Unnas Sicherheit, Verweilqualität, Jugendangebot: Wie Bürgermeister Kolter seine Stadt sieht

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Bürgermeister Werner Kolter beim Interview mit Rundblick Unna. (Fotos: RBU /Thomas Karczewski)
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Eine liebenswerte, (er-)lebenswerte Stadt, die man gern besucht und in der man gern verweilt: So sieht jeder Bürgermeister seine Stadt gern. Wie sieht es aktuell in puncto Sicherheit, Sauberkeit und Verweilqualität in Unna aus?
Ein Gespräch mit Bürgermeister Werner Kolter – und wie er seine Stadt sieht.
Herr Kolter, Stichwort Königsborner Tor. Die Wohnungseigentümergemeinschaft Bahnhofstraße 52-68 kritisiert in einem mehrseitigen Schreiben massiv die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände im Bereich der Unterführung: Dort pöbele die Trinkerszene Passanten an, randaliere herum, betreibe Sachbeschädigung, über Ruhestörung wird geklagt und Wildpinkeln sowie Vandalismus. 
Klingt alles ziemlich asozial, sehen Sie Handlungsbedarf?
Werner Kolter: Solche Situationen gab es schon öfter mal in der Vergangenheit. Mit der Problematik am Königsborner Tor haben wir uns befasst. 
Die Beobachtungen ergaben aber noch keinen akuten Grund zum Einschreiten. 
Mit dem Kirchplatz und dem Stadtgarten gab es früher ähnliche Probleme. 
Sie sprechen von den Diskussionen um die Drogenszene auf dem Kirchplatz?
Werner Kolter: Ja. Die damalige Drogenszene auf dem Kirchplatz stammte nicht aus Unna, sondern aus dem Umland. 
Aber: Wir können nicht einfach Leute wegschicken, weil sie uns dort, wo sie sich aufhalten, nicht passen. Wir müssen vielmehr solchen Situationen aktiv begegnen.
Wir müssen den Menschen Grenzen aufzeigen, aber auch Angebote machen. Damit meine ich praktische Hilfestellungen, nicht Orte, wo sie sich treffen können.
Diese Orte, sprich diese Treffpunkte gibt es aber nun…
Werner Kolter: Ja, es gibt sie, zum Beispiel nördlich des Rathausplatzes. 
Unsere Lösungsmöglichkeiten sind aber begrenzt. Platzverweise auszusprechen ist schwierig, dafür gibt es klare polizeirechtliche Vorgaben. 
Wie gesagt: Wir können nicht einfach Menschen wegschicken, weil sie uns an bestimmten Orten nicht passen. Jeder darf sich ansonsten frei in der Öffentlichkeit aufhalten, warum auch nicht?
Hat der Ordnungsdienst denn ein Auge darauf?
Werner Kolter: Ja natürlich. Unser Ordnungsdienst beobachtet diesen Treffpunkt genau wie die Polizei. 
Maßnahmen werden im Rahmen der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei abgesprochen. Mehr Präsenz und regelmäßige Kontrollen sind Themen dieser Absprachen. 
Und nützt das etwas?
Werner Kolter: Ja. Wir haben in der Vergangenheit schon konkrete Ansprachen gemacht, die gefruchtet haben. 
Nehmen Sie die Anlieger mit ins Boot?
Werner Kolter: Natürlich haben wir auch mit den Immobilienbesitzern gesprochen, um Lösungen zu finden. Frühzeitige Hinweise auf negative Entwicklungen nimmt das Rathaus sehr ernst. 
Auch bezüglich der Schlägerei auf dem Rathausplatz im Frühsommer. 
Sie sprechen von der Schlägerei vor dem Alimentari, über die die Polizei erst auf Nachfrage berichtete und die so unterschiedlich geschildert wurde – vom eher harmlosen Scharmützel, wie es ein Polizeisprecher anfangs formulierte, bis zu einer blutigen Massenschlägerei, von der Augenzeugen berichteten?
Werner Kolter: Ja, diese Schlägerei hat uns natürlich auch beschäftigt. Wir haben darüber eingehend mit der Polizei gesprochen und auch Videoaufnahmen gesichtet.
Am Ende war es eine Schlägerei, sicherlich schon härterer Art, von bis zu ca. 15 Personen. In den sozialen Netzwerken las sich das meist viel dramatischer. Ein Augenzeuge sprach zu mir z.B. von „das war wie Krieg“, ein anderer Augenzeuge sprach hingegen lediglich von einer normalen Schlägerei. Es liegt wohl im Auge des Betrachters. 
Aber dass Gewalt sich in einer Stadt Raum nimmt, das darf nicht sein. Diesen Anspruch habe ich nicht nur als Bürgermeister.

 

Gibt es neben dem Rathausumfeld noch weitere Bereiche der Innenstadt, die negativ auffallen?
Werner Kolter: Im Klosterviertel waren neben der bekannt schwierigen Parksituation Ruhestörungen immer wieder ein Thema. Das lag aber an einzelnen Mietern selbst: Nicht jeder hält sich an die geltenden Regeln und Ruhezeit.
Zudem gab es gerade in den Sommermonaten etwa im Bereich Bornekampstraße /Jägerweg Beschwerden über Ruhestörungen und Vermüllung. Häufig lassen solche Probleme im Herbst nach. 
Wir werden, um dieses Thema einmal zusammenfassend zu bewerten, immer eine relevante Zahl an Menschen haben, die auffallen, weil sie sich von der Norm unterscheiden. Wir müssen als Stadt schauen, dass wir diese Konflikte sehr ernst nehmen und sie in Kooperation mit der Polizei unter Kontrolle halten.
Ein 2. Thema möchten wir gern noch anschneiden, das möglicherweise mit dem oben gesprochenen zusammenhängt: Die Diskussion um die Schließung der Eishalle hat wieder verstärkt Beschwerden hervorgebracht, dass Unna seiner Jugend zu wenig Angebote macht und Jugendliche deshalb „auf die Straße ausweichen müssen“. Was antworten Sie auf solche Vorwürfe?
Werner Kolter: Wir hatten in Unna schon Jugendzentren, etwa im Bereich der Lindenbrauerei. Doch die Jugendlichen haben diese Angebote nicht angenommen, wir mussten sie daher letztendlich wieder aufgeben. 
Ich sehe das Angebot unserer Stadt für Jugendliche aber keineswegs negativ. Jugendliche treiben z. B. viel Sport. Wir haben viele großartige Sportanlagen, Sportplätze und Sporteinrichtungen. Dort sind sie aktiv. 
Andere Jugendliche sind kulturell interessiert in Richtung Bands, Musik. Wir haben ein Kulturzentrum, eine Jugendkunstschule, den Zirkus Travados. 
Weitere Jugendliche suchen zu ihrer Freizeitgestaltung oft aber auch die nächst größeren Städte auf. 
Dass nichts gemacht wird und wurde für die Jugend, sehen Sie also nicht so?
Werner Kolter: Nein, ich erinnere an den Skaterpark: Für eine Interessegruppe wurde hier eine nicht unerhebliche Investition getätigt. 
Hier haben sich Jugendliche – auch mit Unterstützung aus der Stadtgesellschaft – für ihre Interessen engagiert. 
Die Anlage an der Hansastraße wird rege genutzt, ich achte selbst immer darauf, wenn ich mal dort vorbeifahre. 
Aber wir müssen selbstkritisch bleiben und hinterfragen, ob es richtig ist, was wir bei diesen Themen anpacken. Deshalb müssen wir den Betroffenen zuhören und mit ihnen sprechen.
(Anmerkung der Redaktion: Der Skaterpark wurde namentlich von der damaligen SPD-Jugendpolitikerin Margarethe Strathoff und Jugendlichen möglich gemacht, die für Spenden und Sponsoren warben.)
Das Interview  führten Frank Kuhlmann und Thomas Karczewski für Rundblick-Unna.de und das Rundblick Magazin (Ausgabe November 2018).
 
Redaktionelle Bearbeitung durch Silvia Rinke.

 

 

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1 KOMMENTAR

  1. Sorry, aber was der Titel des Artikels verspricht wird leider nicht gehalten. Politikerphrasen und Gelaber als Antworten. Fehlende Hinterfragung und weiter führende, in die Tiefe gehende Fragen zu den wirklichen Themen in dieser Stadt: Fehlanzeige. Das Interview hätte ich auch mit meinem Enkel führen können.