Drückt jetzt doch der Halbe-Mio.-Zuschuss? SPD thematisiert plötzlich die Werkstatt Unna

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Junger Mann bei einer Qualifizierungsmaßnahme im Bereich Logistik. (Archivbild / Copyright Werkstatt im Kreis Unna)
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Eine halbe Million Euro pro Jahr schießt die Kreisstadt Unna der Werkstatt im Kreis Unna zu – die Hälfte des gesamten kommunalen Zuschusssumme.

Bislang ließ die Unnaer SPD nicht mit sich über diese Summe diskutieren.

Jeder Euro sei gut angelegt, nämlich in die Perspektive junger Menschen, die sonst keinerlei Perspektive hätten. Dies betonten die Sozialdemokraten immer wieder, wenn in den vergangenen Jahren die Zuschussfrage für die Werkstatt aufs Tapet kam.

Auch der Massener Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke unterstrich zuletzt bei einem Interview unserer Redaktion mit Werkstatt-Geschäftsführer Herbert Dörmann: Dass Unna deutlich mehr zahlt als jede andere Stadt im Kreis, sogar glatt die Hälfte des gesamten kommunalen Zuschusses, sei absolut zu rechtfertigen.

Jetzt legt die SPD-Fraktion plötzlich einen „Prüfauftrag“ vor:

Die Stadt soll mit dem Kreis ausloten, ob und wie Angebote der Werkstatt in eine Kreisgesellschaft überführt werden können.

Für ihre Begründung holen die Genossen weit aus.

So habe der 1983 in Unna gegründete Qualifizierungsträger seine Aktivitäten in den letzten 35 Jahren „erheblich ausgeweitet“: 

  • Die Werkstatt  halte direkt oder über Tochtergesellschaften Standorte in allen größeren Städten des Kreises vor;
  • sie erreiche kreisweit die unterschiedlichsten Zielgruppen – von Schülern in allgemeinbildenden Schulen über Jugendliche ohne Aabschluss bis hin zu Langzeitarbeitslosen und/oder alleinerziehenden Hartz IV-Beziehern;
  • sie erreiche jährlich über 6.000 Menschen „aus allen Städten und Gemeinden im Kreis“, wirke „nicht nur bildungs- und arbeitsmarktpolitisch integrativ, sondern maßgeblich auch sozialpolitisch inklusiv“.Langer Rede kurzer Sinn: Die Sozialdemokraten wollen prüfen lassen, ob die Werkstatt unter das Dach des Kreises Unna schlüpfen, also eine Tochtergesellschaft des Kreises werden könnte, ähnlich die wie Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) oder die Unnaer Kreis-, Bau-und Siedlungsgesellschaft (UKBS). Beide sind wie die Werkstatt kreisweit aktiv und haben Kunden aus dem ganzen Kreisgebiet.

Dass ihr Antrag (auch) das Ziel verfolgt, die Stadt von der hohen Zuschusssumme zu entlasten, geht aus dem Antrag der SPD-Fraktion nicht explizit hervor:

Sie verweist auf die schon bestehende erfolgreiche Kooperation zwischen Werkstatt und Kreis Unna und die kreisweite Inanspruchnahme der Werkstatt.

Deshalb sei zu prüfen, ob „im Sinne einer nachhaltigen Zukunftsorientierung maßgebliche Werkstatt-Angebote in die direkte Verantwortung des Kreises Unna übergehen können. Die Umsetzung eines solchen Zukunftskonzeptes könnte durch die Überführung dieser Angebote in eine eigene Kreisgesellschaft erfolgen.“

Um, so schließt die SPD, „ein solches Szenario sachgerecht bewerten zu können, sollte zunächst ein externes Gutachten erstellt werden. In diesem ist herauszuarbeiten, welche organisatorischen, fachlichen, personellen, konzeptionellen und wirtschaftlichen Implikationen und Handlungsmöglichkeiten sich durch eine solche Kreisgesellschaft ergeben können.“

HIER geht es zum vollständigen SPD-Antrag: Überführung von Angeboten der Werkstatt in eine Kreisgesellschaft

 

 

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4 KOMMENTARE

  1. Heute liest der Bürger immer wieder von „externen Gutachten“, die unseren Entscheidungsträgern erst noch Klarheit in die Angelegenheit bringen sollen. Haben wir in unseren Verwaltungen keine Fachkompetenz, dass das nötig ist? Warum wird dahin nicht investiert? Ich bin jedenfalls nicht damit einverstanden, dass unsere Steuergelder auf diese Weise ausgegeben werden! Das Geld ist für immer weg, Fachkompetenzen in der Verwaltung bleiben uns erhalten! – Im Übrigen ist zum Verhalten der SPD und manch anderer Politiker nicht mehr viel zu sagen, es ist nicht neu!

  2. Die Unnaer FDP schickte uns dazu folgende Stellungnahme:

    „SPD verkauft alte FDP-Forderungen als eigene Ideen

    Schon seit Jahren fordert die FDP Kürzungen der Zuschüsse durch die Stadt Unna für die Werkstatt im Kreis Unna. Am 18.3.2018 hat die FDP diese Forderung ein einem Antrag an den Rat der Stadt Unna gestellt. Dieser wurde, wie erwartet, von allen Fraktionen unter Wortführerschaft der SPD abgelehnt. Die Gewerkschaft IGBCE meldete sich dann noch mit einer Stellungnahme zu Wort, in der sie das Schreckgespenst von hunderten arbeitslosen Jugendlichen an die Wand malte, die biertrinkend und marodierend durch Unna ziehen würden, würden die Zuschüsse durch die Stadt gestrichen und so die Existenz der Werkstatt gefährden.

    In der Haushaltsrede vom 13.12.2018 wurde die Forderung wiederholt, die Kosten für die Werkstatt anteilig auf die Städte zu verteilen, berechnet nach dem Anteil Jugendlicher, die in Maßnahmen der Werkstatt beschäftigt sind.
    Weitergehend schlug der Fraktionsvorsitzende der FDP, Günter Schmidt, vor, die Werkstatt beim Kreis als dem eigentlichen Träger der Arbeitsmarktförderung anzusiedeln, um die Städte von Kosten zu entlasten.

    Anscheinend hat die SPD doch besser zugehört als gedacht und verkauft alte FDP-Forderungen nun als eigene Ideen. Die „gestalterische Mehrheit“ von SPD und CDU könnten so doch noch FDP-Vorstellungen zum Durchbruch verhelfen,
    Nur schade, daß sie sich dann mit fremden Federn schmücken.“

  3. Danke für diese erhellende Hintergrundinformation. Leider bleibt das Problem „externes Gutachten“ davon unberührt und zeigt, wie sorglos mit unseren Steuern umgegangen wird! Interne Qualifizierung scheint nicht gewollt zu sein und erinnert mich an die Situation in der Wirtschaft, deren Unternehmen auch dringend Facharbeiter im Ausland suchen. Bildung und Ausbildung wird vernachlässigt. So begibt man sich in Abhängigkeiten, um evtl. kurzfristig Geld zu sparen, langfristig betreibt man unseren Ausverkauf. Frustrierend!