. Red.: Es waren fast 60.000 Euro.)

Eine neue Anlage entspräche dann auch dem neuesten Stand der Technik und wäre energieeffizienter.

Am 18.02.16 wurde zum weiteren Vorgehen zur Eishallensituation im Haupt- und Finanzausschuss vom Bürgermeister erklärt, dass man die Diskussion über die Weiterführung der Eissporthallen in den Nachbargemeinden abwarten wolle. Hamm hat inzwischen erfolgreich eine Genossenschaft gegründet und in Bergkamen konnte ein Investor die Halle bisher erfolgreich übernehmen. Ich vermisse die Diskussion solcher Möglichkeiten.

Nun soll im Hau-Ruck-Verfahren die Schließung und damit das Aus für Eishalle beschlossen werden. Über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Das ist Verrat an die Sportler und Bürger….

In der Summe kann ich „Suchet der Stadt Bestes“ nicht erkennen und stimme der Vorlage nicht zu.

 

Christoph Tetzner, fraktionslos/Antrag auf Absetzung des Tagesordnungspunktes und vertiefender Beratung vom Bürgerverein „Wir für Unna“ unterstützt

Dass man es nicht immer schafft, allen Bürgern in dieser Stadt recht zu machen, das weiß glaube ich jedes Kind; dennoch sollte man, wie auch unlängst von Herrn Laaser (SPD) zur Schließung der Bürgeramtsaussenstellen gefordert, sich Zeit nehmen, um mit den Bürgern zu reden. Diese Zeit fordere ich nun mit meinem Antrag zur Sache, damit der Dialog stattfinden kann.

In der mitunter auch öffentlich geführten Diskussion möchte ich jedoch eines an dieser Stelle ganz deutlich sagen: Angriffe, auch persönlicher Natur, auf unseren 1. Beigeordneten und auch auf den Bürgermeister sind vollkommen unangebracht.

Ich möchte betonen, dass auch ich in dem zuständigen Gremium der WBU mit für die vertraglichen Regelungen gestimmt habe.

Dieses mit Bauchschmerzen, aber alle der Geschäftsführung gestellten Fragen wurden dabei für mich schlüssig und sachgerecht beantwortet und haben auch mich bewogen, gegen meiner Überzeugung zuzustimmen.

Mit Verwunderung musste ich am auf die Aufsichtsratssitzung folgenden Tage einen Fragenkatalog von einer auch in diesem Rat in Fraktionsstärke vertretenen Partei, der FDP, vernehmen. Fragen, die über Ihren Vertreter im Aufsichtsrat nichtmal mehr 24 Stunden vorher hätten gestellt werden können! Ein Aufheizen der Diskussion wurde dabei billigend in Kauf genommen.

Die dabei gemachten Vorwürfe, gerade in Richtung unseres 1. Beigeordneten Herrn Mölle, sind unangemessen und definitiv auch der ernsten Situation nicht nachzuvollziehen. Im weiteren Verlauf haben diese Äußerungen nicht dazu beigetragen, das Vertrauen unserer Bürger in die WBU, Verwaltung und Stadtrat zu stärken. Weiteres Vertrauen ist hingegen verloren gegangen.

Auch unter diesem Gesichtspunkt ist mein erweiterter Vorschlag mit einem Gutachter zu sehen. Man hat versucht, den Bürgern die Vorgänge zu erklären. Mitgenommen gefühlt zu haben scheint er sich dabei augenscheinlich nicht. Darum ist es umso wichtiger, dies in Zusammenarbeit von WBU, Politik, Gutachter und auch Verwaltung mit der Bürgerinitiative nachzuholen. Hierbei könnten dann auch die von der Bürgerinitiative gemachten Vorschläge mit einfließen. Auch könnte dieser Gutachter die Erstellung eines tragfähigen Konzeptes für eine weitere Nutzung der Eissporthalle mitwirken.

Und wer nun über die Kosten für einen Gutachter streiten möchte, dem kann ich nur sagen: hier werden bei jeder Sitzung unterschiedliche Gutachten, Entwürfe und auch Pläne vorgestellt, da kommt es wahrlich auf ein weiteres Gutachten nicht an. Neben der finanziellen Aufwendung muss man dabei dringend beachten, dass dies auch die öffentlich gemachten Vorwürfe in Richtung Verwaltung, WBU und Stadtrat mitunter entkräften würde.

(Anm.: Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.)

  • Klaus Göldner (FLU) warf der Politik in seiner Rede kollektives Versagen vor. Wir werden gesondert darüber berichten.

 

 

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