Tafel verteidigt Schließung von Ausgabestellen: „Nur mit Ehrenamtlichen geht es nicht!“ – Aufruf zu Fahrdiensten

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Mitarbeiter der Tafel Unna bei der Lebensmittelsortierung in der Tafel-Zentrale an der Dorotheenstraße in Königsborn. (Foto: Rundblick Unna)
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„Wir werden kritisiert, teilweise regelrecht angefeindet. Dabei sind wir nur die Überbringer der schlechten Botschaft. Die aktuelle Situation hat nicht der Vorstand verzapft, und es ist nicht richtig, dass wir jetzt verhauen werden.“

– Deutliche Worte fand  Roland Lutz vom Vorstand der Tafel Unna e.V.  am heutigen Vormittag (4. 1.) zu den Reaktionen auf die Entscheidung der Tafel, aufgrund akuter Personalnot vier Ausgabestellen vorerst bis Ende März zu schließen. Massen, Fröndenberg, Holzwickede und Bönen hat es wie berichtet getroffen.

Weil die Reaktionen darauf sehr heftig waren (und sind) und weil teilweise haarsträubende Behauptungen durch die Gegend schwirren, machte der Tafel-Vorstand heute bei einer Pressekonferenz in der Tafel-Hauptstelle Königsborn noch einmal deutlich, wo das Problem liegt – und wie es mit Sicherheit NICHT gelöst werden kann: Durch „einfach kurzfristig“ mehr Ehrenamtliche, die eins zu eins in die Lücken springen, welche die bezahlten Mitarbeiter hinterlassen haben.

„Das funktioniert nicht“, machte Tafel-Chefin Ulrike Trümper unmissverständlich klar. „Wir brauchen verlässliche Strukturen.

Was ist das akute Problem?

Roland Lutz, stellv. Vorsitzender der Tafel Unna e.V. , bei der Pressekonferenz am 4. Januar. (Foto: Rundblick)

Seit vielen Jahren, erläutert Roland Lutz, werden Stellen für die Tafel-Arbeit über das Jobcenter gefördert. Zum neuen Jahr treten jedoch neue Förderrichtlinien in Kraft, konkret endet das Programm „Soziale Teilhabe“. „Dadurch brechen uns in erheblichem Umfang Stellen weg“, so Lutz. „Das ist weder von der Tafel noch vom Kreis verschuldet.“

Ist kurzfristig Besserung in Aussicht?

Tafel-Chefin Ulrike Trümper (re.), Stifter Helge Rosenstengel (li.). (Foto: Rundblick)

Ja, sagt Ulrike Trümper, die Tafel kann noch in diesem Monat mit sechs neu zugewiesenen Ein-Euro-Jobbern rechnen. 18 hat sie momentan, es wären dann also 24. Vorher waren es allerdings 40. Das zeigt die Dimension dessen, was an Man-(und Women-)Power weggebrochen ist.  Die Ein-Euro-Jobs sind allerdings befristet, auf 3 bis 6 Monate.

Eine Stelle wird über die Gessling-Stiftung des Fröndenbergers Helge Rosenstengel finanziert, der vor einigen Jahren bekanntlich durch den Kauf des ehemaligen Aldis an der Dorotheenstraße per Stiftungsvermögen die Tafel Unna faktisch rettete. Er war heute auch bei der Pressekonferenz dabei und drückte seine große Sorge aus.

Welcher Art und von welchem Umfang sind die zu erledigenden Arbeiten?

Oben und unten: Mitarbeiter beim Auspacken und Sortieren. (Fotos Rundblick Unna)

Jeden Werktag, sprich an fünf Tagen in der Woche, werden morgens von Zweierteams insgesamt 58 Lebensmittelmärkte im gesamten Kreis Unna angefahren und die Lebensmittel dort an Rampen abgeholt. Die schweren Körbe – jeder wiegt gut 25 kg – werden in die Lieferwagen getragen, zur Tafelzentrale an der Dorotheenstraße in Königsborn gefahren und dort sortiert und verpackt. Anschließend erfolgt die Auslieferung zu den bisher neun Ausgabestellen.

Können das nicht die Ehrenamtlichen vor Ort bzw. weitere Ehrenamtliche übernehmen – zumindest so lange, bis wieder neue bezahlte Mitarbeiter zur Verfügung stehen?

Ulrike Trümper. (Foto Rundblick)

Ulrike Trümper sagt deutlich: Nur per Ehrenamt funktioniert es nicht. „Davon abgesehen, dass es sich um wirklich schwere körperliche Arbeit handelt: Wir können von einem Ehrenamtlern nicht verlangen, dass er an fünf Tagen in der Woche stets verbindlich jeweils sechs Stunden Einsatz leistet.“ Ehrenamtliche geben an den Ausgabestellen vor Ort die Lebensmittel aus, und das soll auch weiter so geschehen. Für die genannten Liefer-, Pack- und Sortierarbeiten müssen jedoch verlässliche Strukturen gewährleistet sein, so Trümper und Lutz.

Können nicht ehrenamtliche Fahrer die Lebensmittel von Königsborn abholen und zu den Ausgabestellen in Fröndenberg, Howi, Bönen und Massen fahren?

Das sei hochriskant, warnt neben Ulrike Trümper auch Helge Rosenstengel: Die Tafel muss beim Umgang mit den ihr anvertrauten Lebensmitteln strenge Hygienevorschriften beachten, es reicht schon, dass bei einem nicht ganz sachgemäßen Transport die Kühlkette nur kurz unterbrochen wird. Schon steht dem Verein Riesenärger ins Haus.

Rosenstengel spricht es glasklar aus: „Der gute Ruf der Tafel ist entscheidend. Bei nur einem einzigen negativen Vorfall können wir dicht machen.“

Sorgenvoll: Helge Rosenstengel, Gessling-Stiftung (diese hat das Gebäude an der Dorotheenstraße gekauft und vermietet es an die Tafel). (Foto: Rundblick)

Worin kann – vorerst bis Ende März – die Lösung liegen?

Die kann in Fahrdiensten liegen: Die Tafelkunden der vier momentan geschlossenen Ausgabestellen werden einmal pro Woche nach Königsborn oder zu einer anderen Ausgabestelle gefahren. Dies müsste jeweils vor Ort organisiert werden.

Für diese Kunden aus Fröndenberg, Holzwickede, Massen und Bönen könne auch ein eigener Ausgabetag in Königsborn organisiert werden, bietet Ulrike Trümper an: „Wir sind ja eh jeden Tag zum Sortieren hier.“  Aber: Der Fahrdienst muss eben vor Ort organisiert werden. In Fröndenberg stehe man dafür z. B. schon mit der Kirchengemeinde in Kontakt.

Die Tafelzentrale mit dem Café Doro in Königsborn, Dorotheenstraße. (Foto Rundblick Unna)

 

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