Gewerkschaft schlägt Alarm: 41 % der Beschäftigten drohen Mini-Renten

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Sich stützen können im Alter – auch auf die gesetzliche Rente. Darauf ist der Großteil der Rentner angewiesen. Die Gewerkschaft NGG fordert eine Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung. Andernfalls drohe Tausenden Altersarmut, auch wenn sie ein Leben lang gearbeitet haben. Foto (NGG)
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Altersarmut im großen Stil droht im Revier.

Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Sie macht es am Beispiel von Unnas großer Nachbarstadt festgemacht.

„Rund 113.000 Arbeitnehmer in Dortmund würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Das sind 41 Prozent aller Beschäftigten in der Stadt“, warnt die NGG.

Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liege in Dortmund bei aktuell 789 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt. Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben dabei für die Gewerkschaft NGG amtliche Statistiken ausgewertet.

„Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Dortmund künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte.“

Dann gäbe es mehr als 129.000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut.

Manfred Sträter, Geschäftsführer der NGG-Region Dortmund, spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“

Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Sträter. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Sträter. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssten in Dortmund viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum. Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter.

Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen.

Frauen seien davon besonders häufig betroffen. Sogar unter Vollzeitbeschäftigten hat nach Berechnungen des Pestel-Instituts aktuell rund jeder Vierte in Dortmund einen Rentenanspruch von weniger als 1.000 Euro monatlich – nach 40 Arbeitsjahren.

Eine gute tarifliche Altersvorsorge könne zwar dabei helfen, dass im Alter etwas mehr übrig bliebe. „Aber Zusatzrenten sind nicht dafür da, ein immer geringeres Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung auszugleichen“, so Sträter. Sein Fazit: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern. Alle Beschäftigten sind auf sie angewiesen. Und die Arbeitgeber müssen bei Löhnen, Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge viel mehr tun, damit die Menschen ihren Lebensabend genießen können.“

PM: NGG-Region Dortmund

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1 KOMMENTAR

  1. „Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Dortmund künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte.“
    So wird es wohl kommen, denn in etwa 10 Jahren werden die sog. Babyboomer in den Ruhestand gehen, die Jahrgänge vor dem „Pillenknick“ 1965. Dann wird die Zahl der Rentner (Leistungsbezieher) massiv steigen und die Zahl der Erwerbstätigen (Leistungserbringer) massiv abnehmen. Sollte die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren nur durchschnittlich verlaufen und weitere Millionen Menschen in die Sozialsysteme migrieren, werden selbst diese 43% Rentenniveau nicht gehalten werden können. Und von diesen Minirenten müssen dann noch horrende Mieten und Beiträge zur GKV bezahlt werden. Ich frage mich, wieviel Millionen Menschen in Zukunft von Altersarmut bedroht sein werden. Es werden Viele sein.