Eishallenbegehung mit desolatem Ergebnis – Techniker der Bürgerinitiative rät: „Abreißen“

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Abbruchstimmung in der Eissporthalle. (Foto: Rundblick Unna)
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„Abreißen.“

Christoph Wetzel, Kältetechniker aus Köln, sagt es unverblümt: Die Eissporthalle Unna ist nach seiner Einschätzung ein Großsanierungsfall. Von der Technik her: ein Abrissfall.

„Das werden einige nicht gern hören“, räumte der Fachmann aus Köln am Montagnachmittag fast mit einem Anflug von schlechtem Gewissen ein. Doch „meine Aufgabe ist es hier nicht, Dinge schön zu reden.“

Was er konkret mit der Empfehlung „abreißen“ meinte? „Alles“, sagte Wetzel explizit auf Nachfrage unserer Redaktion vor Ort, doch bei der Nachbesprechung mit den BI-Vertretern habe er das später eingegrenzt auf die Kältetechnik, informierte uns am frühen Abend noch Wilhelm Ruck von den Hallenbewahrern.

Christoph Wetzel, von der BI bestellter Kältetechniker aus Köln.

Gleichwohl schüttelte der externe Kältefachmann bei der Besichtigung der Eissporthalle am Montagnachmittag immer wieder verhalten den Kopf angesichts dessen, was er da sah und hörte.

Ob er die Eissporthalle Unna vorher schon gekannt hätte? „Nein, ich bin heute das erste Mal hier. Ich mache mir ganz unvorbelastet mein Bild.“

Als unabhängigen Experten hatte die Initiative „UNNA.braucht.EIS“ den Techniker aus dem Rheinland zu der  Besichtigung mitgebracht, zu der die Stadt am Freitag überraschend kurzfristig die Initiative selbst (mit ihrem gewünschten unabhängigen Techniker) sowie die Presse eingeladen hatte. Lokale wie überregionale Presse, so dass es voll wurde in den Technikräumen.

Ebenfalls mit dabei: Das Pächterehepaar Silvia und Uwe Kuchnia (Ice & Fun GmbH). Kuchnias müssen die Halle bis zum 31. Juli räumen.

Die Eishallenpächter Silvia und Uwe Kuchnia.
Thorsten Speck erklärte vor Ort den Zustand der Kältetechnikanlage.

Das Urteil des mit Eissporthallen erfahrenen Kältetechnikers aus Köln teilte sein Kollege Thorsten Speck, Regionalleiter von Friotherm (industrielle Kälteanlagen). Er betreut die technischen Anlagen der Unnaer Eissporthalle im Auftrag der Wirtschaftsbetriebe Unna (WBU) seit vielen Jahren.

Gleichfalls als Wissender aus langjähriger Erfahrung mit bei der Begehung dabei war Georg Nicolaiciuc, früherer Prokurist der WBU und auch der Stadtwerke. Er übernahm die technische Bewertung der Heizungsanlage.

Georg Nicolaiciuc zum Zustand der Heizung: „Die Anlage muss komplett erneuert werden.“

„Die Heizung müsste in jedem Fall erneuert werde“, sagte er klar und eindeutig, „aber ebenso das Dach, die komplette Fensterfront…“

Er erinnerte an die Kostenaufstellung beim „Eisgipfel“ im Sommer 2015, die den Gesamtsanierungsbedarf auf 2,1 Mio. Euro beziffert hatte.

Das größte Problem käme allerdings mit der Eisbereitung auf die Bürgerinitiative zu.

So stellte Thorsten Speck bei der Besichtigung der Kälteanlage eine niederschmetterende Diagnose: Sie ist faktisch hinüber.

  • „Die sicherheitsrelevanten Absperrventile schließen ncht mehr dicht ab“, begann Speck seine Aufzählung, es liege offenbar fortgeschrittene Korrosion vor.
  • Die Ammoniakbehälter sind ebenfalls korridiert – sprich durchgerostet.
  • Die Rückkühlung… „Die  ist in einem Zustand, der wirklich gar nicht mehr geht.“
  • Die Schaltschrankanlage ist auch nicht mehr auf dem Stand, auf dem sie sein sollte – „ich war bei der letzten TÜV-Abnahme 2017 dabei.“
Experten unter sich im Kältetechnikraum: Christoph Wetzel (li.), Thorsten Speck.

Verrostete Behälter, undichte Ventile, veraltete 1977er-Jahre-Technik…

„Wir leben vom Geschäft. Wir reparieren gerne“, machte der Kältetechnikexperte klar. „Aber man muss fragen: Was macht noch Sinn.“ Zumal es einige Ersatzteile nicht mehr auf dem Markt gebe.  Specks wahrscheinlichstes Szenerio: „Vermutlich Totalsanierung.“

An diesem Punkt warf Andreas Pietsch als anwesender Vertreter von „UNNA.braucht.EIS“ mit Vehemenz und Bitterkeit ein:

Von der Initiative „UNNA.braucht.EIS“: Andreas Pietsch (li.), Wilhelm Ruck.

„Wenn ich das mir so anhöre, drängt sich mir EINE Frage auf: Wieso ist seitens der WBU nicht investiert worden?“

Dazu verwies Georg Nicolaiciuc, der sich einer offiziellen Bewertung des Hallenzustands enthielt, auf den Pachtvertrag, in dem klar geregelt sei, welcher Vertragspartner sich um was zu kümmern hätte. „Alles, was mit Sicherheit zu tun hatte, haben wir übernommen.“

Auf Bitte unserer Redaktion gab der langjährige WBU-Prokurist seine persönliche Einschätzung zum Zustand der Eishalle und zu den Erhaltungsbestrebungen der Bürgerinitiative ab. 

An die Bande der früheren Eisfläche gelehnt, seufzte Nicolaiciuc zunächst einmal tief. Und seufzte dann nochmal nach einem längeren Schweigen mit Blick rundum durch die riesige Halle:

„Ui jui jui. Wer sich das ans Bein bindet… Das ist kein Bornekamp. Es ist alles viel zu groß.“

Lesen Sie auch unseren Bericht vom Wochenende mit weiterführenden Links zum Thema – HIER.

HIER eine Bildergalerie von der Besichtigung – alle Fotos: Rundblick Unna.

 

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8 KOMMENTARE

  1. Habe zum Glück recht früh ein Haus gebaut, so vor 40 Jahren. Seit dem spare ich eine Menge an Mietkosten. Auch sonst habe ich noch nicht viele Ausgaben gehabt. Gut, die Heizung ist ein wenig in die Jahre gekommen, hin und wieder defekt und verbraucht das Dreifache einer modernen Heizung. Aber die können wir uns nicht leisten, schließlich wollen wir im Herbst noch für 3 Wochen auf die Malediven. Ist wichtiger als einen neue Heizung. Hätte besser auch auf den Architekten hören sollen, aber Kunststofffenster waren ja noch nicht so in Mode. Meine Holz Fenster sind leider ein wenig verrottet, es zieht auch schon mächtig bei Wind. Vor allem im Winter ist das lästig. Wenn man aber bedenkt was ich alles an Farbe und Lohnkosten gespart habe, da konnte ich doch so manches TV modernster Art kaufen. Gut, das Dach ist jetzt auch ein wenig undicht. Aber bei Wollwurst (oder so ähnlich) gab es neulich Eimer im Angebot, 95 Cent, die stelle ich jetzt halt dahin wo es tropft. Ich hoffe auch dass es nicht so viel regnet denn viel lieber sitze ich auf dem alten Markt und lasse mich von den Gastronomen da verwöhnen. Ich denke mal, so drei bis vier Jahre wird es noch gehen, bevor alles einstürzt. Habe dann halt Pech gehabt, aber wenn man bedenkt was ich an Unterhalt für mein Eigentum alles hätte ausgeben müssen und dafür auf die vielen andere Annehmlichkeiten hätte verzichten müssen.

  2. […] All das Inventar aus dem Besitz der Unnaer Pächterfamilie, das jetzt günstig andere Eishallen erwerben konnten und können,  müsste in Unna logischerweise wieder neu angeschafft werden, falls es der Initiative „UNNA.braucht.EIS“ gelingt, die Halle zu erhalten. Ihr Zustand ist desolat, wie eine Begehung Mitte Juli offenbarte. […]