„Laauuf – um dein Leben!“ Jule aus Königsborn erzählt vom Horrorabend in der Thier Galerie

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Wegrennen in Panik - Symbolfoto ( Quelle Pixabay).
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Ein lauter Knall – und Menschen, Hunderte, brechen schreiend in Panik aus.

Hunderte Kunden rennen in Todesangst aus dem Einkaufszentrum auf die Straße, rennen dort weiter, weg, nur weg. Ein Mann brüllte: „Laaauuuft – der hat ´ne Waffe!!“ Pures Entsetzen und einfach nur wegrennen, weg von der vermeintlichen Todesgefahr.

„Ich lief um mein Leben“, sagt Jule E.

Als „Horrorerlebnis“ schildert uns unsere Leserin aus Königsborn ihren Besuch in der Dortmunder Thier Galerie am späten gestrigen Samstagnachmittag (15. 12. 18). Die 36-Jährige ging mit einer Freundin zusammen gegen 17.35 Uhr gerade ins Einkaufszentrum, als es im Erdgeschoss laut knallte – und blanke Panik ausbrach. Bericht HIER.

Dass mutmaßlich eine Gruppe polizeibekannter Jugendlicher lediglich laut krachende Böller gezündet hatte, wussten Jule und die anderen panisch flüchtenden Galeriebesucher längst noch nicht. „Es war der pure ein Horror“, sagt die Königsbornerin, die am Sonntag immer noch unter dem Eindruck dieses schockierenden Abends stand.

Jule E. berichtet:

„Meine Freundin und ich  gingen gerade in die Thier Galerie und gingen auf die Rolltreppe zu. Da hörten wir im unteren Geschoss ein paar Jugendliche schreien.

Im nächsten Moment läuft eine Gruppe von 3-4 Mädchen schreiend die Rolltreppe hoch, völlig panisch, Sekunden später brüllt eine männliche Stimme „laaaauuuuuft,der hat ne Waffe!!“

In dem Moment ist Massenpanik ausgebrochen! Jeder fing an zu schreien. Alle rannten völlig panisch Richtung Ausgang.

Meine Freundin und ich haben uns auch verloren (in dem Moment rennst du einfach!). Rennst du nicht, wirst du übertrampelt, fällst du hin, wirst du auch übertrampelt. Also „LAUF UM DEIN LEBEN“!

Das Schlimmste, was ich bisher in meinem Leben erlebt habe, war der gestrige Abend!

Ich bin in Richtung Ausgang gerannt mit der Menschenmasse. Durch meinem Kopf jagten 1000000 Fragen. „Schießt er jetzt um sich? Ist es ein Terroranschlag? Eine Bombe?“

Man ist verzweifelt, muss aber weiterlaufen, nur wohin?! Du hast keine Zeit, um nachzudenken, geschweige denn, stehenzubleiben, um dich zu schauen, was dort passiert.

Nichts ging! Ich bin gelaufen um mein Leben.

Raus aus dem Gebäude, und da hatte ich die Wahl: Entweder läufst du jetzt mit der Menschenmenge oder ich laufe in das schräg gegenüberliegende Geschäft (weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe). Ich bin da rein, Modegeschäft Brox, bis ich ganz hinten in dem Geschäft dann vor der Wand stand und es nicht weiter ging. Erst dann habe ich mich getraut, mich umzudrehen und zu schauen, was hinter mir passiert.

Hinter mir stand eine hochschwangere Dame mit einem kleinen Kind an der Hand… Wir schauten uns verzweifelt an und fragten uns gegenseitig:  „Was ist passiert?!“

Draußen die Panik konnte man immer näher kommen hören!

Die schwangere Dame schrie zu den Angestellten rüber, „woooo ist hier der Notausgang!!“ Die reagierten aber nicht, standen völlig geschockt am Eingangsbereich und wussten nicht, was los war.

Dann sah ich den Notausgang und rief der Dame zu, sie soll mitkommen. Darauf kamen noch ein paar Jugendliche, völlig verstört und am Weinen.

Ich rannte dann durch den Notausgang raus Richtung Bahnhof. Aber ich hab mich nicht getraut zum Bahnhof,  weil ich Angst hatte,  es könnte ein Terroranschlag sein.

Man weiß nicht was man mache. Man ist vollkommen hilflos. Man ist wie gelähmt.. diese Ungewissheit ist das Schlimmste.

Ich habe genug und werde keinen Weihnachtsmarkt oder Ähnliches mehr besuchen. Auch wenn sich herausgestellt hat, dass es es ein Böller war.

Das gestern war das Schlimmste überhaupt.“

  • Eine andere Leserin, Steffi aus Unna (35), erinnerte sich an den praktisch identischen Vorfall in der Thier Galerie im Jahr 2012: Auch damals brach wegen lauter Knallerei (ebenfalls aufgrund von China-Böllern) Panik aus, flüchteten Menschen vermeintlich um ihr Leben.
Steffi schrieb nach diesem Abend vor sechs Jahren ihre Gedanken auf:
„Viel zu oft hört man von Schießereien und Amokläufen mit vielen Todesopfern, doch sind wir mal ehrlich…

Jeder denkt für sich: Sowas wird hier nicht passieren.

Am heutigen Abend waren wir kurzentschlossen in der Dortmunder Thiergallerie. Wir setzten uns ins Untergeschoss und aßen ein Eis.

Plötzlich hörte man einen lauten Knall. Es wurde ruhig in dem großen Gebäude. Die Leute schauten sich fragend an.

Kurze Zeit später kam der nächste Knall, danach ein Schrei und die Menschenmenge begann in Panik auf uns zugelaufen.

Eine Schießerei… nicht lange Zeit zum Überlegen.

An die Rolltreppe wäre bei so vielen Menschen nicht zu denken gewesen, außerdem kamen die Schüsse von oben.

Wir liefen mit der Menge mit und rannten panisch in zwei Läden.
Wir verloren uns aus den Augen.

Während die Eine ins Büro des Geschäftes lief, versteckte sich die Andere zwischen den Regalen und hatte immer einen Blick zum Notausgang und zum Haupteingang des Geschäftes.

Ruhe und doch gleichzeitig Panik.
Ein Gefühl, das man nicht beschreiben kann…

Nach kurzer Zeit gingen wieder Menschen auf den Hauptwegen und suchten ihre Angehörigen.
Wir telefonierten und fanden uns auch schnell wieder.

In einem Laden bekamen wir nun mit, wie ein Angestellter durchs Mikro die Durchsage machte: „Entwarnung; Chinaböller“.

Was sich vielleicht lustig liest war mit Sicherheit für manche Menschen eine riesengroße Angst.

Ausgelöst von einer Gruppe Jugendlicher, die nicht darüber nachgedacht hatten, was ein solcher Knall heutzutage bei den Menschen auslöst.

Wir gingen direkt durch die Stadt zum Auto.


Viele Menschen telefonierten und wussten noch nichts von der Auflösung dieser Knallerei.

Wir brauchten lange, um uns zu sammeln.

Redeten über vergangene Amokläufe und mussten diese Panik das erste und hoffentlich letzte Mal nachempfinden.

Und wieder wird einem klar, dass man sein Leben viel mehr genießen sollte.
LEBE HEUTE

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