Stadt macht Ernst: Noch im Februar Tempo 30 auf 3 Unnaer Hauptverkehrsstraßen

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Friedrich-Ebert-Straße in Höhe Amtsgericht. (Archivbild RB)
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„Tempo 30 für mehr Sicherheit und weniger Verkehrslärm im Straßenverkehr“. So titelt die Stadt Unna eine überraschende Mitteilung vom heutigen Nachmittag: Sie macht Ernst mit ihrer Ankündigung vom vorigen Jahr.

Auf drei der vielbefahrensten Straßen der Kreisstadt gilt in Kürze Tempo 30:

Auf der Kleistraße in Massen (zwischen Massener Kirchweg und Massener Hellweg),

auf einem Teil des Massener Hellwegs (zwischen Kleistraße und Büddenberg/Mittelstraße)

sowie auf der Friedrich-Ebert-Straße (B233) in Königsborn – komplett.

„Eine entsprechende Beschilderung wird im Februar aufgebaut“, kündigt die Stadt an, dass sie nun Tatsachen schaffen wird – kürzestfristig.

Lesen Sie dazu auch unsere Folgeartikel:

Während die CDU bis zuletzt noch unterstrichen hatte, dass 30 km/h auf Hauptverkehrsachsen niemals vom Land genehmigt werden würde, tritt die Verwaltung nun abrupt den Gegenbeweis an. Denn sie hat mit der zuständigen Landesbehörde noch einmal gesprochen und dabei offenbar den Knoten durchgeschlagen.

Archivbild Rundblick.

Denn diese nun in Kürze vorgenommenen Geschwindigkeitsreduzierungen auf den Massener und Königsborner Hauptverkehrsstraßen sei das Ergebnis eines Gesprächs, das die städtische Ordnungsbehörde Mitte Dezember mit Vertretern von Straßen.NRW und der Straßenverkehrsbehörde des Kreises geführt hätten. „Darin ging es um die Umsetzung der zweiten Stufe des Lärmaktionsplans„, erinnert die Stadt.

„Wir freuen uns, dass die konstruktiven Gespräche mit dem Straßenbaulastträger Straßen.NRW zu einem positiven Ergebnis geführt haben“, unterstreicht Peter Niewrzedowski, Leiter des Bereichs Sicherheit und Ordnung.

Auf der Friedrich-Ebert-Straße gilt künftig komplett Tempo 30. (Archivbild RB)

Nach Maßgabe des Lärmaktionsplans gilt Tempo 30 demnach ab Februar auf der kompletten Friedrich-Ebert-Straße, beginnend am Kreisverkehr bis hin zum Lebenszentrum.

Kleistraße in Massen. (Archivbild RB)

Im Stadtteil Massen wird das Tempolimit an der Kleistraße und auf dem Massener Hellweg eingeführt – ebenfalls „im Bereich von zwei besonders schutzbedürftigen Einrichtungen“, begründet die Stadt ihre Maßnahme:

Denn zusätzlich zu den Vorgaben des Lärmschutzes, die die Stadt erfüllen muss, lägen an allen drei Straßen auch z.B. Kindergärten oder Seniorenheime.

„Diese Einrichtungen, wie auch Krankenhäuser, können nach der Novellierung der Straßenverkehrsordnung Anfang 2017 durch eine Temporeduzierung besonders geschützt werden“, untermauert die Stadt ihren politisch wie in der Bürgerschaft heftig umstrittenen Entschluss nunmehr also mit doppeltem Argument: Lärm reduzieren, Kinder/Senioren schützen.

Dass mit der Kleistraße ausgerechnet eine Straße aus „Lärmschutzgründen“ temporeduziert wird, die mitten in der Flug-Einflugschneise liegt, sorgte für unsere Leserschaft aus Massen bereits für gellendes Hohngelächter: Ob man dann die Piloten auch auf die Bremse zwinge?, kam spotttriefend die Frage.

Noch zusätzliche Abstimmungen sind laut Stadt an zwei weiteren Hauptverkehrsstrecken nötig, wo laut Lärmaktionsplan ebenfalls Temporeduzierung vorgesehen ist:

  • an der Iserlohner Straße zwischen Wasserstraße und B1 (das andere Stück bis zum Wohngebiet Schützenhof wurde bereits im Februar 2018 temporeduziert)
  • sowie auch auf der Hammer Straße zwischen Kreisverkehr und Parkstraße.

Für den weiteren Verlauf der Hammer Straße (zwischen Parkstraße und Hubert-Biernat-Straße) sieht der Lärmaktionsplan der Kreisstadt Unna keine Geschwindigkeitsreduzierung aus Lärmschutzgründen vor.

Iserlohner Straße in Höhe Tankstelle. Zwischen B1 und Schützenhof stehen bereits seit einem Jahr Tempo 30-Schilder. (Archivbild RB)

Rückblick:

Den Anfang der Geschwindigkeitsreduzierungen auf Unnaer Hauptstraßen machte vor rund einem Jahr (im Februar 2018) die Tempo 30-Order auf der Iserlohner Straße zwischen Schützenhof und B1. Zusätzlich hatte die Stadt schon zu jenem Zeitpunkt für fünf weitere innerstädtische Hauptstraßenabschnitte Tempo 30 angeordnet; und darunter befinden sich die meistbefahrenen Verbindungsstrecken Unnas.
Die Stadt setzt damit (auf mehrheitlichen Ratsbeschluss) den Lärmaktionsplan um.
Sprich: Die Tempodrosselung dient dem Schutz der Anwohner vor übermäßigem Verkehrslärm. Die Vorgabe ist EU-weit von jeder Stadt zu erfüllen. Wie sie den Verkehr leiser bekommt, bleibt ihr überlassen.
Für den jetzt als ersten temporeduzierten Teilabschnitt der Iserlohner Straße zwischen B1 und Am Schützenhof liegt die Baulast bei der Stadt Unna, daher konnte die Temporeduzierung auf 30 km/h vom Rathaus aus sofort umgesetzt werden.“
Die umstrittenen Tempolimits fußen auf einem bindenden Stadtratsbeschluss vom März 2017: Gegen erbitterten Widerstand der CDU, zweier SPD-Ratsherren und Martin Bick von der FDP beschloss die Unnaer Politik, auf zentralen Hauptstraßen das Tempo zu drosseln.

 

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Zum Hintergrund:
Mit den Lärmaktionsplänen steht den Städten und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen ein nachhaltiges und langfristiges Konzept zum Abbau von Lärmbelastungen zur Verfügung, das die städtebauliche Entwicklung und Verkehrsplanung berücksichtigt. Ziel der Lärmaktionsplanung ist es, schädliche Auswirkungen, einschließlich Belästigungen, durch Umgebungslärm zu verhindern, ihnen vorzubeugen oder sie zu mindern. Seit 2008 liegt für die Stadt Unna ein Lärmaktionsplan vor.
Die Lärmkarten geben den Städten und Gemeinden einen Überblick über die Lärmsituation in ihrem Gemeindegebiet. Sie machen die Lärmprobleme und negativen Lärmauswirkungen sichtbar. Dort, wo besonders hohe Lärmbelastungen vorliegen, müssen die Kommunen Lärmaktionspläne aufstellen. Maßnahmen, die kurz- oder mittelfristig oder auch über einen langen Zeitraum umgesetzt werden, werden in den Plan aufgenommen. Das bedeutet, es werden Prioritäten gesetzt.
Bei der Lärmaktionsplanung werden verschiedene Maßnahmen zur Lärmminderung geprüft. Dazu gehört neben der Schallschutzsanierung auch eine Geschwindigkeitsreduzierung.
Grundsätzlich gibt es im Rahmen eines Lärmaktionsplanes auf der Basis der EU-Richtlinien verschiedene Möglichkeiten: In Unna wurden passive Lärmschutzmaßnahmen, z. B. der Einbau von Schallschutzfenstern, oder Temporeduzierungen vorgesehen.

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24 KOMMENTARE

  1. Noch diesen Monat? Das ist aber eine kurzfristige Umsetzung. Bei so viel Energie werden wir sicherlich auch noch diesen Monat erfahren, welcher CDU-Politiker 26.000 Euro anstatt 260 Euro pro Jahr für einen nutzlosen Acker erhält:
    https://www.rundblick-unna.de/2019/01/29/cdu-stadt-zahlt-fuer-freizeitbad-brache-noch-ueber-15-mio-erbpacht-fuer-photovoltaik-nutzen/
    Oder möchte die Stadt Unna über dieses Thema nicht mehr reden?

  2. Ein weiterer Beweis unfähiger Sozenpolitik mit Unterstützung der Grünen. Lärmreduzierung durch Geschwindigkeitsabsenkung kann eine Möglichkeit sein. Studien belegen aber dass das erst ab Geschwindigkeiten oberhalb von 50km/h möglich und wirklich mess- und hörbar sind. Alles andere ist Makulatur und erfüllt somit nicht die geforderte Lärmreduzierung. Statt weniger Lärm werden den Anliegern erhöhte Abgase und den Verkehrsteilnehmern einschließlich ÖPNV erhöhte Fahrzeiten zugemutet. In Verbindung mit intelligenten Ampelschaltungen könnten diese Abgase und Zeiten wieder reduziert werden. Aber wo bitte gibt es in Unna noch eine grüne Welle und intelligente Ampelschaltungen. Außer Kosten wird hier also nichts erreicht. In diesem Sinne ein paar Zitate.
    Zitat Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Im Rahmen des Projekts IQ mobility (2007)7 wurden auf der Leipziger Straße in Berlin Vergleichsmessungen durchgeführt. Dabei ergab sich bei Tempo 30 lediglich eine Lärmreduktion von bis zu zwei Dezibel (A) gegenüber Tempo 50. Die Lärmreduktion zu Hauptverkehrszeiten war noch geringer. Lärmunterschiede in dieser Größenordnung werden vom menschlichen Gehör nicht wahrgenommen.
    Zitat: Nach einer Studie der M+P Consulting Engineers6 für das niederländische Umweltministerium ergibt sich demnach keine substanzielle Lärmreduktion bei Tempo 30 gegenüber Tempo 50
    Zitat Studie LUBW. Eine Studie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)8 hat sich im Mai 2011 mit der Fragestellung befasst, ob eine Absenkung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit auf Hauptverkehrsstraßen von 50 km/h auf 30 km/h eine Verbesserung der Emissionssituation zur Folge hat. Das Ergebnis der Studie fiel dabei eindeutig aus: „30 km/h führte zu Verschlechterungen der Emissions- und Kraftstoffverbrauchssituation.“

  3. Mit Bezug auf den Beitrag von „St. Gremling“: Eine Geschwindigkeitsreduzierung von 50 km/h auf 30 km/h ergibt lt. der zitierten Studie lediglich eine Lärmreduzierung von bis zu zwei Dezibel. Trifft besagte Studie zu (ich kenne sie nicht), ist das wahrlich keine spürbare bzw. hörbare Verbesserung für die Anwohner. Ich frage mich als Normalverbraucher vielmehr, ob Tempo 30 km/h letzten Endes nicht gar eine Verschlechterung darstellt: Bei 50 km/h legt ein Auto / LKW / Motorrad in einer Sekunde nicht ganz 14 Meter zurück – bei 30 km/h beträgt die zurückgelegte Strecke etwa 8,5 Meter. Ergo nehmen die Anwohner einer Straße mit Tempolimit 30 km/h das Motorengeräusch viel länger wahr. Ist es eine Verbesserung, zwei Dezibel „einzusparen“, dafür aber (wenn auch nur unbewusst) den Lärm eines Verbrennungsmotors deutlich länger zu hören / hören zu müssen? Hinzu kommt, wie „St. Gremling“ bereits gepostet hat, eine Verschlechterung im Bereich Emission und Kraftstoffverbrauch. Ich halte die angekündigten Geschwindigkeitsreduzierungen für blödsinnig! Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass besagte Straßen lt. Presse / Internetmedien außerordentliche Unfallbrennpunkte aufweisen – es hat dort vermutlich ebenso oft „gekracht“, wie es anderswo auch der Fall war.

  4. Ich wohne in Obermassen und arbeite in Königsborn. Jeden Tag fahre ich die komplette Kleistrasse runter, dann auf den Massener Hellweg bis zum Kreishauskreisel und dann runter auf die Friedrich Ebert Strasse bis zum Rewe Markt. Abends dann den selben Weg wieder zurück. Ich finde, das sich nichts ändert, außer das Schilder aufgestellt werden. Ich kann mich nämlich nicht erinnern, wann ich auf den besagten Strassen mal über 30 km/h fahren konnte. Auf dem Massener Hellweg reicht es meist noch nicht mal bis 30 km/h. Sternchen-Gucker und zu starkes Verkehrsaufkommen lassen eine schnellere Geschwindigkeit kaum zu, von daher bleibt ALLES BEIM ALTEN.

      • Nicht nur Polizei und Kreis machen Kohle mit Blitzern. Es gibt auch ziemlich viele Städte, die Blitz-Anlagen aufstellen. Den Welt-Artikel weiter oben gelesen? Dort steht:
        „Bundesweit geht es längst um Milliarden, denn neben der Polizei blitzen auch Bedienstete der Städte, Gemeinden und Landkreise, deren Tätigkeit in keiner Statistik erfasst wird. Laut dem Internetwarndienst Radarfalle.de blitzen derzeit in Deutschland insgesamt 3017 stationäre Tempomessgeräte – so viele wie nie zuvor.

        Hinzu kommen nochmals rund 10.000 mobile Messgeräte, die nicht nur von Polizei und Kommunalbeamten, sondern mancherorts auch von Privatfirmen im öffentlichen Auftrag aufgestellt werden.“….
        „Noch deutlicher wird Dieter Müller von der Hochschule der Sächsischen Polizei. Bei einem Seminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrates kritisierte er die Kommunen. Sie arbeiteten oft isoliert und ohne Absprache mit der Polizei, sodass große Chancen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit verschenkt würden.
        „Eine Ausrichtung der Kontrollpunkte auf Unfallschwerpunkte ist bei den Kommunen nur selten feststellbar“, urteilt der Professor für Verkehrswissenschaften. „Wer seine Überwachungsmaßnahmen ausschließlich an monetären Argumenten orientiert, muss sich nicht darüber wundern, dass eine solche Behördenpraxis als ‚Abzocke‘ empfunden wird.“

        Wie gesagt, es würde mich wundern, wenn die Stadt Unna keine Kohle mit Blitzen machen würde.

        • Werter Herr Dagobert – glauben Sie uns einfach. Es GIBT KEINE STÄDTISCHEN BLITZER – es gibt lediglich die Überwachung des ruhenden Verkehrs, auch Falschparkerknöllchen genannt. Da wir uns hier aber nicht in endlosen Gebetsmühlen wiederholen wollen/können/werden, müssen Sie sich eben weiter wundern.

  5. Hallo Ihr selbstherrlichen Kommentatoren (oder auch SUV Fahrer) !
    Mein Vorschlag : stellt euch dann einmal morgens ca. 07:45 – 08:30 an der Ecke Kleistr. oder Emil Bennemann Str. auf und beobachtet den angeblichen 20-30 Kmh Fahrer . (sind sehr wahrscheinlich gefühlte 20-30 Kmh)
    An der Ampel (Schulweg) wird selbst bei ROT durchgebrettert (ach, man kann doch nicht schneller als 20 dort fahren?) Zebrasteifen werden an der Emil Bennen Mann Str. (Kindergarten) selbst von Müttern ignoriert (kann man verstehen da Handy am Ohr) Ach ja, ist ja ein Einzelfall !
    Ich berichte von Live- Erlebnissen der letzten Jahre, da ich meine Enkelkinder immer begleitet habe !
    Bin ich jetzt alt und senil ?
    Hallo Dagobert und longman bevor man gewisse Dinge in Frage stellt sollte man sich ausführlich informieren ! Stehe gerne für Live Berichten zur Verfügung !