Käpt´n Kolter auf trudelndem „Dampfer Unna“ in Seenot: Ein Gleichnis von CDU-Chef Fröhlich – und eine Leserantwort

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Das abgewrackte Schiff "Stadt Unna" - Ursprungsbild von Pexels.com, retuschiert.
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  • Käpt´n Kolter auf trudelndem Dampfer namens Unna in Seenot: Mit der folgenden satirischen Einlage – einem Gleichnis – begann der Vorsitzende der CDU-Fraktion Unna, Rudolf Fröhlich, seine Haushaltsrede zum Doppelhaushalt 2019/20 in der Ratssitzung am Abend des 13. Dezember.

Der Dampfer Unna ist derzeit in schwierigen Gewässern unterwegs. Auf der Brücke ist es etwas einsam geworden. Kapitän Werner Kolter schiebt seit längerem mit seinen verbliebenen Offizieren Sonderschichten auf der Brücke, denn er musste leider in den letzten Monaten auf seinen 1. Offizier sowie auf den Chefingenieur verzichten.

Zu allem Übel sind auf seiner Seekarte auch nicht alle Riffs und Untiefen eingezeichnet. Aber Kapitän Kolter hat schon manches Schiff durch so manchen Sturm gesteuert. Das Kap der guten Hoffnung war ihm stets lieber als das stürmische Kap Horn! Der kochenden See am Kap Kultur möchten er und seine Reederei, die SPD, sich aber schon gar nicht aussetzen. Nur eines kann aber auch Kapitän Kolter bei aller Seemannskunst noch nicht: ZAUBERN! Und seine Reederei kann es auch nicht!

Und so hält er verzweifelt Ausschau nach einer Meerjungfrau, die ihn mit Zauberkräften aus seiner Seenot befreit: Denn der leicht angeschlagene Dampfer Unna hat schon etwas Schlagseite, und die Kohlen im Bunker sind knapp. SEHR KNAPP!

Zu allem Überfluss wurde im letzten Jahrzehnt auch bereits alles brennbare Schiffsinventar im Wert von über 100 Millionen Kohleeinheiten in den Kesseln verheizt. Bis auf einen kleinen Rest von rund 30 Millionen, den man nicht auch noch verbrennen darf, weil sonst aus dem Dampfer ein Geisterschiff wird.

Da erscheint Zahlmeister Achim auf der Brücke. Käpt´n, es gibt neue Probleme! Noch mehr Probleme? Was´n jetzt schon wieder los? Nun ja, auf dem Kulturdeck rumort es: Die wollen keine Kohlen für den Maschinenraum beisteuern! Und auf dem Eisdeck ist eine offene Meuterei im Gange! Das könnte uns glatt 8 Millionen zusätzlich kosten. Und außerdem schreibt die Bordzeitung bereits, dass wir vom WBU-Deck demnächst, wenn überhaupt, nur noch wenig Kohle für den Heizkessel kriegen!

Der Kapitän schiebt langsam die Mütze in´s Genick und wischt sich mit seinem roten Halstuch seufzend den Schweiß von der Stirne. Woher haben die das denn?? Achim, manchmal glaube ich, wir sind hier nicht auf einem seriösen Dampfer, sondern im Theater Narrenschiff!! Zahlmeister Achim blickt den Kapitän versonnen an und erwidert: Wenn´s mal so wäre, Chef. Wenn´s mal so wäre!

Quelle: CDU-Fraktion Unna

REPLIK – eine umfangreiche Leserreaktion

  • Eine Replik kam sogleich auf unsere Kurzzusammenfassung der Haushaltsreden vom Donnerstagabend von unserem Leser Ernst-Otto Derwald aus Hemmerde, der uns auch das Foto zur Verfügung stellte.

Hätte eine Opposition etwas Derartiges formuliert, dann könnte man von einer Anklage sprechen, die erst noch zu beweisen wäre. Der Ratsherr Fröhlich ist allerdings Fraktionsvorsitzender einer der „Regierungsfraktionen“.

Es handelt sich also nicht um eine Anklage, sondern um ein Geständnis. Der Ratsherr gesteht, dass die Brennstoffplanung völlig unzureichend ist, denn es sind ja keine Kohlen mehr zum Heizen vorhanden, obwohl der Dampfer noch nicht in den Hafen einlaufen konnte. Und jetzt ist er auch noch manövrierunfähig.

Auf einem Schiff ist diese Lage in der Tat so gefährlich, dass man in der Not schon auf die Idee kommen könnte, nicht zwingend benötigtes Inventar und Aufbauten zum Heizen zu verwenden, um einen sicheren Hafen zu erreichen, um sich dort dann für die weitere Fahrt aufzufrischen.

Allerdings ist eine Situation, in der es sinnvoll wäre, tragende Teile zu verheizen, nur schwer vorstellbar. Das bedeutet nämlich, dass das Schiff sofort oder bei der nächsten größeren Belastung zerbricht und sinkt …

Warum wählte also der Ratsherr Fröhlich genau dieses Gleichnis?

Vermutlich, weil die Kernaussage stimmt: Unna ist ein Dampfer, der droht, zu kentern und weder Kapitän noch Heizer haben eine Handhabe dagegen.

Und wenn man die aktuelle, finanzielle Situation der Stadt betrachtet, so sind die negativen Vorzeichen kaum mehr zu übersehen.

Die kompletten Ersparnisse von ca. 100 Mio EUR wurden in nur wenigen  Jahren verbraucht!  Aber nicht für eine Entschuldung oder für Investitionen, sondern, um laufende Verluste auszugleichen!

Es wurden städtische Grundstücke verkauft und öffentliche Einrichtungen geschlossen.

Gleichzeitig sind die städtischen Steuern und Gebühren immer weiter erhöht worden, aber die Absenkung des Lebensstandards wurde hingenommen.

Und trotz niedrigster Zinsen ist der Schuldenberg immer noch da. Und falls sich die Zinsen zukünftig erhöhen, droht der Finanzcrash! Das wäre dann in dem Gleichnis die Welle, die das Schiff kentern lässt.

Dieser Niedergang könnte wie folgt aussehen:

  • Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen und Eigentum
  • Reduzierung der städtischen Mitarbeiter auf ein Minimum
  • Drastische Reduzierung bzw. Abschaffung der Sozialleistungen bei gleichzeitiger Erhöhung von Abgaben und Steuern
  • Direkte Enteignungen
  • Einbruch der Wirtschaftsleistung
  • Verarmung der Bürger
  • Aufstände und Unruhen

Das mag man sich alles nicht vorstellen, aber unsere Eltern und Großeltern haben das im vergangenen  Jahrhundert alles schon erlebt.

Was ist die Lösung?

Betrachtet man noch einmal das Gleichnis vom Schiff, dann fährt ein Schiff nicht unabhängig durch die Meere, sondern es folgt dem Willen seines Besitzers. Und diesen Besitzer nennt man Reeder. Der Reeder der Stadt Unna ist ein Gemenge aus Land, Bund, Europäischer  Union und anderer Institutionen. Auf keinen Fall jedoch ist der Reeder der Bürger!

Dieser Reeder hat es nun vorsätzlich oder fahrlässig versäumt, das Schiff mit ausreichend Brennstoff auszustatten. Trotzdem verlangt er von dem Schiff, bestimmte Leistungen zu erbringen.
Und nicht nur das, er erhöht diese Anforderungen sogar, indem er auf das Schiff zusätzliche Passagiere auflädt und für diese nicht genügend Versorgungsgüter bereitstellt. Es besteht jetzt nicht nur ein Brennstoffproblem, sondern jetzt entsteht auch noch ein allgemeines Versorgungsproblem.

Allerdings muss die Stadt Unna nicht zwingend ein Schiff sein,  das von fremden Willen gesteuert wird und um mildtätige Gaben in Form von Fördergeldern betteln muss.

Wir brauchen eine frei agierende Stadtvertretung, die in eigener Verantwortung und über direkte Steuern eigene Programme in allen notwendigen Bereichen durchführt.

Das Subsidiaritätsprinzip, das im Grundgesetz und in den Verträgen der Europäischen Union enthalten ist, bildet die Leitlinien dafür!

Dadurch böten sich für Unna ganz neue Perspektiven!

Als „Dampfer“ oder als Konzern wird Unna in den nächsten Jahren kentern bzw. bankrott gehen!

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2 KOMMENTARE

  1. Ein sehr treffender Kommentar von Herrn Derwall, dem ich zu 100% zustimme, auch teile ich die beschriebenen Sorgen. Etwas überrascht bin ich darüber, dass unsere Lokalpolitiker (CDU,SPD,GRÜNE,LINKE) diese absolut logischen Gedanken noch nicht gedacht haben. Oder hatte man die gleichen Gedanken und hat nur ausdauernd geschwiegen? Will man die Augen vor der Realität verschließen und bis zu den nächsten Wahlen(bzw. bis zum nächsten Eisberg) durchhalten? Das wäre erschreckend kurzfristig gedacht und würde exakt zu Herrn Kolter und dem Rest der Lokalpolitiker passen.

  2. Vielen Dank für den sehr passenden Kommentar von Herrn Derwald der zutreffend die Situation beschreibt. Die satirische Einlage von H. Fröhlich ist ja auch mal ganz nett letztendlich aber neben einem Eingeständnis politischen Versagens auch mehr oder weniger eine Lobhudelei auf einen Seemann der selbst nicht zaubern sondern einfach nur seiner Aufgabe gerecht werden müsste statt auf eine rettende Meerjungfrau zu hoffen. Volle Zustimmung für den letzten Absatz seiner Einlage. Wenn ich die Protokolle und Sitzungszwischenrufe so nachlese bin ich mir sicher dass der Rat nicht auf einem seriösen Dampfer ist.