„Unkreativ und falsche Zahlen“: Replik der Eishallenretter auf „Seefahrer“-Untergangsrede des CDU-Chefs

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Die Eissporthalle Unna bei der Besichtigung am 16. 7. 2018. (Archivbild Rundblick)
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„Wer den Erhalt der Unnaer Eishalle fordert, stimmt damit weiteren Steuererhöhungen und/oder dem Verzicht auf neue Schulen zu.“

Eine steile These, kommentiert die BI „UNNA.braucht.EIS“ die Angriffe des CDU-Chefs Gerd Meyer auf die Eishallenretter beim CDU-Neujahrsempfang am Freitagabend (11. 1.).

In einer Replik vom heutigen Morgen (15. 1.) zerpflücken die Eishallenretter Meyers Behauptungen in der Luft.

„Die Befürworter der Eisporthalle berücksichtigen nach seiner Ansicht die schwierige Haushaltslage „nicht einmal ansatzweise“. Müsste die Frage nicht zugespitzt lauten: Sind die Befürworter der Eisporthalle nun dumm oder einfach nur rücksichtslos?

Weder noch.

Sie haben einfach nur einen anderen Blickwinkel auf die Fragestellung.

Tatsache ist: Die Städte im Ruhrgebiet stehen im Wettbewerb miteinander. Es geht um Ressourcen, aber natürlich in aller erste Linie auch um Einwohner. Hier können attraktive Städte punkten. Sie bieten ihren Einwohnern vielseitige Freizeit, Kultur- und Sportangebote und damit ein Stück Lebensqualität.

Unna steht in diesem Wettstreit leider seit Jahren nicht sonderlich gut da. Konnte die Stadt im Jahre 2011 noch über 59.000 Einwohner verzeichnen, sind es heute gerade noch 57.000. Ein Minus von über 3%.

Andere größere Städte im Kreisgebiet wie Bergkamen und Schwerte konnten sich hier besser behaupten und hatten in dem genannten Zeitraum praktisch überhaupt keine Schwankungen in der Einwohnerzahl zu verzeichnen. Lünen konnte sogar ca. 1.000 Einwohner hinzu gewinnen. Es handelt sich also nicht um ein regionales, sondern um ein explizites Unnaer Problem.

Die CDU hat in der Vergangenheit wiederholt Bilder aus der Seefahrt bemüht, um die Situation der Stadt Unna zu umschreiben. Einmal verglich Herr Fröhlich die Stadt Unna mit einem trudelnden Dampfer und Bürgermeister Kolter mit dem überforderten Kapitän. Jetzt vergleicht Herr Meyer die Stadt mit einem Kreuzfahrtschiff, das wie die Titanic auf einen finanziellen Eisberg zusteuert.

Wenn man aber mit einem Feriendampfer auf einen Eisberg zusteuert, dann macht es sicherlich keinen Sinn, in einem Anflug von Aktionismus den an Bord befindlichen Tennisplatz zu sperren und die Kinosessel über die Reling zu werfen. Denn ohne diese Einrichtungen bleiben zukünftig die Fahrgäste aus.

Was also tun? Eingefahrene Denkstrukturen verlassen, kreative Ansätze verfolgen und innovative Konzepte entwickeln!

Man kann nicht mit alten Lösungen neuen Probleme bekämpfen. Das Freizeitverhalten der Menschen und ihre diesbezüglichen Anforderungen und Wünsche an die Stadt, in der sie leben, haben sich geändert. Deshalb hilft es auch nichts, hinter jedes Freizeitangebot der Stadt eine Zahl zu schreiben, dann einen Strich darunter zu machen und zu sagen, was einem alles zu teuer erscheint. Insbesondere dann nicht, wenn die aufgeschriebenen Zahlen nicht stimmen.

So muss beispielsweise der Betrieb der Eisporthalle – anders, als von der Stadt behauptet – keineswegs ein Defizitgeschäft sein. UNNA.braucht.EIS (UbE) hat ein belastbares Betriebskonzept vorgelegt, welches beweist, dass eine gemeinnützige Gesellschaft die Eissporthalle kostendeckend und zukunftssicher bewirtschaften kann.

Auch die Sanierung der Eissporthalle ist anstelle der veranschlagten 8 Mio € für unter 3 Mio € zu realisieren, wenn man auf eine Luxus-Sanierung mit den sprichwörtlichen „goldenen Wasserhähnen“ verzichtet und das Geld klug in sinnvolle und notwendige Arbeiten investiert. UbE hat beispielsweise nachvollziehbar dargelegt, dass die Reparatur des Hallendachs durch eine zertifizierte Fachfirma gegenüber dem Austausch der Dachkonstruktion weit über 1 Mio € sparen würde.

Geht man von einem Investitionsvolumen von 3 Mio € aus, bedeutet das aber noch nicht, dass die Stadt diese Summe alleine und sofort aufbringen müsste. Anders formuliert:

Der Erhalt der Eishalle ist für die Stadt mit einer moderaten Anschubfinanzierung und jährlichen Kosten von unter 100.000 € zu erreichen. Das würde jede Einwohnerin und jeden Einwohner mit nicht einmal 2 € pro Jahr belasten.

Zugleich könnte in direkter Nachbarschaft der Eishalle noch bezahlbarer Wohnraum geschaffen und vermarktet werden. Damit sollte das Thema Steuererhöhungen doch eigentlich vom Tisch sein.

Fazit: Die Ideen sind da. Man müsste nur anfangen, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern zu arbeiten, anstatt gegen sie. Nur so kann Unna den Herausforderungen der Zukunft wirkungsvoll begegnen.

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6 KOMMENTARE

  1. Wie immer liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte der beiden Aussagen. Ich glaube nicht, dass die Sanierung für unter 3 Mio. zu realisieren ist, wahrscheinlich liegen am Ende die Kosten bei rund 5 Mio.
    Die Steigerung der Baukosten ist in den letzten Jahren rasant gestiegen, zuletzt lag die Steigerung bei 4,8% (bei 3 Mio. sind das mal eben 144.000). Davon abgesehen, wer eine eigene Immobilie hat weis das bei einer Sanierung immer wieder Unerwartetes auftaucht. Das führt meist zu einer weiteren Kostensteigerung.
    Außerdem glaube ich nicht das der Einwohnerschwund auf das Fehlen einer Eissporthalle zurückzuführen ist.
    Möglicherweise ist dem einen oder anderen noch gar nicht klar wie ernst die finanzielle Lage für Unna ist.
    Jede Ausgabe muss auf den Prüfstand. Es kann nicht sein, das weiter an der Steuerschraube gedreht wird.

    • Hallo Burkhard, auf Ihren Kommentar kam eine Antwort auf Facebook:

      Fabio Dortmund antwortet:

      Es geht nicht nur um das Fehlen einer Eissporthalle, sondern generell darum was dem Bürger in Unna schon alles genommen wurde. Freibad Massen – weg, viele Jugendzentren – weg, soll jetzt die Eissporthalle auch noch weg? Nein! Es geht hier um die Rettung einer Sportanlage für Jugendliche, für Familien, für Vereine, für Kinder und auch für die Integration!
      Die Politiker können sich noch so viele Ausreden einfallen lassen und nicht dahinter stehen, aber wir kämpfen für den Erhalt bis zum letzten Meter, wohl bemerkt ehrenamtlich versteht sich.
      Dafür brauchen wir aber Unterstützung, am besten von so vielen Leuten wie möglich! 🙂

  2. @ Fabio Dortmund: An Ihrer Reaktion bemerke ich das dieses Thema für Sie eine hohe emotionale Bedeutung hat. Offenbar sind Sie mit Herzblut engagiert und das finde ich auch gut so. Aber wir sollten dabei auch die finanzielle Seite nicht außer Acht lassen. Die finanziellen Möglichkeiten sind halt begrenzt und irgendwann steckt man in der Situation sich zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren entscheiden zu müssen.

    Ich will nicht alle Politiker über einen Kamm scheren, aber es sind in der Vergangenheit offensichtlich viele Fehler gemacht worden, die zur jetzigen Situation geführt haben. Und offenbar haben die Bürger in Unna bis dato die politisch Handelnden trotz der erkennbaren Fehlentwicklungen immer wieder mit ihrer Stimme unterstützt.

    Die Vergangenheit können weder Sie noch ich ändern. Wir müssen das hier und jetzt akzeptieren und nach tragfähigen Lösungen suchen.
    Im Moment sehe ich das für die Eissporthalle (noch) nicht.

    • Auch darauf kam wieder eine Antwort, diesmal von ANDREAS PIETSCH (von der Eisretter-BI):

      Kurz als Statement, es ist für < 3 Millionen Euro zu realisieren, wir haben Fachplaner und Architekturbüros an der Hand wie auch den Deutschen Eishockey Bund und den EHV NRW die uns in der Sache Eishalle Unna zur Seite stehen. Wir alle arbeiten mit Herzblut an der Sache. Das was die Stadt und die Politik dort betreibt ist wirklich erschreckend und in keinster Weise im Sinne des Bürgers!!!@

  3. @ Andreas Pietsch: Wer entscheidet was im Sinne des Bürgers ist? Was ist denn überhaupt der Wille des Bürgers? Hat es denn schon eine Bürgerbefragung gegeben?
    Ich persönliche Maße mir nicht an zu entscheiden was im Sinne des Bürgers ist.

    Wenn Sie so überzeugt von der Kostenschätzung sind, wären Sie dann auch bereit persönlich haftend bei einer Überschreitung dieser 3 Mio. für die Mehrkosten einzutreten?

    Um es noch mal klar zu machen, ich bin nicht gegen die Eissporthalle, ich halte nur nichts von einem finanziellen Wolkenkuckuckskeim. Denn am Ende steht immer die Frage wer die Zeche bezahlen soll.