BI ernüchtert: Nur 8 von 52 Ratsleuten informierten sich übers Betreiberkonzept „Eis.Phönix“

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Wie Phönix aus der Asche... soll die Eissporthalle wieder auferstehen. (Logo-Rechte: UNNA.braucht.EIS)
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8 aus 52. Das ist enttäuschend wenig.

Lediglich acht der 52 Unnaer Ratsvertreterinnen und -vertreter folgten am Mittwoch- und Donnerstagabend der Einladung der Eishallen-Initiative  „UNNA.braucht.EIS“, sich über ihr jetzt fertiges Betreiberkonzept zu informieren.

„Eis.Phönix“ ist es überschrieben.  HIER geht es zum Download.

„Dazu hatten wir die Ratsmitglieder an den beiden Abenden ins Café im Kurpark eingeladen und in Erwartung einer regen Teilnahme den großen Saal des Cafés angemietet. Leider blieb das Interesse unserer gewählten Vertreter mehr als deutlich hinter unseren Erwartungen zurück“, bilanziert die BI ernüchtert mit Blick auf die noch nicht mal zwei Handvoll Politiker/innen, die zwischen 20 und 22 Uhr das Konzept der Bürger in Augenschein nahmen.

„Besonders schade und nach unserer Ansicht zudem schlechter Stil: Nur eine einzige Person hatte sich im Vorfeld abgemeldet“, kritisiert die BI. „Das bedeutet zugleich, dass es über 80% der Ratsmitglieder verschlafen haben, sich über eine der wichtigsten Entscheidungen der letzten Jahre für die Bürger und Bürgerinnen aus Unna zu informieren.“

Die Eishalle bei der öffentlichen Besichtigung am 16. Juli 2017. (Foto: Rundblick)

Das Betreiberkonzept: #Eis.Phönix

Auszüge aus dem umfangreichen Betreiberkonzept der BI „UNNA.braucht.EIS“

Was will „#Eis.Phönix“ erreichen?

Wir wollen die Eissporthalle Unna als herausragende Eissportstätte erhalten. Damit verfolgen wir mehrere Ziele. Uns geht es nicht nur darum, eine beliebte Sportstätte mit einer langjährigen Tradition für die hier ansässigen eissporttreibenden Vereine, die Eissportler/innen und für die Unnaer Bürger/innen zu erhalten. Wir wollen der Eissporthalle durch ein geändertes Betriebskonzept wieder zu regionaler bzw. überregionaler Bedeutung verhelfen. Dabei verfolgen wir zugleich das Ziel, durch eine konsequente Ausrichtung auch auf soziale Aspekte den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integration zu stärken.

Die Idee: Ganzjahresbetrieb

Durch den Einbau einer neuen, modernen und energiesparenden Eisaufbereitungsanlage wird ein Ganzjahresbetrieb („Sommereis“) des Eissportbetriebs angestrebt. Dies wird die Attraktivität der Halle entscheidend erhöhen, da der Bedarf nach Trainingszeiten in den Monaten April bis September enorm ist. Aktuell bietet keine andere Halle, die von Unna aus innerhalb einer einstündigen Autofahrt zu erreichen wäre, ganzjährig Eis an. Die nächstgelegene Halle mit Sommereis ist die im knapp 100 km entfernten Willingen (Sauerland).

Die Idee: #bUNtes.Eis

Die Eissporthalle Unna liegt inmitten des sozial schwachen Vororts Unna-Königsborn. Der Anteil der Kinder unter 15 Jahren in Hartz IV beträgt hier 26,3 Prozent. Damit lebt in unmittelbarer Nachbarschaft der Halle mehr als jedes vierte Kind in Hartz IV. Diesen Kindern muss ein bezahlbares, attraktives und gesundes Freizeitangebot zur Verfügung gestellt werden. Soziale Teilhabe kann und darf hier jedoch nicht enden! Deshalb verfolgen wir mit unserer Idee #bUNtes.Eis zudem das Ziel, die Halle für alle Menschen – auch und gerade für solche mit Behinderung – erlebbar zu machen. Im Hinblick auf Integration und soziale Teilhabe bietet die Eispothalle Unna ein erhebliches Potential, das es zu realisieren gilt!

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Auch ist daran zu denken, dass bestimmte Aufgaben im Zusammenhang mit dem Betrieb der Halle etwa an soziale Träger vergeben werden könnten. In Betracht käme beispielsweise die Pflege der Außenanlagen die durch das LÜSA (Langzeit Übergangs- und Stützungsangebot) wahrgenommen werden könnte. Auch der Schlittschuhverleih könnte beispielsweise im Rahmen von Zusatzjobs nach § 16d SGB II (sog. „EinEuro-Jobs“) bzw. durch Langzeitarbeitslose erledigt werden.

Die Eissporthalle als geschützter Raum für Kinder und Jugendliche muss erhalten und möglichst weiter ausgebaut werden. Neben dem konsequenten Verbot von Zigaretten, Alkohol und Drogen etc. auf dem Gelände der Halle könnte ein Ansprechpartner für unbegleitete Jugendliche benannt werden, der als Quartiers-„Kümmerer“ fungiert.

Welche technischen Maßnahmen sind erforderlich?

• Der Einbau einer neuen Eisaufbereitungsanlage ist für den Betrieb der Halle zwingend erforderlich. Die alte Ammoniak-Kälteanlage ist infolge Überalterung und mangelnder Wartung abgängig und nicht reparabel. Wir favorisieren die Verwendung einer mobilen EPDM-Kälteanlage des Herstellers AST Eis- und Solartechnik GmbH. Diese Technologie ist sehr energieeffizient und kostengünstig sowohl in der Anschaffung als auch im Betrieb.

Darüber hinaus ist die Klimatechnik (Heizung und Lüftung) defekt und muss ebenfalls erneuert werden. Die Klimatechnik reduziert Luftfeuchtigkeit und Temperatur in der Halle und bereitet so der Arbeit der Eisaufbereitungsanlage im wahrsten Sinne des Wortes den Boden.

• Aus energetischen und Umweltschutzgründen wären Investitionen in die Verbesserung der Wärmedämmung (insbesondere an Fenstern) sinnhaft. Gleiches gilt für die Umrüstung auf LED-Beleuchtungstechnik im Innen- und Außenbereich.

• Unser Konzept sieht die Vermarktung von an das Eishallengrundstück liegenden Flächen mit dem Ziel der Errichtung von Wohnbebauung vor. Im Interesse einer weitest gehenden Reduktion der Geräusch-Emissionen der Halle sind – auch zum Vorteil der bereits heute in der Nähe befindlichen Wohnbebauung – bauliche Schallschutzmaßnahmen sinnvoll.

• Im Rahmen der Umsetzung der oben aufgezeigten Maßnahmen der Inklusion sind bauliche Anpassungen sinnvoll. Dies betrifft den Zugang zu Eisbahn und Bistro-Bereich sowie die sanitären Anlagen. Die entsprechenden baulichen Anpassungen sollen nach und nach im laufenden Betrieb der Halle erfolgen.

• Zudem ist die Eissporthalle im Hinblick auf den Brandschutz zu ertüchtigen.

Welches Betreibermodell liegt dem Vorhaben zugrunde?

Grundstück und Eissporthalle stehen aktuell im Eigentum der Stadt bzw. der Wirtschaftsbetriebe Unna.

Der Betrieb der Eissporthalle soll zukünftig weder durch einen wirtschaftlich tätigen Pächter noch durch die Stadt selbst erfolgen. Beide Varianten hätten den Nachteil, dass sie entweder einen enormen Kostendruck durch die anfallenden Personalausgaben (Stadt/WBU) oder die Notwendigkeit einer verhältnismäßig hohen Gewinnmarge (Pächter) auslösen würden.

Aus diesem Grunde schlagen wir vor, dass UNNA.braucht.EIS e.V. bzw. die eissporttreibenden Vereine entweder selbst Instandhaltung und Betrieb der Eissporthalle übernehmen, oder aber zu diesem Zweck eine gemeinnützige GmbH (gGmbH) gründen.

Im Interesse eines gesicherten langjährigen Betriebs wäre zudem die Einrichtung eines „Zukunftsfond Eissporthalle“ zu denken, in den Eigentümer und Betreiber mit einzahlen.

Der Betrieb durch einen Verein hätte zudem den Vorteil, dass ein Rückgriff auf verschiedene Fördertöpfe von Bund und Land möglich wäre, deren Inanspruchnahme der Stadt oder einem wirtschaftlich tätigen Pächter verwehrt wäre (vgl. Tabelle „Fördermöglichkeiten“).

EVENTS

Durch regelmäßig stattfindende Veranstaltungen und spezielle Events soll die Attraktivität der Anlage weiter gesteigert werden. Geplant sind beispielsweise • Veranstaltungen für Senioren (Seniorenlaufzeit ggf. in Verbindung mit Fitness-Frühschoppen; Senioren-Eislaufschule) • Single-Laufzeit • Discolaufzeit mit DJ • Kindgerechte Mini-Disco • Eislaufschule für Anfänger(innen) • Freestyle-Kurse

In den Morgenstunden sollen die Eisflächen werktags für Schulsport und evtl. sogar Kindergärten reserviert sein. Dadurch könnte das Interesse am (Eis-) Sport bei Kindern und Jugendlichen geweckt werden.

Für die Schulferien sind tagesfüllende Sonderveranstaltungen wie „Ferien auf dem Eis“ oder das „Eishockey-Camp“ einzuplanen.

Welches Personal ist zur Umsetzung des Konzepts erforderlich?

Hallenleitung Die Leitung der Halle ist Beschäftigter der gGmbH. Dieser regelt den laufenden Betrieb der Eissporthalle und trifft die sich aus dem Tagesgeschäft ergebenden Entscheidungen. Er übernimmt zudem die Funktion des 1. Eismeisters.

Zu seinem Team gehören zwei Reinigungskräfte (geringfügig Beschäftigte) und vier Servicekräfte, die sich um einfache Tätigkeiten (z.B. Schlittschuhverleih, Leerung der Mülleimer) kümmern. Hier ist der Einsatz von Langzeitarbeitslosen bzw. Ein-EuroKräften und ggf. Schüler(innen) oder Student(inn)en geplant.

Kantine An Personal sind hier eine Kantinenleitung (Koch/Köchin) eingeplant, welche zugleich die Funktion eines Eismeisters / einer Eismeisterin übernimmt. Unterstützt wird diese Kantinenleitung durch zwei bis drei Kantinenkräfte (geringfügig Beschäftigte), die insbesondere Service in der Kantine (Essensausgabe und Bewirtung) sicherstellen sollen.

Eissport-Shop Der in der Halle befindliche Eissport-Shop wird durch einen Pächter betrieben, der für sein Geschäft selbst verantwortlich ist. Für die gGmbH ergibt sich insoweit kein Personalbedarf.

Die Eishalle bei der öffentlichen Besichtigung am 16. Juli 2018. (Archivbild Rundblick)

Finanzierung des laufenden Hallenbetriebs

Das wichtigste Standbein des Eishallenbetriebs sind sicherlich die Einnahmen durch öffentliche Laufzeiten. Zuletzt haben laut offizieller Auskunft jährlich über 100.000 Personen die öffentliche Laufzeit besucht. Danach ergeben sich bei einem Eintrittspreis von 4,00 € jährliche Einnahmen in Höhe von 400.000 €.

Im Rahmen dieses Konzept rechnen wir für die öffentlichen Laufzeiten mit einer ausgesprochen konservativ geschätzten jährlichen Besucherzahl von 55.000. Bei einem Eintrittsgeld von 4,50 € ergeben sich mithin Einnahmen in Höhe von 247.500 €.

Ein weiterer maßgeblicher Posten sind die Eisgelder der Vereine, die sich zuletzt auf insgesamt etwa 85.000 €/a beliefen. UNNA.braucht.EIS liegt zudem die verbindliche Anfrage des Teams Turtle Style (Deutscher Meister im Freestyle) nach weiteren Eiszeiten vor. Dies ist insofern interessant, als für Freestyler aufgrund der Altersstruktur insbesondere die bis dato wenig nachgefragten abendlichen (Rand-)Zeiten von Interesse sind. Darüber hinaus ist insbesondere in den Sommermonaten mit einer verstärkten Nachfrage aus anderen Vereinen (z.B. Essen, Kassel und Iserlohn) zu rechnen. Insgesamt wird daher im Sinne einer konservativen Schätzung von Einnahmen i.H.v. ca. 85.000 € pro Jahr auszugehen sein.

Hinzu kommen die durch die Vermietung der Eisbahnen an Einzelcoaches, HockeyCamp und die Eislauf-Schule zu erzielenden Einnahmen, die in der Tabelle unter „Einnahmen aus Vermietung der Eisflächen“ zusammengefasst sind.

Das Bistro, welches nach Auskunft der früheren Pächter einen Umsatz von mindestens 150.000 €/a generiert hat, soll zukünftig durch die Betreiberin der Eissporthalle selbst bewirtschaftet werden.

Weitere Einnahmen können über die Verpachtung von Flächen zum Betrieb eines Shops für Eissportbedarf erzielt werden.

Ergänzende Einnahmequellen sind Sponsoren-Verträge und Spenden.

Quelle: UNNA.braucht.EIS

 

 

 

 

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5 KOMMENTARE

  1. Es stimmt, die Ratsmitglieder der FLU waren leider an beiden Abenden nicht bei der Veranstaltung. Wir möchten dies erklären, nicht entschuldigen: Die FLU stellt ganze 2 der 52 Ratsmitglieder und ist trotzdem voll in die Ratsarbeit eingebunden. Der Rat befindet sich derzeit in schwierigen Haushaltsberatungen. Wir hatten an beiden Tagen mehr wichtige Termine, als wir sie bewältigen konnten. U.a. tagte gestern der Haupt- und Finanzausschuss mit wichtigen Vorentscheidungen für die finale Ratssitzung in der kommenden Woche. Wir gehen davon aus, dass wir das Betreiberkonzept sicherlich noch eingehend zur Kenntnis nehmen können (Presse, Internet, Sitzungen etc.). Wir haben es nicht für nötig erachtet, uns für eine offene Veranstaltung an- oder abzumelden. Wir werden uns am Infostand erste Informationen holen.