Am Beispiel Foxterrier Emil: „Darf man“ bei tragischen Unfällen auch über Tiere berichten? – JA!

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Mit diesem Plakat suchten ehrenamtliche Tierschützer nach Foxterrier Emil, der nach dem schweren Unfall auf der A2 kopflos fortgerannt war. Der Hund wurde zur grenzenlosen Erleichterung aller gefunden.
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Der furchtbare Unfall am 2. Oktober auf der A2 bei Dortmund-Lanstrop kostete die 67-jährige Beifahrerin in dem verunglückten Wohnmobil das Leben. Der 68-jährige Fahrer erlitt Verletzungen, aber er überlebte.

Und da fuhr noch ein weiteres Lebeswesen an diesem Morgen im Wohnmobil mit, Foxterrier Emil. 

Nach dem brutalen Auffahrunfall am Dienstagvormittag am Stauende in Fahrtrichtung Hannover suchte der Hund in Panik das Weite. Er rannte offensichtlich kopflos davon.

Viele freiwilligen Helfer vor Ort und das Team von „Passion4dog“ war das Schicksal des Foxis nicht egal. Sie begannen unverzüglich mit einer großflächigen Suche nach Emil, baten die Medien um Mithilfe.

Für unsere Redaktion stand es keine Sekunde in Frage, dass wir die Suche nach dem panisch fortgerannten vierbeinigen Unfallopfer in unseren Bericht aufnahmen. Wir haben allerdings jetzt erfahren, dass wir damit offenbar zu den Ausnahmen zählten, da kaum ein – wenn nicht sogar kein – weiteres Medium über Emil berichtete.

Nicht in Unkenntnis über das Verschwinden des Hundes, sondern bewusst aus Pietätsgründen, wie es z. B. die WDR-Lokalzeit auf ihrer Facebookseite auf Nachfrage einer Userin erklärte: Auf dem Hintergrund der tragischen Gesamtumstände habe man sich entschlossen, auf die Erwähnung des fortgelaufenen Hundes zu verzichten.

Aus unserer Sicht hat das eine aber nichts mit dem anderen zu tun.

Die Betroffenheit, die Trauer und das Mitgefühl über einen getöteten Menschen wird in keiner Hinsicht beeinträchtigt durch den Hinweis auf den in Panik geflüchteten Familienhund; eher im Gegenteil, ist der Hund doch der Familie und allen voran dem Unfallfahrer geblieben.

Wir sind sehr froh darüber, dass ausnahmslos alle Leser unsere Meinung teilten, zumindest erreichte uns keine Kritik oder gar ein Vorwurf. Statt dessen erreichte uns ein Dank – an die Helfer und auch an uns gerichtet – auf unserer Facebookseite, den wir unten wörtlich wiedergeben.

Von unserer Redaktion kurz grundsätzlich noch einmal zum Thema „Tragische menschliche Unglücke und Tiere“:

Wenn wir über Unglücke berichten, in denen neben Menschen auch Tiere zu Schaden kamen oder involviert wurden,  erwähnen wir immer auch – in sachlicher, nachrichtlicher Formulierung –  den Ausgang für das Tier. Einfach, weil ein Tier ebenfalls ein Lebewesen ist, das Schmerz, Stress, Panik empfindet.

So halten wir es auch bei Wildunfällen. Als etwa im vorigen Jahr im Kreis Soest ein Motorradfahrer bei einem Reh-Unfall tödlich verletzt wurde, war im Polizeibericht nichts über das Tier erwähnt. Auch dies geschah aus Pietätsgründen. Wir haben nachgefragt und unseren Lesern mitgeteilt, dass auch das Reh bei dem Zusammenprall getötet worden war.

Diese kurze Zusatzinformation relativierte die Tragik des Todes jenes jungen Bikers nach unserer Überzeugung in keiner Weise.

Ein User in unserer Facebook-Community schrieb heute folgenden Dank unter unseren Bericht über den tödlichen Wohnmobilunfall und die Suche nach Foxterrier Emil – die gestern einen glücklichen Ausgang nahm, der Hund wurde wohlbehalten aufgefunden:

„Dankeschön an Antje Henze von Passion4dog mit ihrem Team im Hintergrund, die sofort alles Ihnen mögliche in Bewegung gesetzt haben, damit Emil wohlbehalten wieder bei seiner Familie ist.
Der Beistand vom gesamten Team und durch Sonja Duval, die immer ein offenes Ohr hatten.
Die Orga Perros de Catalunya, die im Hintergrund sofort ihre Hilfe angeboten hat.
Die vielen freiwilligen Helfer, die vor Ort geflyert haben.
Auch ein Dank an Rundblick Unna, die als einzige den Hund in der Presse erwähnt haben.
Ich hoffe inständig, dass Emils Herrchen schnell wieder genesen wird.
In Gedanken bei den Angehörigen wünsche ich ihnen viel Kraft für die kommende Zeit.
Danke!!!“

– Das Rundblick-Team schließt sich den herzlichen Wünschen an.

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5 KOMMENTARE

  1. Ich bin erstaunt und fast schon entsetzt, dass es in diesem Fall überhaupt verschiedene Meinungen gibt!!
    Der Mensch hat sich um seine Tiere zu kümmern und sie kümmern sich um ihn, insbesondere in diesem Fall bei der Trauerbewältigung? Wie kann man da aus vermeintlichen Pietätsgründen so eine Meldung zurückhalten?