In Eishallendiskussion „auch Verrücktes versuchen“: Junge Union schlägt „Unnaer Winterwelt“ vor

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Symbolbild (Archiv RBU)
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„Auch mal Verrücktes, Ungewöhnliches versuchen!“ Die Junge Union Unna bringt in der Eishallendebatte eine „Unnaer Winterwelt“ ins Spiel – eine mobile Eisanlage nach Kamener Vorbild.

Grundsätzlich „sind wir für den Erhalt der Eishalle und unterstützen die Bürgerinitiative“, betont Niko Dahlhoff in einer  Stellungnahme vom heutigen Dienstag (3. 7.), „wir sehen Möglichkeiten für eine Weiterführung!“

Knallvolle Besucherränge während der entscheidenden Ratssitzung. (Fotos: Rundblick Unna)

Keine Behinderung der Initiative „UNNA.braucht.EIS“

Der Eishalleninitiative dürften „keine Steine in den Weg gelegt werden, sie muss alle Chancen bekommen, ihr Vorhaben zu realisieren“, unterstreicht die CDU-Jugend. „Das ist allerdings nur unter der Voraussetzung möglich, dass die Zahlen und Pläne auch so umsetzbar sind und der Realität entsprechen. Das muss unbedingt geprüft werden!“

Der Pleitegeier hat den städtischen Haushalt lauernd im Blick. (Pixabay, warlok3113)

Kein Geld der Stadt – sonst steigen die Steuern

Zur Finanzierung dockt sich die JU an die Warnung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Fröhlich an – sofern die Stadt das Projekt „Eishallenfortführung“ mitfinanzieren solle, gehe das zwangsläufig nur mit Steuererhöhungen. „Im Zuge der Generationengerechtigkeit sollte aber verantwortungsbewusst mit dem Geld umgegangen werden“, fordert Niko Dahlhoff für die Jüngeren ein.

Etwas „Außergewöhnliches zu versuchen“ sei schon einmal gelungen –  im Bornekampbad. „Gelingt das diesmal nicht, hat die Stadt aber mindestens für einen Ersatz zu sorgen und sollte sich bemühen, die Jugend nicht noch weiter zu vernachlässigen.“

Unnaer Winterwelt – Outdoor Eisfläche

Alle Jahre wieder zur Vorweihnachtszeit bringt sie eisigen Spaß auf den Kamener Marktplatz: die „Kamener Winterwelt“. (Foto: Kamener Winterwelt)

„Dass es dieses Jahr kein Eis gibt, ist Fakt“, erinnert Dahlhoff. Vorschlag daher: mindestens in diesem Jahr eine mobile Winterwelt aufstellen wie in Kamen (Kamener Winterwelt). Diese wird von den Gemeinschaftsstadtwerken (GSW), der Sparkasse und Dutzenden Sponsoren finanziert.

  • „Das würde den Bürgern dieser Stadt ein kleines Stück Eis zurückgeben und die Eisbegeisterung aufrechterhalten“, meint die JU.
  • Passender Ort: der Platz der Kulturen hinter der Lindenbrauerei.
  • Wer soll das bezahlen? – Sponsoren. Etwa „der neue große Premium-Sponsor des Stadtmarketings“ – gemeint ist Urlaubsguru.de, Motto „aus Liebe zur Stadt“. „Hier, aber auch an anderer Stelle, müssen Gespräche gesucht werden!“Runden Tisch für Kinder und Jugendliche handlungsfähig machenUm auch Kindern die Möglichkeit einzuräumen, sich Gehör zu verschaffen, möchte die Junge Union einen Runden Tisch organisieren – mit Vertretern aus z. B. politischen Jugendorganisationen, Sportvereinen, Kirchengemeinden und interessierten jungen Menschen. Im Gegensatz zum bisherigen Kinder- und Jugendrat soll dieser Runde Tisch auch Schlagkraft und Handlungsfähigkeit besitzten. Das momentane Gremium berücksichtige nicht alle Interessen, ihm werde außerdem zu wenig Gehör geschenkt.

Braucht Unna Eis? – Ein Kommentar der Jungen Union Unna

„Unna braucht Eis“, so heißt die Bürgerinitiative zum Erhalt der Eishalle. Was insbesondere die beiden Herren Ruck und Derwald da auf die Beine gestellt haben, ist beachtlich. So hatten beide Gelegenheit, ihre Pläne und Ziele vor dem Rat vorzustellen und somit aktiv in die Debatte einzugreifen.

Dabei machten beide einen sehr gut vorbereiteten Eindruck und waren mit Leidenschaft dabei. Zahlen, Daten und Fakten lieferten sie. Anders als viele der Zuschauer im Ratssaal. Oft hatte man den Eindruck, dass konstruktive Gespräche nicht von allen erwünscht waren. So jubelten viele, als die SPD davon sprach, dass man auch an anderer Stelle „tabula rasa“ hätte machen können. Gefolgt von einem „haben wir aber nicht“.

Das wurde kaum wahrgenommen und war nur eine Rechtfertigung für die Schließung.

Die SPD brachte vor, dass es noch über 60 andere Sportvereine geben würde. Die Eishalle ist allerdings nicht nur Sportstätte, sondern auch ein sozialer Treffpunkt für Jugendliche und Familien. Und auch die FDP hat in ihren Plänen das Gelände bereits anderweitig durchdacht (Realschule).

Die Vertreterin der Linken verstand es als Protest, an Diskussionen im Ausschuss erst gar nicht teilzunehmen. Anstatt sich dem zu stellen und mit Argumenten dagegen zu halten, verlässt sie den Raum und stimmt am Ende nicht mit.

Ist es Protest zu gehen? Ihre Aufgabe als gewählte Vertreterin ist es, die eigene Meinung zu vertreten. Und sich dem nicht zu entziehen.

Wäre Protest nicht eher eine Gegenstimme gewesen? Auch die FLU sprach davon, „gleich die Hand heben zu müssen“. Moment …. Müssen?! Niemand zwingt ein Ratsmitglied. Insbesondere nicht in der FLU-Fraktion, die aus zwei Ratsmitgliedern besteht.

Jeder unterliegt seinem freien Gewissen. Wieso aber wurde bis zum Beschluss dann immer alles von allen einstimmig mitgetragen, wenn da doch so viele Bedenken und Bauchschmerzen bestehen? Wieso wurde sich nur enthalten, so dass das am Ende eine Einstimmigkeit zur Folge hatte.

Abnicker gibt es wohl zu Genüge im Rat. Nachdem die FLU aber dann merkte, dass man wohl irgendwie doch nicht die Hand heben müsste, folgte die Einsicht, dass auch sie nicht die Halle schließen wollen. Warum dann die Enthaltung? Dass die Grünen die Halle aus ökologischen Gründen ablehnen, kann ihnen niemand verübeln und ist konsequent.

Zurück zur eigentlichen Sache und der Bürgerinitiative.

Petitions-Übergabe zwei Tage vor der Ratssitzung im Bürgermeisterbüro: V. l. Michael Michelius, Andreas Pietsch, Wilhelm Ruck, Werner Kolter und sein Referent Oliver Böer. (Alle Fotos: Rundblick Unna)

Wie kommen die beiden Herren auf so viel weniger Investitionsbedarf? Fragen, die auch die Stadtverwaltung nach dem Gespräch mit Herrn Kolter nicht beantworten konnte. Und dann war da noch die Zuschauerin, die von einem ominösen Anruf sprach, in dem ein anonymer Spender bereit war, 2 Millionen Euro zu zahlen. Was hiervon Gerüchte oder doch nur Wünsche waren, kann wohl nicht festgestellt werden.

Der Geschäftsführer der WBU, der in erster Linie wirtschaftliche Interessen zu vertreten hat, kann nur den festen Wunsch haben, die Halle zu schließen. Denn dass eine Eishalle kostet, und das nicht zu knapp, ist kein Geheimnis, sondern durchaus nachvollziehbar.

Nie hat die Stadt öffentlich die Halle aufgrund von mangelndem Zuspruch in Frage gestellt, denn Zuspruch erhält die Halle.

Hätte Herr Kolter alle anwesenden Menschen im Ratssaal gefragt, wer denn schon mal oder regelmäßig in der Halle war, vermutlich hätte die Mehrheit zugestimmt. Hätte er gefragt, wie viele etwa schon oder regelmäßig im Lichtkunstmuseum waren, hätte die Abstimmung vermutlich anders ausgesehen.

An fehlenden Besuchern kann das Aus der Eishalle nicht liegen. Betrachtet man nur nüchtern die Argumente der Stadt, so scheinen diese auf den ersten, ja auch auf den zweiten Blick erdrückend. Über zwei Millionen Euro mittelfristiger Investitionsbedarf.

Geld ist ein Argument, das momentan jedes andere schlägt. Zu Recht!

Unna hat ein Ausgabenproblem, wie es von offizieller Seite bestätigt wurde. Mehr ausgeben als jetzt geht nicht. Die Halle ist damals in einer Dimension gebaut worden, die heutige Bauten weit übertrifft. Auch die Energiebilanz ist kein Aushängeschild.

Lichtkunst in Unna
Unna Blister (Copyright: Volkhard Kemper)

Aber die ist auch bei Lichtkunst eher fragwürdig. Was würde passieren, wenn man das Geld in die Hand nähme und man sich sogar noch auf ein Engagement mit dem dann gegründeten Bürgerverein einigen könnte? Die Stadt hat das Geld nicht. Die Bürgerinitiative müsste sich das auf andere Weise besorgen. Und wenn die Stadt das Geld doch zur Verfügung stellt?

Unna müsste das Geld an anderer Stelle einnehmen, wie z.B. durch erhöhte Steuern. Wollen das wirklich alle Bürger?

Bei einem gelungenen Erhalt allerdings hätten Unnas Bürger endlich mal wieder das Gefühl, sie könnten etwas bewegen.

Unna hätte eine Eishalle, die wahrscheinlich noch größeren Zuspruch finden würde. Unna würde nicht eine der letzten großen Attraktionen für Kinder und Jugendliche verlieren. Unna hätte anderen Städten wie Münster etwas voraus.

Man kann so oft man möchte junge Familien anwerben und dafür begeistern, nach Unna zu ziehen. Wenn man diesen Familien nichts bietet, dann sind alle Versuche zum Scheitern verurteilt. Denn mit zahlreichen Arbeitsplätzen für Hochqualifizierte kann Unna nicht glänzen.

Dieses Jahr gibt es trotz aller Bemühungen kein Eis. Das ist Fakt! Die Maschine ist kaputt. Um allerdings die Eisbegeisterung nicht einschlafen zu lassen, gibt es eine andere Lösung: Eine mobile Eisbahn im Winter.

Kamen hat das bereits und es ist jedes Jahr eine Attraktion. Das Geld, das dieses Jahr an Energiekosten etc. gespart wird, sollte in kurzfristige Alternativen umgesetzt werden. Unser Vorschlag lautet daher:

Die „Unnaer Winterwelt“ – eine Outdoor Eisbahn während der Wintermonate:

Es würde den Bürgern dieser Stadt ein kleines Stück Eis zurückgeben. Ein passender Ort hierfür könnte zum Beispiel der Platz der Kulturen sein. Finanzierbar ist das Ganze vielleicht auch mit Geldern von Sponsoren.

Die kleinen Urlaubsguru-Flitzer (hier bei der Eröffnung des Stores). Foto: UNIQ

Dabei hat Unna viele Möglichkeiten, wie etwa der neue große Premium-Sponsor des Stadtmarketings. Das Motto des Urlaubsgurus lautet „aus Liebe zur Stadt“. Wieso werden hier keine Gespräche gesucht?

Die Junge Union Unna schlägt eine „Unnaer Winterwelt“ vor und möchte hier Gespräche führen. Wir setzen uns dafür ein, dass zumindest im eisfreien Jahr eine Eisalternative geschaffen wird. Auch wenn die Eishalle am Ende wirklich geschlossen würde, wäre das eine dauerhafte Alternative, die Unna und auch den Weihnachtsmarkt attraktiver machen.

Gespräche mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen:

Eins ist klar – Kinder und Jugendliche haben nicht nur in Unna, sondern in der Gesellschaft eine schwache Lobby, da in Räten oft nur älteres Klientel sitzt. Wir möchten uns daher als politische Jugendorganisation besonders für die Interessen der jungen Bevölkerung einsetzen und für Generationengerechtigkeit kämpfen.

Junge Menschen, wie sie zahlreich in der Eissporthalle zu Gast waren, fehlen oft die nötigen Strukturen und politisches und juristisches Knowhow. Das liegt keinesfalls an mangelndem Willen, das haben alle Beteiligten die letzten Wochen spüren können.

Um auch Kindern die Möglichkeit einzuräumen, sich Gehör zu verschaffen, möchten wir gerne einen runden Tisch, mit Vertretern aus beispielsweise politischen Jugendorganisationen, Sportvereinen, Kirchengemeinden und vielen weiteren Personen organisieren, der auch handlungsfähig ist.

Das soll dafür sorgen, dass wir gemeinsam eine starke Stimme bekommen, sodass in Zukunft in Unnas Politik mehr Entscheidungen zugunsten der Jugend getroffen werden. Wenn es letztendlich nicht bei der Eissporthalle bleibt, sollten mittelfristig echte Alternativen entwickelt werden, um Spaß und Freude in Unna zu bewahren. Natürlich hängt auch hier der Erfolg vom Engagement und Willen aller Beteiligten ab.

Protestdemo am 18. Juni 2018 vor dem Rathaus. (Archivbild RBU)

Bürgerentscheid oder Konzept entwickeln?

Die Initiative steht nun am Scheideweg: Versucht sie jetzt Unterschriften zu sammeln und einen Bürgerentscheid zu erzwingen oder erarbeitet sie selbst ein Konzept zum Erhalt?

Bei einem Entscheid nähmen sie sich beim Scheitern gleichzeitig die Möglichkeit, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Das Risiko des Scheiterns wäre zu groß. Bei einem negativen Bürgerentscheid ist damit auch eine mögliche Aufhebung des Beschlusses vom Tisch.

Somit ist die Chance, die jetzt gegeben wurde, ein noch größerer Sprung gewesen. Der Bürger wurde gehört. Ihm wird die Möglichkeit gegeben mitzuwirken. Wir finden: Ein toller Schritt ALLER Fraktionen, die dafür gestimmt haben, auch wenn zeitgleich das Ende mitbestimmt wurde.

Problem ist jedoch auch noch, dass, wenn das Konzept abgelehnt wird, es KEINE Möglichkeit mehr gibt die Eishalle irgendwie zu retten.

Die Gemeindeordnung NRW gibt Bürgern das Recht, einen Ratsbeschluss zu kippen. Dafür haben sie 6 Wochen ab Bekanntgabe des Beschlusses Zeit. Sie müssten also heute loslegen.

Sagt der Rat nun im Dezember, dass die Pläne der Initiative nicht machbar sind, so ist die Eishalle Geschichte. OHNE erneuten Beschluss.

Denn der wurde ja (einstimmig) im Juni gefasst. Es fehlt lediglich die Umsetzung (Realakt) des Ganzen. Ein Bürgerbegehren gegen den Beschluss aus Juni ist im Dezember damit ausgeschlossen. Eine weitere Diskussion wäre damit beendet.

Eishalle erhalten, ja – aber nicht um jeden Preis!

Durch das gemeinnützige Engagement würde der Vorplatz wohl kaum von Unkraut überwuchert werden, wie es heute der Fall ist. Wieso nicht mal wieder ein größeres Konzert dort stattfinden lassen? Neue Wege finden! Neue Konzepte entwickeln!

Das alles ist allerdings nur unter der Voraussetzung zu realisieren, dass die Zahlen und Pläne der Initiative auch so umsetzbar sind und der Realität entsprechen. Das muss unbedingt geprüft werden!

Die Stadt darf kein Risiko tragen und ihr dürfen keine weiteren Kosten entstehen. Denn weitere große Ausgaben können wir uns nicht leisten. Im Gegenzug dürfen der Initiative keine Steine in den Weg gelegt werden. Sie muss ihr Konzept frei entwickeln können und braucht dafür alle Informationen! Die braucht das Engagement der Bürger. Und die Bürger brauchen die Hilfe der Stadt das Konzept zu entwickeln.

Die beiden Herren machten in der Sitzung den Eindruck, als könnte ihnen ein Konzept gelingen. Zumindest könnte man offene Gespräche führen. Beide machten aber auch den Eindruck, dass sie auch realistisch genug sind zu erkennen, wenn es doch nicht geht. Aber dieser Kampf und diese Leidenschaft zeigen, dass die Bürger und vor allem die Jugend, sich nicht mit allem zufriedengeben sollten!

Das Bornekampbad Unna. (Archivbild RBU)

Es sollte den Bürgern dieser Stadt die Möglichkeit gegeben werden, auch mal etwas Verrücktes und Außergewöhnliches zu versuchen. Das ist schon einmal gelungen im Bornekampbad.

Gelingt das diesmal nicht, hat die Stadt aber mindestens für einen Ersatz zu sorgen und sollte sich bemühen, die Jugend nicht noch weiter zu vernachlässigen. Zusätzlich schlägt die Junge Union eine „Unnaer Winterwelt“ vor, um die Eisbegeisterung zu erhalten.

Für die Junge Union Unna im Juli 2018: Niko Dahlhoff, Vera Melisande Volkmann, Ivan Jurić


Berichte zur Eishallenentscheidung:

Politik lenkt zögernd ein – Aus für Unnas Eishalle liegt bis zum Winter auf Eis

Grablicht und Trauerbrief an der Eishalle – Politische Statements vor dem Ratsbeschluss zum Aus

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