Unterbringung und Integration von Flüchtlingen in Unna: Erfahrungen der Caritas

1
765
Symbolbild / Pixabay
Facebookrss

Die hochumstrittenen geplante 3-Mio.-Unterkunft an der Kamener Straße hält das Thema „Unterbringung von Asylbewerbern in Unna“ in den Schlagzeilen. Während sich gegen den Neubau in Königsborn ein Bürgerbegehren formiert, lieferte der Caritasverband am Dienstag (13. 11. 18) im Sozialausschuss einen Sachstandsbericht über den momentanen Stand der Unterbringungen.

„Trotz des rechtlichen Anspruchs auf Unterbringung in Privatwohnungen (bzw. bei Wohnungsunternehmen) werden die bleibeberechtigten Flüchtlinge wie auch Asylbewerber und Geduldete in Übergangsheimen untergebracht“, heißt es in diesem Bericht. Nur in Ausnahmen seien bisher Flüchtlinge direkt in angemietete Wohnungen der Stadtverwaltung eingezogen (sie hat einen Wohnungspool mit 10 Wohnungen vorrätig).

Der Caritas ist es sehr wichtig, insbesondere für Menschen mit Bleibeperspektive – genannt werden neben Syrern z. B. auch Somalier, Irakaer, Afghanen und Iraner – möglichst schnell Wohnraum auf dem freien Markt zu vermitteln. Das ist in Unna allerdings bekanntlich schwierig.

Momentan gibt es in Unna vier städtischen Unterkünfte:

Rudolf-Diesel-Straße 69 – Diese Unterkunft bietet größeren Familien in abgeschlossenen Wohneinheiten ein erstes Zuhause.

Höingstraße 24 – Dort wohnen momentan mehr Einzelpersonen als Familien.

Höingstraße 26Ehemalige minderjährige begleitete Flüchtlinge wechseln mit Volljährigkeit aus betreuten Wohngruppen in Übergangsheime, ihre Asylverfahren sind in der Regel noch in der Schwebe – laut Caritas „eine unsichere und belastetende Situation“, welhalb diese jungen Menschen besonders eng betreut werden (müssten). Siehe dazu unten.

Kamener Straße 120 – Altbau neben dem Königsborner Sportplatz, der laut Ratsbeschluss vom 31. 10. 18. dem 3 Mio.-Neubau weichen soll,  ist laut Caritas ein „Männerwohnheim“. Dort leben alleinstehende Männer zwischen 18 und 50 Jahren, die im Asylverfahren bereits anerkannt oder geduldet sind.

Die Flüchtlingsunterkunft an der Kamener Straße 120 soll laut Ratsbeschluss vom 31. Oktober 2018 abgerissen werden und einem Neubau mit 13 Kleinwohnungen für rund 3 Mio. Euro Baukosten weichen. (Archivbild: Rundblick Unna)

Was muss zur schnellen Integration getan werden?

Für die Integration sei Begleitung von Anfang an sehr wichtig. Bewährt hätten sich ehrenamtliche “Lotsen“, die bei  ersten Behördengängen helfen, den Einzug in die Unterkunft begleiten und erste praktische Hilfen anbieten. „Basisinformationen erhalten die Flüchtlinge in den Willkommenstaschen. Sie enthalten neben einigen Lebensmitteln z. B.  Ordner-Collegeblock, Schreibmaterial, je nach Alter Spielzeug / Malbücher etc.“.

Weiterhin wird momentan eine Broschüre mit den wichtigsten Adressen / Kontakten in verschiedenen Sprachen entwickelt.

Ziels sei generell: die schnelle Anbindung an die Sozialleistungssysteme, die Versorgung mit Wohnraum, die Vermittlung von Kita / Schulplätzen / Sprachkursen und Sicherstellung der Gesundheitshilfe (Kinderärzte/ Ärzte/ Pflegedienste…) u.v.m.

Einige Geflüchtete sind inzwischen Mitglieder im Tauschring Unna. „Weitere sollen folgen, denn die Flüchtlinge haben oft sehr nützliche Ressourcen: Möbelaufbau, Renovierung, Friseur, Schneider etc.“, unterstreicht der Caritasverband.

Inzwischen haben zwei junge Flüchtlinge (trotz unsicheren Aufenthaltes) eine Ausbildung begonnen. Die meisten jungen Geflüchteten gehen zur Schule.

Perspektiven für 2019:

Die Wohnungsknappheit und damit ein teilweise längere Aufenthalt in den Übergangsheimen bleibt ein Arbeitsschwerpunkt der Caritas für 2019. Sie strebt auch „kreative Lösungen“ an (z.B. Trainingswohnungen/ Wohngemeinschaften).

Neue engagierte Ehrenamtliche benötigt die Caritas speziell für die „betreuungsintensiven jungen Erwachsenen“:

Mit rund 50 junger Geflüchteter steht der Verband aktuell durch Beratungen in Kontakt. Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Türkei, Algerien Guinea, Somalia , Nigeria, Marokko, Bangladesch und Pakistan.

„Das Sprechen der deutschen Sprache muss täglich möglich sein und geübt werden, um den Leistungen in der Berufsschule gerecht werden zu können.  Junge Flüchtlinge brauchen die Begegnung mit jungen Einheimischen, zugewanderte Familien sollten Familien treffen können. Begegnungsmöglichkeiten in unterschiedlichsten Formen müssen neu entwickelt werden (Sport, Kultur, Musik, …).“

Einen Zuschuss in Höhe von 38.400 € pro Jahr zahlte die Stadt Unna 2018 aus der Bundesförderung nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz (FlüAG). „Hier stehen für 2019 und 2020 noch ausreichend zweckgebundene Mittel … zur Verfügung“, stellte die Stadt für die Sozialausschusssitzung fest. Fortsetzung der Zahlung wurde daher beschlossen. 
 

Facebookrss