Unnas überlastetes Bauamt am Beispiel Brockhausplatz: Anträge verschleppt, Förderfristen verpasst – Andere Projekte gehen blitzschnell…

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Der Brockhausplatz, Unnas größte innerstädtische Fläche, ist noch bis 2023 an die Firma Hülpert verpachtet. Die Chance auf Fördergelder für Altlastensanierung wurde verpasst. (Foto RBU)
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Es fiel die Bezeichnung „desaströser Zustand“, bezogen auf Unnas Bauverwaltung. Deren Chef konterte scharf: „Wir können nicht alles auf einmal machen!“ Schon, kam der Einwand, aber bei manchen Projekten wie dem Morgentorplatz geht es ganz schnell… da wuppt das…

Geharnischte Kritik gab es wiederholt und zunächst final im letzten Stadtentwicklungsausschuss an der Arbeit des städtischen Bauamts, derzeit geführt von Michael Ott. Als Baudezernent (Dezernat 3) verantwortet er seit dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Beigeordnetem Ralf Kampmann die Bereiche Immobilienmanagement, Bauleitplanung, Bauordnung wie auch Straßen- und Verkehrswesen.

Entsprechend bekam Ott als momentaner Boss des Bauamtes die volle Breitseite der Freien Liste Unna (FLU) und mit ihr der Grünen darüber ab, dass es auf der größten innerstädtischen Freifläche – dem Brockhausplatz im Süden Unnas – einfach nicht vorangeht mit der Planung.

Foto RBU

Der Brockhausplatz ist noch bis 2023 an das Autohaus Hülpert verpachtet. Er stellt aus Sicht der FLU ein Filetstück für sozialen Wohnungsbau dar.

Zur Erinnerung:

Zur zeitnahen, für die Stadt kostengünstigen Entwicklung des Brockhausplatzes für (soziale) Wohnbebauung hatte die FLU bereits im Jahr 2015 und dann nochmals 2017 entsprechende Anträge gestellt.

Das notwendige Flächenrecycling des belasteten Areals mit anschließender Wohnnutzung sei  machbar, bestätigte Kreisumweltdezernent Ludwig Holzbeck schon voriges Jahr bei einem Vortrag zur Altlastensanierung städtischer Grundstücke.

Die FLU wies mehrmals auf Fördermöglichkeiten von bis zu 80 Prozent der Kosten hin und drängte immer wieder dazu, diese Fördertöpfe schnellstens anzuzapfen. Man müsse die fraglichen Flächen nur in Zusammenarbeit mit dem Kreis Unna beim Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) melden. Die Programme laufen nicht ewig: Der Landesfonds ist bis 2019 befristet, ein entsprechendes EU-Programm bis 2020.

Entsprechend zornig reagierte FLU-Fraktionschef Klaus Göldner nun im letzten Stadtentwicklungsausschuss im alten Jahr auf Otts Auskunft, dass die Förderfrist für die Landeszuschüsse im Oktober abgelaufen ist.

Keine Sanierungszuschüsse gibt es damit für den Brockhausplatz. Das Geld ist für Unna verloren.

Foto RBU

Ott konterte Göldners Vorwürfe über diese Verschleppung lautstark:

„Wir können nicht alles auf einmal machen! In den Großprojekten Hertinger Tor (neue Grundschule, neue Kita, d. Red.) stecken Kapazitäten drin, davon haben SIE keine Vorstellung! Wir haben momentan schlicht keine Kapazitäten für einen solchen Arbeitsauftrag dieser Dimension!“

Dies konterte wiederum Göldner mit aller Deutlichkeit:

Klaus Göldner, FLU. (Foto FLU)

„Wir reden uns den Mund fusselig darüber, was wir brauchen: Sozialwohnungen! Bei unserem ersten Antrag damals hat noch kein Mensch von einem Realschulneubau geredet! Ich erinnere an andere Dinge, wo Architekturbüros oft die Arbeit der Stadtverwaltung machen.“

Und Ratsherr Björn Merkord (Grüne) sprang Göldner zur Seite:

„Ich finde es bemerkenswert, dass Herr Ott die Bauverwaltung als überlastet darstellt. Dass ein Projekt wie der Realschulneubau, der in weiter Ferne liegt, jetzt als Begründung angeführt wird… ich kann Klaus Göldners Ärger schon nachvollziehen.“ Zumal es ja Gegenbeispiele gebe, wo Personalengpässe offenbar keine Rolle spielten: „Wie schnell das auf einmal mit dem Morgentor ging (Neugestaltung für 800.000 Euro, d. Red.), das wurde im Schweinsgalopp in drei Wochen durchgepeitscht. Das hat schon Geschmäckle.“

Offenbar, zog Merkord für die Kritiker das Resümee, fehle an dieser Stelle der Wille.

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2 KOMMENTARE

  1. Wie der Herr, so’s Gescherr. Was will man von diesen Bediensteten erwarten wenn denn dann offensichtlich ein altersstarrsinniger Chef die Vorgaben gibt. Wer mal eben für 3 Millionen für ein unsinniges Bauprojekt, vermutlich wird es mehr sein, Geld über hat kann auch sicher trotz klammer Kassen mal auf Subventionen, die dem Bürger nützen, verzichten