Kolter hilft 3-Mio.-Unterkunft knapp über Hürde: Linke weicht vom Ja ab, SPD-Ratsfrau schert aus

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Die Flüchtlingsunterbringung an der Kamener Straße (Baujahr 1956) wird in der Auflistung der noch vier städtischen Unterbringungen mit dem schlechtesten Zustand beschrieben und soll deshalb auch abgerissen werden und einem Neubau weichen.
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Mit 10 zu 8 wurde es doch noch überraschend knapp.

Mit zwei Stimmen Mehrheit hat die umstrittenene städtische Unterkunft an der Kamener Straße am Donnerstagabend die Hürde im Haupt- und Finanzausschuss genommen. Verwaltungschef Werner Kolter spielte die Trumpfkarte „Bürgermeisterstimme“ aus und votierte selbst mit, denn die Sache hätte auch noch mal anders ausgehen können:

Die Linke (in Person der Fraktionsvorsitzenden Petra Ondrejka-Weber) zog überraschend ihre vormals so vehemente Zustimmung zu dem Millionenprojekt zurück und enthielt sich, die SPD sah ihre geschlossene Front von Ratsfrau und Oberstadt-Orsvorsteherin Ingrid Kroll durchbrochen:

Ingrid Kroll, SPD. (Foto RBU)

Diese verließ diesmal nicht vor der Abstimmung den Ratssaal und enthielt sich auch nicht der Stimme (wie bei früheren Streitthemen vorgekommen), sondern sie stimmte offen gegen den Neubau.

Gemeinsam mit CDU, FLU und FDP, was denn entsprechend knapp nicht reichte. Kroll hatte sich auch bei der Diskussion um das Aus der Eishalle der Parteilinie bereits verweigert (wir berichteten).

Stimmen aus der Sitzung.

Rudolf Fröhlich, CDU. (Foto: CDU Unna)

Rudolf Fröhlich, CDU:

„Wir haben nicht nur die Ablehnung ausgesprochen, sondern alternative Vorschläge gemacht. Ein weiteres Argument möchte ich hier noch einmal neu nennen: In diesem Bereich (zwischen Königsborn und Kamen, d. Red.) wird gerade ein interkommunales Gewerbegebiet erschlossen. Wohnen an der Stelle ist aus Sicht einer Wirtschaftsförderung kontraproduktiv. Weil diese Flächen dann für Gewerbe nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Volker König, SPD. (Foto: SPD-Fraktion Unna)

Volker König, SPD:

„Ich denke, er Worte sind genug gewechselt. Wir möchten den Neubau dieser städtischen Unterkunft!“

Petra Ondrejka-Weber, Linke. (Foto: Die Linke Unna)

Petra Ondrejka-Weber, Linke:

„Wir haben uns ja immer ganz vehement für diese Flüchtlingsunterkunft eingesetzt. Aber wir haben jetzt die Kosten – 3 Millionen Euro – mal umgesetzt. Es sind uns noch mal ganz andere Ideen gekommen. Das ist einfach eine Summe, die man auch ganz anders einsetzen könnte.“

Charlotte Kunert (Grüne). (Foto: Die Grünen Unna)

Charlotte Kunert, Grüne:

„Wir diskutieren jetzt seit einem Jahr. Es ist langsam wirklich an der Zeit, abzustimmen. Es ist an der Zeit, dem zuzustimmen.“

Klaus Göldner, FLU. (Foto: Göldner)

Klaus Göldner, FLU:

„Wenn alle was sagen, sage ich auch was. Ich danke FDP und CDU, dass sie von ihrer ursprünglichen Zustimmung abgewichen sind. Wir waren die einzigen, die diesen Neubau von Anfang an abgelehnt haben. Weil wir Alternativen haben. Und man mir bisher noch nicht erklärt hat, wieso man Flüchtlinge an einer Ausfallstraße am Stadtrand besser unterbringen kann als in einem gewachsenen Stadtteil.“

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4 KOMMENTARE

  1. Na dann hoffen wir mal dass die Architekten ein Rondell, umsäumt von Bäumen und mit Bänken, bei dem Neubau mit eingeplant haben. Hätte da auch schon einen Namensvorschlag: Werner Kolter Platz. Da allerdings das Ortseingangsschild meist übersehen wird hätte ich noch einen besseren Alternativvorschlag: Ein Konterfei des Herren auf der Stirnseite des neuen Gebäudes, natürlich überdimensional. So weiß dann jeder, aus Kamen kommend, wer für diesen Irrsinn zuständig ist. Und egal ob Auto- Bus- oder Radfahrer wer denn nun für die folgenden Schlaglöcher auf städtischen Straßen, unpassierbaren Radwegen, einer insgesamt maroden Infrastruktur und den Dreckecken verantwortlich ist