Neuer Mietspiegel für Unna: Größter Preissprung bei Altbauten – „Markt ist angespannt“

1
1495
Fachwerkansicht von Unna. (Archivbild RBU)
Facebookrss

Die Spanne erstreckt sich von 2,85 Euro – für eine Altbauwohnung sogar noch  ohne Heizung oder Bad – über 4,40 Euro (Altbau, schlicht) bis 8,15 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete für eine neuere oder Neubauwohnungen mit gehobener Ausstattung. Die Stadt legt einen neuen Mietspiegel für Unna vor.

Er ist seit dem 1. Juli 2018 in Kraft und weist gegenüber dem geltenden (von 2016) mäßige bis deutliche Verteuerungen aus. Am stärksten preislich angezogen – über 6 Prozent – haben Wohnungen in Altbauten bis zum Baujahr 1971.

„Bedingt durch eine stetig steigende Nachfrage nach günstigem frei finanziertem Wohnraum kann der Wohnungsmarkt hier schon als angespannt bezeichnet werden“, führt die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage aus. Vor allem Hartz IV-Empfänger seine auf diese Wohnungen im unteren Mietensegment angewiesen.

„Die …  Höchstgrenzen für die Übernahme von Mietkosten liegen in diesem Segment und lassen im Regelfall keinen Überstieg zu“, weiß die Stadt um den immer schärferen Konkurrenzkampf um diese billigen Wohnungen. Auslaufende Bindungen des öffentlich geförderten Wohnungsbaus erhöhen den Preisdruck weiter.

Im Gegensatz dazu entwickeln sich die Mietpreise der Baujahre 1972 bis 1999 mit durchschnittlich unter einem Prozent Steigerung „sehr gemäßigt“ und bewegen sich „weit unterhalb der Entwicklung der Lebenshaltungskosten in NRW“. Einer der Gründe, vermutet die Stadt, sei wohl, dass diese Wohnungen für Hartz IV-Empfänger so gut wie nie in Frage kämen, da sie die Mietpreisobergrenzen übersteigen.

Den teuersten Teilmarkt bilden nach wie vor Neubauwohnungen:

„Mit einer relativ hohen Nachfrage von einkommensstarken Haushalten bewegen sich die Mieten weit oberhalb der Preisspannen des übrigen Marktes“, heißt es in den Anmerkungen zum neuen Mietspiegel. So ist eine Neubauwohnung rund 36 % teurer als eine gleich große Wohnung des darunter liegenden Segments (bis Baujahr 2000). Pro Quadratmeter zahlt der Mieter im Neubau 2,15 Euro mehr – ohne Nebenkosten – als der Bewohner einer älteren Wohnung.

Der neue Mietspiegel soll für die Zeit vom 01.07.2018 bis zum 30.06.2020 gelten.

Bedeutung eines Mietspiegels

Grundsatz: Durch die neutrale Feststellung der örtlichen Mietwerte soll eine Versachlichung im Mieterhöhungsverfahren zwischen Vermieter und Mieter erreicht werden.

Zivilrecht: Der Mietspiegel hat eine hohe Bedeutung bei Amts- und Landgerichten für die Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete im Zustimmungsprozess (neben Gutachten und Vergleichswohnungen).

Strafrecht: Die Mietspiegelwerte stellen auch Grenzwerte bei Neuvertragsmieten dar, obwohl hier grundsätzlich Vertragsfreiheit gilt. In Mietpreisüberhöhungsverfahren hat der Gesetzgeber mit § 5 Wirtschaftsstrafgesetz und § 302 Strafgesetzbuch entsprechende Sanktionsmöglichkeiten geschaffen.

Öffentliches Recht: Verwaltungsgerichte bzw. Sozialgerichte bedienen sich des Mietspiegels in Wohngeld- und Sozialhilfestreitigkeiten.

(Quelle: Stadt Unna)

Facebookrss