Harte Vorwürfe von Ernst-Otto Derwald: „Bürgerinitiative hat sich gewaltig vorführen lassen“ – Weitere Begehung, sonst ist Eishalle Geschichte

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Eishallenbesichtigung am 16. Juli. (Archivbild RBU)
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Der Streit zwischen den Eishallenrettern und den Wirtschaftsbetrieben Unna (WBU) schlägt hohe Wogen. Jetzt meldet sich Ernst-Otto Derwald aus Hemmerde zu Wort – mit einem umfangreichen Statement, das auch einer Abrechnung mit der Bürgerinitiative gleicht.

Denn: Der Hemmerder war zunächst noch in führender Rolle für die damals in Gründung begriffene Initiative „UNNA.braucht.EIS“ vorgesehen gewesen.

In der Ratssitzung am 28. Juni stellte Derwald in einer viel beachteten Power Point Präsentation die unterschiedlichen Kostenkalkulationen von Stadt und Verein gegenüber und legte Alternativen für einen Weiterbetrieb dar.

Dass er danach plötzlich nicht mehr im Namen der BI in Erscheinung trat, verwunderte einige.

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Im Streit zwischen BI und WBU  meldet er sich nun mit folgendem Statement, das wir hier als Leserbrief im Wortlaut wiedergeben.

Nach dem Lesen dieses Berichtes kann der Leser nur den Eindruck gewinnen, dass die Bürgerinitiative vernichtend geschlagen wurde. Alle vorgebrachten Zweifel am Zustand der Eishalle sind ausgeräumt. Die Eishalle wird als ein totaler Sanierungsfall dargestellt, sogar der Gutachter der Bürgerinitiative rät zum Abreißen.

Völlig ratlose Gesichter runden die Angelegenheit bildlich ab.

Ein medialer Gau für die Retter der Eishalle!

Was war geschehen?

Beim Aufschlaggespräch wurde vom Bürgermeister kein konkreter Besichtigungstermin genannt, sondern man deutete an, dass eine Begehung in den nächsten Wochen, nach dem Ammoniak-Einschluss stattfinden könnte.

Ich ging also davon aus, dass kein Zeitdruck bestand und man die Ortsbesichtigung in aller Ruhe würde planen können.

Am gleichen Abend fand ein Treffen der Bürgerinitiative statt, dass die Vereinsgründung am nächsten Tag vorbereitete. Ich wurde als Schatzmeister vorgesehen.

Zu meiner Überraschung rief mich am nächsten Tag Wilhelm Ruck an und teilte mir mit, dass man ohne mich fortfahren wolle!

Die Telefonverbindung riss ab, bei der weiteren Kommunikation wurde ich ausgeschlossen, der Verein wurde viel später ohne mich gegründet und weitere Informationen habe ich nur noch über die Presse erhalten.

Am folgenden Montag wurde dann überfallartig zur Ortsbegehung eingeladen. Zufälligerweise war auch sämtliche Presse vor Ort.

Großer Medienauftrieb bei der kurzfristig angesetzten Begeghung der Eishalle am 16. Juli. (Archivbild RBU)

 

Und so beginnt dann folgendes Schauspiel:

Der Mitarbeiter des Unternehmens, das gerade den Rückbau der Kälteanlage beginnt, referiert über die Anlage, die er gerade zurückbaut.

Was soll man nun von diesem Herrn erwarten? Hier wird – ganz klassisch – der Bock zum Gärtner gemacht: Dieser Mann wird doch wohl kaum erklären, dass es sich bei den Mängeln um Kleinigkeiten handelt und man die Kälteanlage leicht wieder instand setzen könnte.

Dann müsste er seine gerade durchgeführten Arbeiten selbst als überflüssig erklären.

Er stellt statt dessen die präzise Diagnose „faktisch hinüber“!

Dann ist da noch der „Techniker der Bürgerinitiative“. Er ist Vertriebsleiter eines Anbieters für Eishallen-Kälteanlagen und will natürlich eigene, neue Anlagen verkaufen. Wird dieser Mann eine Reparatur empfehlen?

Oder anders gefragt, wenn man mit seinem vierzig Jahre alten Volkswagen liegen bleibt und den Wagen zu einem Toyota-Verkäufer schleppt, erwartet man dann, dass dieser zu einer Reparatur rät?

Nein, er wird sagen, dass er üblicherweise immer repariert, aber in diesem außergewöhnlichen Fall, wäre das leider nicht mehr möglich und er müsste zum Verschrotten raten.

Dieser Vertreter nimmt infolgedessen auch überhaupt keine Rücksicht auf Details und das erklärte Ziel seiner Auftraggeber, die Eishalle zu retten, sondern posaunt unabgestimmt in die Welt: „Alles abreißen“.

Tage später stellt er dann noch klar, dass er nur die Kälteanlage gemeint hätte! Seine Aussagen sind aber über alle Nachrichtenkanäle schon gesendet worden und werden größtenteils nicht mehr richtig gestellt.

Wer solche „Unterstützer“ hat, der braucht keine Gegner mehr!

Dann sind da noch die ehemaligen Pächter der Eishalle. Sie müssten wirklich Bescheid wissen, denn sie haben die gesamte Anlage noch bis vor wenigen Monaten betrieben.

Sie geben aber keinerlei Details preis: weder technische, noch betriebswirtschaftliche.

Ich hatte zweimal nachgefragt, aber ohne Erfolg. Warum sollten Sie sich auch äußern? Sie haben einen „vergoldeten Handschlag“ bekommen.

Was sie aber nicht davon abhält, gegen die Eishallenrettung Partei zu ergreifen.

Dann gibt es da noch die beiden Prokuristen der WBU. Sie sind allerdings so wenig mit der aktuellen Eishallenthematik vertraut, dass der alte Prokurist aus dem Ruhestand geholt werden musste.

Dieser Herr spult aber auch nur die altbekannte Kostenaufstellung der Stadt herunter, was soll er auch anderes machen?

Hier hätte die Bürgerinitiative im Detail nachfragen müssen:

Was ist an den Verdichtern der Anlage defekt?  Was sind die Schadenssymptome? Wieso fallen drei gleichzeitig aus?

Die Anlage hat drei Verdichter, damit auch mal ein bis zwei ausfallen können, ohne dass das Eis schmilzt. Das alle drei ganz plötzlich zum gleichen Zeitpunkt ausfallen, das ist ausgeschlossen!

Die Verdichterfrage wird aber gar nicht erörtert!

Statt dessen erfährt man jetzt von neuen Mängeln:

Die sicherheitsrelevanten Absperrventile schließen nicht mehr dicht ab! Und? Dann überholt man sie oder tauscht sie aus, das kostet dreistellige Eurobeträge.

Derartige Erwiderungen unterbleiben aber … weil einfach der technische Sachverstand für derartige Fragen fehlt?!

Als nächstes ist der Ammoniakbehälter „durchgerostet“. Auch das wird grob übertrieben sein. Wenn der Behälter undicht wäre, also ein Loch hätte, dann hätte es keine Besichtigung gegeben, sondern einen Großeinsatz der Feuerwehr!!!

Außerdem hätte der TÜV so etwas bemängelt.

Die Schaltschrankanlage soll auch nicht mehr auf dem Stand sein, auf dem sie sein sollte und die Rückkühlung ist in einem Zustand, der wirklich nicht mehr geht …

Das sind Formulierungen, die einen Fachmann nicht zufrieden stellen können. Das ist Verkaufssprache und kein technischer Prüfbericht!!!

Die Bürgerinitiative in Form der Herren Ruck und Pietsch hat sich gewaltig vorführen lassen!

Schuster, bleibe bei deinen Leisten, kann man da nur sagen.

Dabei hatten sich genügend Experten auf unseren Zeitungsaufruf hin gemeldet. Wir hätten das Wissen von Ingenieuren, Ausbildern und Meistern der Kältetechnik nutzen können, die alle unentgeltlich geholfen hätten.

Warum hat man dieses geballte Wissen nicht genutzt?

Wir kommen also um einen zweiten Begehungstermin mit Experten – die die Eishalle wirklich erhalten wollen – nicht herum.

Wenn diese Totalschadensaussagen ungeprüft bestehen bleiben, dann wird die Stadt von dem beauftragten Architektenbüro einen Kostenvoranschlag über drei bis fünf Millionen anfordern, eine massive Steuererhöhung androhen und den Bürgerentscheid durch Nichterreichen des Quorums gewinnen!

Die Eishalle wäre dann Geschichte!“

– Ernst-Otto Derwald, Unna-Hemmerde.

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3 KOMMENTARE

  1. Wenn das alles so stimmt, dann stellt sich für mich die Frage nach der Motivation der „Bürgerinitiative“. Bei solch einem Verhalten ist der Sache ein Bärendienst erwiesen worden.

    Die ganze Art der Kommunikation zwischen BI, WBU und Stadtverwaltung scheint sowieso etwas dilettantisch abgelaufen zu sein. Da bleibt nur die Frage die man sich auch schon im alten Rom gestellt hat: „cui bono?“ (Wem nützt es?)

    Von einer Rettung der Eissporthalle sind wir jetzt glaube ich weiter entfernt als zuvor, zumal ja der Ausverkauf begonnen hat.