Das Favoritensterben Unnaer Bauprojekte – und was das alles trotzdem kostet…

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Grün ist die Hoffnung - aufgeschoben ist vielleicht doch nicht aufgehoben...? (Symbolbild: Pixabay)
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Reihenweise cancelt die Stadtverwaltung akut umfangreiche Bauprojekte, die sie zuvor mit Ehrgeiz und Verve vorangetrieben hat – buchstäblich teils jahrelang. Was jetzt plötzlich doch nicht gebaut wird (oder erst „irgendwann später“ in nebulöser Zukunft), kostet die Steuerzahler trotzdem teures Geld.

Fall 1: Flüchtlingsheim an der Kamener Straße.

Der Flüchtlingsheim-Altbau an der Kamener Straße. (Archivbild RBU)

Geplant seit: September 2017.

Veranschlagte Kosten: 2,4 Millionen Euro reine Baukosten.

Aktueller Realisierungsstatus: „Beratung verschoben“ –

  • … dieses hochumstrittene und politisch brisante Bauvorhaben fand sich im April noch auf der Prioritätenliste umfangreicherer Investitionen wieder, die Bürgermeister Werner Kolter seine Verwaltung als Vorschlag für die Politik erarbeiten ließ. Der Neubau solle möglichst „kurzfristig“ nach Förderbestätigung angepackt werden, hieß es darin noch. Als die Eishallendiskussion hochkochte, schlug der Bürgermeister dem Haupt- und Finanzausschuss überraschend vor, den Flüchtlingsneubau von der Investitionsliste herunterzunehmen und nach den Sommerferien gesondert zu beraten. Dazu werde es dann eine neue Beschlussvorlage geben. Die Freie Liste Unna (FLU) hat bereits der Planung vorab als einzige Fraktion nicht zugestimmt, später folgte die CDU mit der Weigerung, weiter über dieses Bauprojekt zu reden – das werde sie erst dann tun, wenn der Haushalt ohne Steuererhöhungen gesichert sei. „Also nie“, spotteten Leser bereits im Netz.

Bisherige Planungskosten dennoch: 59.000 Euro (Quelle: Bürgermeisterreferent Oliver Böer).

 

Fall 2: Erneuerung der Rathaustreppe (Katharinenplatz zum Rathaus).

Die Treppe vom Bahnhofsvorplatz zum Rathaus- und Katharinenkirchplatz hinauf. (Archivbild RBU)

Geplant seit: 2015.

Veranschlagte Kosten: Erst 250.000, dann 315.000 (davon 80 Prozent gefördert – reell 67.000 Euro für die Stadt), jetzt – per einzigem Angebot auf die Ausschreibung – über 600.000 Euro.

Realisierungsstatus: Gekippt –

  • … und zwar eiligst seitens der Bauverwaltung, die die Ausschreibung sofort stoppte und am Montagabend die Politik im Stadtentwicklungsausschuss darüber informierte. SPD-Ratsherr Dreisbusch nahm für seine Fraktion sofort Abstand von der weiteren Planung.

Bisherige Planungskosten dennoch: rund 50.000 Euro (Quelle: Bürgermeisterreferent Oliver Böer lt. Auskunft von Freitag, 6. 7.).

Fall 3 (und gleichzeitig 4): Bürogebäude und „Premium-Parkhaus“ am Bahnhof.

Der Entwurf für das Bürogebäude.

Geplant seit: Juni 2017 (durch die städtische Tochter Wirtschaftsbetriebe Unna/WBU), mit eigener Ausschreibungsbroschüre, Architektenwettbewerb und Prämierung der Siegerentwürfe im November 2017.

Veranschlagte Kosten: 10 Millionen Euro für das Bürogebäude, 5 Millionen für das begleitende Parkhaus.

Realisierungsstatus: Auf Eis gelegt –

  •  … denn die Kalkulation des Siegerentwurfs für das Bürogebäude ergab tatsächliche Baukosten, die gut 25 Prozent über dem per Ausschreibung festgelegten Limit liegen würden. Aufgrund der völlig unkalkulierbaren weiteren möglichen Kostensprünge nimmt die WBU von einer Realisierung des Bürogebäudes zum derzeitigen Moment Abstand – so der Beschluss im WBU-Aufsichtsrat am 18. Juni. Damit liegt zugleich das sog. „Premium-Parkhaus“ als zweiter Baustein dieses Gesamtkomplexes auf unbestimmte Zeit auf Eis.

Bisherige Planungskosten dennoch: Darüber lässt sich bisher nur spekulieren, da die von unserer Redaktion erbetene Auskunft bei der Rathauspressestelle bis Freitagabend noch nicht eingegangen war.

Grob geschätzt (auf der Basis von Vergleichswerten) dürfte die Planung der beiden „ambitionierten Projekte“ (WBU-Chef Mölle im Juni 2017) eingeschlossen des Architektenwettbewerbs auf jeden Fall eine sechsstellige Summe gekostet haben. Gerüchtehalber sollen es sogar mehrere Hunderttausend Euro sein. Dies wurde aber offiziell bisher nicht bestätigt. Die WBU betonte in ihrer kurzen Pressemitteilung über den Verzicht auf einen derzeitigen Bau, man könne die fertigen Pläne jederzeit aus der Schublade holen.

Weiterhin in der Planung sind… (einige Beispiele):

Neue Realschule auf dem Freizeitbad-Areal… (27 Mio. Euro)…. neu gestalteter Platz am Morgentor/Oller Kotten….. (726.000 Euro)….. Sanierung der Fußgängerzone…. (rund 2,2 Mio. Euro…. Sanierung der Eselsbrücke…. (400.000 Euro)…. Neues Grundschulgebäude und Kita am Hertinger Tor…. – wird fortsetzt….

 

 

 

 

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2 KOMMENTARE

  1. Ist halt das Ergebnis jahrzehntelangen Filzes. Wenn Posten nach Parteibuch besetzt werden ist es nicht verwunderlich dass bei Amtsantritt der Job noch nicht so gut läuft. Gibt es auch in der freien Wirtschaft . Im Gegensatz zur freien Wirtschaft sind diese Leute aber ihre Aufgabe schnell wieder los. Anders in der Verwaltung. Selbst nach jahrelanger Ausführung der Aufgabe werden Fehler gemacht die eigentlich nicht mehr vorkommen dürften. Aber warum auch dazulernen, der Job ist sicher und Geld spielt keine Rolle, kommt ja vom Steuerzahler. Und bitte nicht blenden lassen von der Rücknahme der Prio Liste zum Thema Flüchtlingsneubau. Ist nur um das Projekt derzeit aus der Schusslinie zu nehmen, kommt aber mit Sicherheit wieder auf die Tagesordnung da Lieblingsobjekt dieses BM.