„Unna – Stadt mit Leidenschaft, in der die Menschen gerne leben“: SPD-Neujahrsempfang spart alle kritischen Themen aus

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Stadtverbandsvorsitzender Sebastian Laaser bei seiner Ansprache. (Foto: Rundblick)
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Unna ist eine liebenswerte, lebenswerte Stadt, eine Stadt mit Leidenschaft, in der sich viel bewegt und entwickelt – „aus Sicht der SPD positiv“, eine Stadt, „in der die Menschen gerne wohnen und leben.“

Wohl selten, eher nie hat ein Jahresauftakt von Unnas größter Partei und Fraktion derart konsequent sämtliche kritischen Themen ausgespart und ist so sorgfältig auf Konsens bedacht jeder möglichen Kontroverse aus dem Weg gegangen.

Damit setzte der neue Stadtverbandsvorsitzende Sebastian Laaser mit seiner ersten Neujahrsempfangs-Ansprache den denkbar deutlichsten Kontrapunkt zur Rede seines CDU-Pendants Gerhard Meyer zwei Abende zuvor, die schon ohne diesen direkten Vegleich regelrecht auf Krawall gebürstet wirkte und bereits entsprechende Leserreaktionen bekam.

Empfang am Geburtstag: Hartmut Ganzke MdL mit seiner Frau und seinem Sohn. (Foto Rundblick)

Unter den Gästen am Sonntagmittag (13. 1.) im Veranstaltungssaal der Erich-Göpfert-Stadthalle weilte neben städtischer- und Kreis-Politprominenz diesmal auch ein Geburtstagskind (Landtagsabgeordneter Hartmut Ganzke aus Massen), außerdem begrüßte Laaser SPD-Bürgermeister aus der Nachbarschaft: Elke Kappe aus Kamen, Ullrich Sierau aus Dortmund sowie Mario Löhr aus Selm, den der SPD-Kreisvorstand frisch als Landratskandidat nominiert hat.

Er sei sich sicher, so Laaser, dass der Kreisparteitag dem Vorschlag mit großer Mehrheit folgen werde – „weil du weißt wie der Kreis Unna ,tickt´ und weil du als Selmer Bürgermeister deine Kompetenz deutlich gezeigt hast.“

Für Uwe Kutter, Unnas scheidenden Beigeordneten für Soziales, war es der letzte Neujahrsempfang in seiner Funktion als Spitzenbeamter der Kreisstadt, weil er in zwei Tagen in den Ruhestand geht.

Ausgerechnet im Europawahljahr NICHT dabei war der Europaabgeordnete Dietmar Köster, der eine andere terminliche Verpflichtung wahrzunehmen hatte. In Abwesenheit lobt Sebastian Laaser ihn als „überzeugten und leidenschaftlichen Europaabgeordneten, der trotz der Wahlkreisgröße häufig in Unna ist, um über seine Arbeit zu berichten und zu diskutieren“.

Apropos diskutieren: Passend zu seiner konsequent auf Konsens gehaltenen Rede kündige der junge neue Stadtverbandschef für das frisch begonnene Jahr verstärkten Dialog seiner Partei mit den Bürgern an.

Fotogalerie vom Empfang am Sonntag, 13. 1. 2019, Stadthalle Unna – alle Bilder: Rundblick.

Sebastian Laasers Ansprache im Wortlaut (nach Themen sortiert).

1. Europa

Foto Pixabay

In Anbetracht der stetig wachsenden Bedrohung der Europäischen Union durch
Nationalisten und Antieuropäer haben die demokratischen Kräfte die Aufgabe,
für den Erhalt der europäischen Idee und ihrer Werte zu kämpfen. Und das
ebenfalls mit Leidenschaft.

Nicht nur, weil wir als exportorientierte Volkswirtschaft von freiem Handel und
guten Beziehungen zu den anderen Ländern stark profitieren.

Auch nicht nur, weil wir stark durch europäische Programme gefördert werden.
Allein in der aktuellen Förderperiode der Jahre 2014 bis 2020 sind für Unna 15
Millionen Euro bewilligt, die unter anderem in die Produktionsschule oder in die
Wohnungslosenhilfe fließen.

Sondern vor allem, weil die EU ein einzigartiges Erfolgsmodell für den Frieden
ist. Ich bin 37 Jahre alt. Krieg in Kerneuropa kenne ich gottseidank nicht.
Vermutlich wie die meisten von Ihnen, wenn Sie jünger als 74 Jahre alt sind.

Denn seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Europäische Union durch die
damalige Erkenntnis, dass Zusammenarbeit und Zusammenhalt für alle Länder
und Menschen besser sind, zum Frieden beigetragen. Das ist nicht selbstverständlich, dafür muss tagtäglich neu geworben werden, wie man am bevorstehenden Brexit sieht.

Deshalb sollte nicht immer jede schräge EU-Verordnung zum Drama hochstilisiert werden. Lassen Sie uns stattdessen die positiven Seiten hervorheben und für eine breite  Wahlbeteiligung am 26. Mai sorgen, damit Europa demokratisch bleibt. Die europäische Idee hat es verdient!

2. Unna 2018 – an vielen Stellen kein leichtes Jahr

Über das Positive reden…fällt uns das eigentlich nur bei Europa schwer? Nein, vielen fällt das auch über Unna schwer, wenn ich das Jahr 2018 für mich resümiere. Ich gebe zu, an vielen Stellen war es kein leichtes Jahr.

Zum Beispiel die herausfordernde Situation in der Verwaltungsführung mit den noch  andauernden Vakanzen zweier Beigeordneter. Ich freue mich daher, dass mit Jens Toschläger und Dirk Wigant, die ich an dieser Stelle herzlich begrüße, die neuen Beigeordneten  feststehen. Die SPD freut sich auf die baldige Zusammenarbeit mit Ihnen für unsere Stadt.

Schwierig waren auch die Beratungen für den Doppelhaushalt 2019 und 2020 mit dem intensiven Ringen, vorgesehene Steuererhöhungen zu minimieren, was letztlich gelungen ist.

3. Das Positive: Investitionen in Schulen, Kitas, Königsborn, Fußgängerzone…

Symboldbild, Quelle Pixabay

Das Negative sollte aber nicht den Blick auf die wichtigen und richtigen Schwerpunkte des Haushaltes trüben: In den nächsten zwei Jahren wird erheblich in den Schul- und Kitabereich investiert.

Allein rund fünf Millionen Euro am Schulzentrum-Nord, den Hellweg-Sporthallen und für eine neue Kindertageseinrichtung und Offene Ganztagsgrundschule an der Schillerschule.

Foto Rundblick

Wir werden in die weitere Entwicklung Königsborns investieren. Von hier aus gesehen in direkter Nachbarschaft mit dem Kauf der Brücke und der Entwicklung zum Stadtteilzentrum sowie der Freiraumgestaltung im gesamten Quartier. Bei diesen Vorhaben gehen Stadt- und Sozialraumentwicklung Hand in Hand.

Die langersehnte Sanierung der Fußgängerzone wird starten und für Nutzer, Gewerbetreibende und letztlich auch für die Attraktivität deutliche Verbesserungen bringen.

Die Planungen für einen Neubau der Hellweg Realschule in Massen und eine neue Grundschule am Hertinger Tor haben begonnen. Die mittelfristigen Planungen ab 2021 sehen Investitionen für Schulen und andere Projekte von über 60 Millionen Euro vor.

Auf Antrag der SPD wurden in den Haushalt Mittel für die Fortführung des Sozialen Arbeitsmarktes in Unna eingestellt. Das Thema ist für den gesamten Kreis Unna enorm wichtig. Ich bin daher sehr froh, dass zum Jahresende im Bundestag das Teilhabechancengesetz beschlossen wurde, der den sozialen Arbeitsmarkt in den nächsten Jahren klarer strukturiert, besser fördert und somit vielen langzeitarbeitslosen Menschen weiter eine Perspektive ermöglicht. Dabei sind gerade aus dem Kreis Unna immer wichtige Impulse zur besseren Ausgestaltung des Gesetzes nach Berlin gegangen.

Sie merken an diesen Beispielen:

Unna bleibt in Bewegung und entwickelt sich. Aus Sicht der SPD positiv. Andere Parteien zeichnen aus meiner Sicht ein zu trübes Bild.

Hier der falsche Standort, dort gehen die Planungen nicht weit genug. Hier zu wenig für die
Personengruppe, dort zu viel für die andere. Sicherlich, Politik muss kritisch sein.
Aber eben auch konstruktiv nach vorne schauen und nicht immer so oft den
Untergang menetekeln.

Resümee: Unna – eine Stadt, in der die Menschen gerne leben

Eselbrunnen auf dem Markt. (Foto Rundblick)

Das wird auch zumindest meinem Lebensgefühl in dieser Stadt nicht gerecht.
Und wenn ich in meinen Famillien-, Freundes- und Bekanntenkreis schaue, sehe
ich Menschen, die gerne in Unna wohnen und leben.

Unna hat eine hohe Lebensqualität. Sie bietet unter anderem eine tolle Innenstadt,  „natürliche“ Verweilmöglichkeiten wie zum Beispiel Kurpark oder Bornekamp, gute Betreuungs- und Schulangebote, sportliche Herausforderungen und ja, eben auch ein kulturell vielfältiges Angebot. Wir haben starke und selbstbewusste Stadtteile, in denen viele engagierte Menschen vor Ort gestalten.

Unna wäre eben nicht Unna, gäbe es nicht so viele Menschen, die sich ehrenamtlich für die Stadt und unser Gemeinwohl in den unterschiedlichsten Feldern engagieren.

Ich glaube, es sind so viele Menschen, weil sie ebenfalls davon überzeugt sind,
dass Unna attraktiv, voller Leben, Kraft, sozialem Zusammenhalt, Kultur und
Leidenschaft ist.

Daran wollen wir weiterarbeiten.

4. Dialog stärken

Das vergangene Jahr hat aber auch gezeigt, dass wir an vielen Stellen Entscheidungswege besser in der Bürgerschaft darstellen, erklären und diskutieren müssen. Das soll nicht heißen, dass ich am Ende Zustimmung erwarte, aber vielleicht Akzeptanz für die jeweilige Entscheidung bzw. Haltung geschaffen wird.

Daher werden wir in 2019 zum einen die Fraktionssitzungen vor Ort häufiger durchführen und zum anderen werden wir als Partei wieder stärker zu Dialogveranstaltungen einladen, um Positionen darzustellen und die Meinungen
der Stadtgesellschaft einzuholen.

Ich glaube, dass wird der Diskussionskultur und der gemeinsamen Entwicklung
unserer Stadt guttun.

5. Ausblick: Themen für 2019

Kreishauskreisel in Unna. (Archivbild RBU)

Das ist aus meiner Sicht das Thema Verkehr, das viele Menschen in dieser Stadt bewegt, manchmal aber eben auch stillstehen lässt. Nicht nur beim Kreishaus Kreisel ringen wir um den besten Weg. Auch bei den Hauptstraßen in Massen und Königsborn fordern die Anwohner und Nutzer Lösungen. Wohl wissend, dass es gerade bei diesen Themen oft keine einfachen Lösungen gibt oder wir als kommunale Politik zum Teil wenig Einfluss haben. Aber bei den Diskussionen sollten alle Beteiligten dafür Sorge tragen, dass die verschiedenen
Verkehrsteilnehmer nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum wird uns in 2019 und Folgejahren weiter begleiten. Mit der Baulandoffensive zur Schaffung von öffentlich gefördertem Wohnungsbau hat der Rat den richtigen Rahmen gesetzt.

Hier wird die SPD Fraktion darauf achten, dass die Vorgaben in den einzelnen Baugebieten
entsprechend umgesetzt werden. Vor allem sollten wir mal anders denken: Statt für wenige Wohneinheiten einen alten Baumbestand in einem ohnehin verdichteten Königsborn zu fällen, sollten wir doch mal prüfen, ob bei neuen Einzelhandelsstandorten bzw. Erweiterungen nicht Wohnen in oberen Etagen eingeplant werden kann.

Viele Städte machen mit den multifunktionalen Geschäftsgebäuden gute Erfahrungen. So kann Wohnraum geschaffen und dem Flächenverzehr entgegengewirkt werden.

Schlusswort

Der Schriftsteller und Schauspieler Curt Goetz hat einmal gesagt:

„Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“

In diesem Sinne lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Dinge für
unsere wirklich lebens- und liebenswerte Stadt so kommen, wie es gut für unsere
Stadt ist.

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3 KOMMENTARE

  1. Amen. Dieses Geschwätz ohne eine Funken Selbstkritik ist nicht zu ertragen. Wie wäre es mal eine bürgernahe Politik zu machen dann brauche ich auch keinen Dialog und keine Erläuterungen für dieses desolate Herumgewurschtel zu all den wichtigen Themen die stümperhaft angefasst und umgesetzt werden.

  2. Zitat Einstein „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. „ Insofern eine Lachnummer dass Sozialdemokraten die Probleme nicht Mals unter ihren Genossen und Genossinnen ausdiskutieren und Einigkeit finden können sich anmaßen zu wollen dem mündigen Bürger falsche Entscheidungen als das einzig Wahre zu verkaufen. Somit kann man mit Einstein enden. Zitat „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“

  3. Ich habe nichts anderes erwartet, Neujahrsempfänge dienen zumeist der Selbstbeweihräucherung. Kritik und Selbstkritik stört da nur, einigen Gästen könnte ja das Fingerfood und der Sekt im Halse stecken bleiben.

    Wenn dann aber wenigstens intern Klartext geredet würde, aber leider habe ich den Eindruck gewonnen, das das für die Karriere nicht förderlich ist. In diesem Sinne ein fröhliches „weiter so“, die Trägheit der Masse wird den Amtsinhabern über die nächste Wahlperiode helfen.