Fristlos aus der Wohnung raus – weil das Kind (2) so laut ist

0
1532
Fröhlich spielendes Kleinkind. (Beispielfoto / Pixabay)
Facebookrss

Immer wieder beschwerten sich Mitmieter bitter über den als unerträglich empfundenen Kinderlärm in dem Dortmunder Mietshaus. Nun bekam die junge Familie die fristlose Kündigung. Zum 6. Februar muss sie raus aus der Wohnung.

Die Entscheidung der Dortmunder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (DOGEWO21) sorgt  für Schlagzeilen. Der Gesellschaft gehört das Mehrfamilienhaus, in der auch das Ehepaar S. mit seiner zweijährigen Tochter lebt. Diese Kleine veranstalte – so die Dogewo – einen solchen Lärm veranstalten, dass dies den übrigen Mietern nicht mehr zuzumuten sei.

In der zweiten Januarwoche flatterte den Eltern nun die fristlose Kündigung ins Haus, so berichtet heute der WDR. Der Sender zitiert den Vater des kleinen Mädchens, der Widerstand ankündigt: „Wir lassen uns doch nicht von Kinderhassern unser Dach über dem Kopf wegnehmen.“ Seine Frau habe hingegen nun nackte Existenzangst.

Die DOGEWO, die im Oktober eine Abmahnung an die Familie geschickt hatte, wollte sich zu der aktuellen Entwicklung nicht äußern.

Sie berief sich bei ihrer fünfseitigen Kündigung unter anderem auf ein Lärmprotokoll eines Nachbarn. Dieses wies allerdings ganztägigen Lärm unter anderem auch für einen Tag aus (29. 12.), an dem die Familie nachweislich nicht zu Hause gewesen sei, wie sie im Fernsehen betonte.

  • Stichwort: Kinderlärm – was müssen Vermieter / Mitmieter hinnehmen?

Das Spielen von Kindern – auch verbunden mit Gepolter und Krach – gehört grundsätzlich zur vertragsgemäßen Nutzung der Wohnung (OLG Düsseldorf, Az: 9 U 218/96). Den natürlichen Bewegungs- und Spieldrang im jeweiligen Entwicklungsstand, wie etwa Babygeschrei oder Lachen, Schreien und Weinen von Kleinkindern müssen andere Hausbewohner deshalb hinzunehmen. Derartiger Lärm berechtigt weder zur Mietminderung noch zur ordentlichen Kündigung (AG Frankfurt, Az: 33 C 3943/04). Selbst häufige und das übliche Maß übersteigende Lauf- und Spielgeräusche sind in der Regel sozialadäquat; dies gilt umso mehr im hellhörigen Altbau. Die Toleranzgrenze der Hausgemeinschaft für Geräusche muss dort hoch angesetzt werden (AG Braunschweig, Az. 117 C 1270/99).

Kindern unter 7 Jahren (§ 104 BGB) fehlt dabei generell die Einsichtfähigkeit, dass ihr Spiellärm möglicherweise Mitbewohner belastet. Mit wachsendem Alter und steigendem Verständnis, haben sich auch Kinder an Ruhezeiten zu halten (13-15 Uhr und 22-7 Uhr) und Eltern müssen diese im Zweifel durchsetzen. Dies gilt auch für allgemeine Hausregeln: so darf etwa nicht im Hausflur Rollschuh, Inliner oder Fahrrad gefahren werden.

Die Gerichte schützen Spiellärm aber nicht grenzenlos; gerade in den Abendstunden besteht ein Bedürfnis nach Entspannung und Erholung. (Quelle: https://www.anwalt-mietrecht.de)

 

Facebookrss