Unnas gefrorenes 15 Mio.-Bahnhofsprojekt für 1/2 Mio. Planungskosten – Das sagt die Politik

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Das ambitionierte 15 Mio.-Projekt am Unnaer Bahnhof ist fertig durchgeplant, aber bis auf Weiteres eingefroren –

und mit ihm knapp eine halbe Million bisheriger Planungs- und Architektenwettbewerbskosten.

Der Entwurf für das Bürogebäude.
Der Siegerentwurf für das Parkhaus stammt vom Unnaer Architektenbüro Kimpel. (Grafiken: Stadt Unna)

Was nun?

Das fragte unsere Redaktion die Vorsitzenden der Unnaer Ratsfraktionen und fraktionslosen Ratsvertreter. 

Von den Grünen bekamen wir keine Antwort.

Andreas Voß, SPD (Fraktionsgeschäftsführer):

„Aus Sicht der SPD- Fraktion ist der Stopps des Projekts durch die Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) eine zu diesem Zeitpunkt notwendige und richtige Entscheidung.

Richtig deswegen, da die Kostensteigerung aufgrund der aktuellen Baupreissteigerungen nicht vertretbar ist.

Die Tatsache einer überhitzen Situation im Bausektor bringen zu viele Kostenrisiken und Unwägbarkeiten in der Durchführung des Projektes mit sich.

Wer in und für Unna über wichtige Projekte entscheidet, benötigt detaillierte Planungen. Der SPD Fraktion ist klar, dass diese Planungen bspw. entsprechend der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) auch zu vergüten sind.

Wer qualifizierte Entscheidungen möchte, benötigt detaillierte Planungen und muss dafür entsprechendes Geld aufwenden.

Kommt Politik auf Basis dieser detaillierten Planungen nun zu dem Entschluss, dass die Kosten in der momentanen Situation nicht verantwortbar sind, wie in angefragtem Fall geschehen, dann haben diese Planungen einen grundlegenden Teil ihrer Aufgabe erfüllt.“

Rudolf Fröhlich, CDU:

„Es ist bedauerlich, dass sich momentan alles so entwickelt. Meines Erachtens wäre es eine gute Entwicklung gewesen, die geplanten Gebäude zu bauen, weil es eine gewinnbringende Investition für die Stadt gewesen wäre.

Leider kann niemand in die Zukunft schauen, so dass wir alle momentan von den Realitäten (konjunkturbedingte Entwicklung der Baukosten) überrollt werden. Das war so nicht vorhersehbar und das wird es auch bei künftigen Planungen nicht sein.

Zunächst traf es die Rathaustreppe (für die sogar Fördermittel des Landes in Höhe von 70 % der veranschlagten Baukosten zur Verfügung gestanden hätten), jetzt also Bürogebäude und Parkhaus am Bahnhof.

Dennoch ist es vernünftig, bei der gegebenen Preisentwicklung das Projekt zu stoppen, weil es sich nun für die Stadt nicht mehr rechnen würde. Es heißt nun: Abwarten, wie sich die Baukosten zukünftig entwickeln.

Noch eines:

Jetzt steht natürlich die Ausgabe für die Planungskosten möglicherweise in der Kritik. Ich gebe zu bedenken, dass solche Dinge auch zukünftig passieren können. Künftig keine Projekte mehr zu planen wäre sicher auch keine Alternative, denn das bedeutet Stillstand. Die Krux liegt in den langen Planungsvorläufen, die sich bei solchen Projekten über mehrere Jahre erstrecken können.

Wer jetzt Schuldzuweisungen treffen möchte, der sollte auch sagen, wie es anders geht! Denn diese Problematik wird uns auch bei künftigen Projekten beschäftigen müssen.

Hoffen wir also, dass die hier angesprochene Planung in der Zukunft realisierbar wird. Dann wären die Ausgaben nicht „umsonst“ gewesen.“

Klaus Göldner, Freie Liste Unna (FLU):

„Natürlich, fast eine halbe Million an Planungskosten sind sehr viel Geld für den Konzern Unna. Dennoch ist diese Summe, gemessen an der geplanten Gesamtinvestition von 15 Millionen, mit ca. 3 Prozent als durchaus normal anzusehen.
Das Gebäude sollte für einen dauerhaften Ankermieter erstellt werden und war von der großen Mehrheit der Unnaer Politik gewollt. Durch die stark gestiegenen Baukosten müßten die Wirtschaftsbetriebe den späteren Mieter jedoch dauerhaft subventionieren, da sich die tatsächliche Kostenmiete am Markt zurzeit nicht mehr realisieren lässt.
Trotz zuvor eingeplanter Reserven scheint es deshalb momentan geboten, das Projekt zu schieben.
Wir hoffen alle, dass Aufgeschoben nicht Aufgehoben ist und die Pläne zu einem späteren Zeitpunkt verwirklicht werden können. Fast 500.000 Euro für nix wären niemandem zu vermitteln. Schon gar nicht im Rahmen der aufgeheizten Diskussion um die Haushaltssanierung, die Eissporthalle oder andere bereits geplante und stornierte Bauprojekte.“

Petra Ondrejka-Weber, Die Linke:

„Wir haben uns gegen den Bau des Geschäfts- und Parkhauses entschieden, vorwiegend auch, weil die Situation der Park & Ride Nutzer überhaupt nicht berücksichtigt wurde.

Zum Sachverhalt: Der Bau des Geschäfts- und Parkhauses war genau so ein Schnellschuss wie viele andere große Projekte auch. So ist den Mehrkosten für die Stadthalle im Eilverfahren ein positiver Bescheid von Rat abverlangt worden, wie seinerzeit bei der Katharinentreppe oder auch bei dem Neubau der Hellweg Realschule.

Wir haben deshalb um eine Projektliste der schon begonnenen und der geplanten Projekte gebeten. In dem vorliegenden Fall – dass die Katharinentreppe und das Geschäfts- und Parkhaus nicht gebaut werden können, weil die Baukosten zur Zeit ausufern und kostenmäßig nicht zu leisten sind – fragen wir uns natürlich, wie das bei den anderen Projekten wie Stadthalle, Hellweg Realschule etc. aussieht.

Wie Sie schon andeuten (im vorangegangenne Rundblick-Bericht; d. Red.), die Liste kann verlängert werden. Uns stellt sich außer der Frage, ob die Planungsunterlagen zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich noch genutzt werden können – was ich für eine sehr lapidare Antwort von Herrn Boer halte – die nach den schon zugesagten und zweckbestimmten Fördergeldern. Müssen diese zurückgegeben werden, und wie verändert sich damit der Haushalt?“

Günther Schmidt, FDP:

Was lange währt, wird endlich gut, oder auch nicht.

Die Idee, ein weiteres Gebäude auf dem Busbahnhof zu bauen, ist nicht neu, diese Möglichkeit wurde schon bei der Planung des „Bahnhofsturms“ mitbedacht. Ein Bau sollte natürlich erst dann erfolgen, wenn es einen entsprechenden Bedarf gäbe.

Ein entsprechender Bedarf wurde vor gut 2 Jahren seitens eines möglichen Mieters und der Stadt gemeldet, woraufhin die Planungen beauftragt wurden.

Die ersten Kostenschätzungen, denen ein entsprechender Mietzins zugrunde lag, werden von den heutigen Baukosten um 25 % überschritten. Der Bau könnte verwirklicht werden, wenn sich jemand findet, der eine entsprechend hohe Miete zahlt.

Aktuell ist eine Realisierung eher unwirtschaftlich. Die Planungen können aber jederzeit wieder aufgenommen werden wenn sich ein solventer Mieter finden lässt.

Noch extremer lag der Fall bei der Bahnhofstreppe, bei der das einzige Angebot 100% über den kalkulierten Kosten lag. Etwas irritierend, dass man mit den Kostenschätzungen so extrem daneben lag – hier sollten die Verantwortlichen auch im Vorfeld deutlich näher im Zielkorridor liegen.

Nach einer intensiven Grundreinigung und Pflege des bestehenden Umfelds sähe die Treppe sicher schon wieder viel einladender aus.“

Bärbel Risadelli (SPD), als Fraktionslose im Rat:

Dass das geplante Verwaltungsgebäude und auch das Premiumparkhaus zunächst nicht realisiert wird, nehme ich zur Kenntnis und das ist auch eine Vernunftentscheidung. Allerdings drängen sich bei mir Fragen auf, die ich erst einmal nicht selbst beantworten kann.

Das ambitionierte 15-Mio-Euro-Projekt wurde über ein Architektenausschreiben ins Leben gerufen. Für ein Parkhaus und auch Bürogebäude 15 Mio? Wenn ich dann ein neues Schulgebäude zum Vergleich mit ca. 27 Mio ansetze, dann ist die Kosteneinschätzung für das Bahnhofsviertelprojekt sehr mutig.

Woher kommt diese Einschätzung? Hat das die WBU so Pi mal Daumen eingestuft oder wurde da ordentliches Zahlenmaterial zugrunde gelegt und von wem?

Wenn diese Summe als Vorgabe (Parkhaus 5 Mio, Bürogebäude/Wohnhaus 10 Mio) in einem Wettbewerb geben wird, kann ich nicht nachvollziehen, wie der Gewinner für das Bürogebäude mit 25 % Mehrkosten plant. Auf dem Deckel hätte z.B stehen müssen – 10 Mio und nicht mehr!

Bundesweit explodieren gerade die Baukosten durch den Bauboom. Die Kostensteigerung wird Bundesweit mit 4,2 % beziffert. In Unna explodieren die Preise aber jetzt um ein Vielfaches.

Wenn jetzt das Projekt in der Schublade schlummert, um es, wenn gewollt und auch gestemmt werden kann, wieder hervorzuholen, dann frage ich mich allerdings, was soll es dann kosten? Jedes Jahr, das verstreicht, wird in der Endsumme mit 10 % Mehrbelastung kalkuliert werden müssen. Dann muss die Zinsentwicklung abgewartet werden. Bleibt der Zinssatz auf diesem schwachen Niveau?

Nicht zu vergessen: Bis die Pläne wieder entstaubt werden können, wird es einen neuen Rat geben! Wie der sich zusammensetzt, steht in den Sternen. Auch die Verwaltungsspitze wird anders besetzt sein! Will der neue Rat dann überhaupt ein solches Projekt noch umsetzen?

Diese Frage stellt sich bei mir auch für alle anderen Projekte, die derzeit auf Eis gelegt worden sind. Ein neuer Rat muss sich bekanntlich nicht an die Beschlüsse seiner Vorgänger halten.
Last, but not least – braucht Unna wirklich ein solches Bürogebäude nebst Premiumparkhaus?“

Christoph Tetzner, fraktionslos:

Was nützen uns Projekte, die schön, aber der Finanzlage der Stadt nicht angepasst sind? Klar war, dass maximal 10 Mio. € für das Verwaltungsgebäude zur Verfügung stehen und dass dies auch Ausschreibungsgegenstand war.

Bei diesen Zahlen fragt man sich nun zu Recht: Hat hier jemand gewonnen, weil er schön bauen wollte, aber die Rahmenbedingungen nicht eingehalten? Hier sollte nochmal auch ein Jurist drüber schauen, ob man da nicht was gegen tun kann!

Denn 10 Millionen waren die Maximalsumme des Bürogebäudes. Ich glaube, ein schlichterer Bau für unter 10 Mio. € hätte nicht nur Geld gespart, sondern auch den Ertrag bei der Vermietung gesteigert.“

 

 

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5 KOMMENTARE

  1. Antworten, die nicht anders zu erwarten waren. Enttäuschend der Kommentar von H. Göldner der sich in jüngster Vergangenheit eher als „Klardenker“ ausgezeichnet hat. Natürlich sind die Planungskosten in Relation zu den Gesamtkosten im Rahmen. Natürlich ist die Überlegung den Busbahnhof zu überbauen nicht neu. Die Frage ist aber dann warum wurde mit großem Aufwand der Busbahnhof erst gebaut und in der Ausführung vom Bund der Architekten ausgezeichnet. Zitat: bildet der Zentrale Busbahnhof ein einladendes und zeichenhaftes Entree zur Kreisstadt Unna.Zitat Ende. Also was soll das? Ankermieter? Wer ist da gemeint, Unternehmen die mit gebrauchten PC am Markt auftreten? Oder doch der 3te Ankermieter, die Stadt Unna selbst. Wer dann bitte bezahlt die Ankermiete??? Das Thema in wieweit die Stadt ein Premiumparkhaus für SUV Fahrer braucht spare ich mir hier. Des Weiteren gibt es dann immer noch das endlose Thema der Gestaltung der Viktoria Brache. Fand da nicht heute eine Infoveranstaltung statt zur Bebauung eines Bürogebäudes, von der Politik bereits abgesegnet?? Vielleicht aber auch eine Falschinfo. Zumindest hat auf der Brache die Stadt bisher ihre Chance vertan hier nicht nur ein zukunftsträchtiges Verkehrskonzept zu installieren sondern für die Bürger eine Lösung hier zu finden statt abgehoben von der Realität irgendwelche fiktive Bauprojekte zu planen.

    • Hallo Gremling, zu Viktoria nur kurz: Wenn ein angeblicher Investor eines Bürogebäudes über eine vorgeschaltete Pressekonferenz, in der er als Investor namentlich genannt ist, weder selbst eingeladen ist noch überhaupt darüber Bescheid weiß, erübrigt sich zunächst jede weitere ernsthafte Informationsveranstaltung. VG!